OSWALD, Johannes Heinrich, katholischer Dogmatiker, * 3.6. 1816
in Dorsten, † 7.8. 1903 in Braunsberg. - O., 1840 in Münster
zum Priester geweiht, begann seine Lehrtätigkeit an der dortigen Akademie
1845 als Privatdozent; er wurde 1846 Professor der Dogmatik an der
phil.-theol. Lehranstalt Paderborn (1855 Dr. theol. h.c. Münster),
wo er bis 1852 auch Exegese und später Hebräisch dozierte. Von 1875
an trug er bis ins hohe Alter Dogmatik am Lyceum Hosianum in Braunsberg
vor. - Seine mariologische Frühschrift erweist O. als Vertreter
»romantischer« Theologie. Die Geschlechterdifferenz strukturiert die
Heilsordnung, sie wird zur Begründung der aktiven Teilnahme Mariens
am Werk der Erlösung und dessen Fortwirken in der Kirche herangezogen.
Ausgefaltet wird dies in der eucharistischen Sonderlehre von der wesenhaften
Mitanwesenheit der Person Mariens unter den eucharistischen Gestalten.
Die dogmatische Terminologie wird sehr frei gehandhabt. O. zog im
Vorwort die Möglichkeit in Betracht, durch Exzess geirrt zu haben;
das wurde durch die Indizierung dieser Frühschrift bestätigt. -
Die Neigung zu eigenständiger Spekulation tritt in den späteren, verbreiteten
Traktaten zurück. Die Einheit in der Dogmatik wird nur im gegenseitigen
Begründen und Aufhellen der christlichen Wahrheiten (bisweilen bei
einem etwas meditativen Zugang), nicht in einer einzigen zentralen
christlichen Idee gefunden. Als positiver Dogmatiker sucht er die
kirchliche Lehre biblisch und geschichtlich zu begründen und auch
ihr spekulatives Verständnis aus der Überlieferung zu entwickeln.
Werke: Doctrina veterum Hebraeorum de rebus post mortem
futuris (Lic.), 1843; Dogm. Mariologie, 1850; De institutionis theologicae
via ac ratione. Oratio academica, 1850; Die dogm. Lehre vom hl. Sakrament
der Firmung (Programm), 1853; Orationes academicae tres, quibus doctrinae
de S. Eucharistia illustrantur, 1855; Die dogm. Lehre von den hl.
Sakramenten der kath. Kirche, 2 Bde., 1856-57, 1894
5; Das grammatische
Genus u. seine sprachl. Bedeutung, 1865; Eschatologie, 1868, 1893
5;
Die Lehre von der Heiligung, 1872, 1885
3; De generis humani
lapsi in protoparente ad recuperandam in Christo salutem divinitus
instituta praeparatione, 2 Tle., 1876-78; Die Erlösung in Christo
Jesu, 2 Bde., 1878, 1887
2; Religiöse Urgeschichte der Menschheit,
1881, 1894
5; Angelologie, 1883, 1889
2; Schöpfungslehre,
1885, 1893
2; Dogm. Theologie. Lehre von Gott in seinem Sein
und Leben, 2 Bde., 1887-88.
Lit.: Ernst Raßmann, Nachrichten von dem Leben u. den
Schriften Münsterländischer Schriftsteller, 18812, 160 f.;
- J. Kolberg, H.O., in: Index lectionum in Lyceo regio Hosiano
Brunsbergensi instituendarum, 1904; - Wilhelm Liese, Necrologium
Paderbornense, 1934, 415; - Adolf Heuser, Die Erlösungslehre in
der kath. dt. Dogmatik, 1963, 135-141; - Eduard Hegel, Gesch.
der kath.-theol. Fakultät Münster II, 1971, 115 f.; - Heinz
Brunner, Der organologische Kirchenbegriff, 1979, 144-149; - Josef
Finkenzeller, Die Lehre von den Sakramenten im allgemeinen (HDG IV/1b),
1981, 145-148; - BJ VIII, 194 f.; - HN V, 1915; - Kosch,
KD 3379; - LThK1 VII, 830; - DThC XVI, 3400; -
LThK VII, 1297; - Marienlexikon V, 34.
Erich Naab
Literaturergänzung:
Peter H. Görg, J.H.O. (1817-1903). Leben u. Werk e. dt. Dogmatikers d. 19. Jhrs., in: Donum veritatis. Fs. zum 70. Geb. von Anton Ziegenaus. Manfred Hauke, Michael Stickelbroeck (Hg.). Regensburg 2006, S. 275-290; -
Peter H. Görg, Sagt an wer ist doch diese - Inhalt, Rang und Entwicklung der Mariologie in dogmatischen Lehrbüchern und Publikationen deutschsprachiger Dogmatiker des 19. und 20. Jahrhunderts, Bonn 2007, 91-109.
Letzte Änderung: 09.04.2011