OTGER (Otgar, Otkerius), Bischof v. Speyer, + 13. August 970.
Über seinen Werdegang ist in den Quellen nichts überliefert; wahrscheinlich
war er Mönch in Weißenburg/Elsaß und Abt von Klingenmünster bevor
er Nachfolger des am 17. Mai 961 verstorbenen Bischofs Gotfrid von
Speyer wurde. - Er nimmt am 2. Italienzug Ottos I. teil und unterschrieb
das Pactum Ottonianum vom 13. Februar 962, in dem der Kaiser dem Papst
die Gebiete, Städte, Patrimonien und Bezüge bestätigt (MG DO I. 235).
963 wird Otger vom Kaiser nach Deutschland zurückgeschickt, um die
Reliquien des hl. Gerontius nach Halberstadt und Magdeburg zu bringen.
Nachdem Papst Johannes XII. in Mißachtung des Pactums sich vom Kaiser
abgewandt hat, wird er auf einer Synode Ende 963, an der auch Otger
teilnimmt, abgesetzt. Der eingesetzte Leo VIII. kann sich aber gegen
die von Johannes geleitete Adelsopposition nach dem Abzug des Kaisers
nicht halten. Bischof Otger von Speyer, der vom Kaiser zur Überwachung
seiner Anordnungen in Rom zurückgelassen worden ist, wird von den
Gegnern Ottos I. verhaftet und verstümmelt. 965 kehrt Otger zusammen
mit dem kaiserlichen Heer nach Deutschland zurück. Doch schon bald
darauf stirbt Leo VIII. und die Römer senden, gemäß den Verinbarungen,
Boten zu Otto mit der Bitte der Bestätigung der Wahl des neuen Papstes.
Der Kaiser sendet Otger, der als Fachmann in römischen Fragen zu gelten
hat, nach Rom, wo dieser die Wahl Johannes XIII. beaufsichtigt. Die
Verschwörung gegen Johannes XIII. 966 zwingt den Kaiser zum 3. Italienzug.
Das Heer zieht über Speyer, um Bischof Otger und seinen Anhang mitzunehmen.
Otger verbleibt offenbar längere Zeit in Rom, denn man findet seine
Unterschrift auf einer ganzen Reihe päpstlicher Urkunden der Jahre
967 und 968. Auch auf dem - lange als Synode angesprochenen - Hoftag
von Ravenna im Oktober 968 ist Otger anwesend. Am 4. Oktober 969 erhält
Otger vom Kaiser das wichtige Immunitätsprivileg für seine Bischofskirche
(MG DO I. 379). Todesjahr und -tag werden in den Weißenburger Annalen
und im Speyerer Necrolog mitgeteilt. Dieses sind die letzten Nachrichten
vom Wirken dieses Bischofs, der sein enormes diplomatisches Talent
weniger im Interesse seiner Stadt als vielmehr zugunsten des Reiches
eingesetzt hat.
Quellen: Annales Weissenburgenses, MG SS III 33-72; Annales
Necrologici Fuldeneses, MG SS XIII 161-218; Continuator Reginonis,
MG SS I 613-630; Analista Saxo, MG SS VI 542-777; Liudprand von Cremona,
Historia Ottonis, MG SS III 340-346; Necrologium Spirensis, Böhmer,
J.F., Fontes rerum Germanicarum IV, Stuttgart 1843 ff.; Böhmer-Zimmermann,
Regsta Imperii 2,5: Papstregesten 911-1024, Wien-Köln-Graz 1969, Nrr.
305.413.416.431.434; Zimmermann, H., Papsturkunden 896-1046, Wien
1984, Nrr. 178.179.183; MG Diplomata regum et imperatorum Germaniae
I: Die Urkunden Konrads I., Heinrichs I. und Ottos I., ed. Th. Sickel,
Hannover 1888-93.
Lit.: Remling, F.-X., Geschichte der Bischöfe zu Speyer
1, Mainz 1852; - Gresser, G., Das Bistum Speyer bis zum Ende des
11. Jahrhunderts, Köln 1993 (im Druck).
Georg Gresser
Letzte Änderung: 09.04.2011