OSMUND, Bischof und Heiliger, + 4.12. 1099. - O. entstammte
der Familie der Grafen von Séez in der Normandie. Im Gefolge Wilhelms
d. Eroberers kam er 1066 nach England. Er wurde Kaplan des normannischen
Königs von England und leitete dessen Kanzlei 1072-1078, verfaßte
für Wilhelm Briefe und Urkunden und war an der besitzrechtlichen Erfassung
des eroberten Landes (Domesday Book) beteiligt. 1078 wurde O. Bischof
von Salisbury, dessen Kathedrale er erbaute und weihte. Weitere Verdienste
erwarb er sich um den Ausbau der Bibliothek. O. förderte den Kult
des hl. Aldhelm, eines angelsächsischen Abtes von Malmesbury (+ 709),
und trug damit zum religiösen Ausgleich zwischen den normannischen
Eroberern und der angelsächsischen Bevölkerung bei. Der Historiker
Wilhelm von Malmesbury hebt Gelehrsamkeit, Strenge und Bescheidenheit
als die besonderen Tugenden O.'s hervor. Bemühungen um seine Heiligsprechung
setzten schon im 13. Jh. ein, führten aber erst 1456 zum erstrebten
Ziel. Außer seinem Todestag ist seine Translation in den neuen Dom
von Salisbury (16.7. 1226) in den Festkalender eingegangen.
Werke: Carta Osmundi (Gründungsurkunde des Domkapitels
v. Salisbury), in: Vetus Registrum Sarisberiense, hrsg. v. W. H. Rich
Jones (The Chronicles and Memorials of Great Britain and Ireland during
the Middle Ages LXXVIII) 198 ff.
Lit.: Wilhelm v. Malmesbury, De Gestis Pontificum Anglorum,
Liber Secundus: De Episcopis Scireborniae (PL CLXXIX, 1538); -
A. R. Malden, The Canonization of St. Osmund, 1901; - W. J. Torrance,
St. Osmund of Salisbury, 1920; - David Hugh Farmer, The Oxford
Dictionary of Saints, 1978, 303 f.; - BHL II, 6358-6360; -
Enciclopedia Cattolica IX, 409 f.; - LThK VII, 1265; - Bibliotheca
Sanctorum IX, 1283 f.
Axel Müßigbrod
Letzte Änderung: 09.04.2011