OTHO und Gefährten: Märtyrer aus dem Franziskanerorden, geb. vor 1200 in Italien (?), gest. 16.1. 1220in Marokko, Fest: 16.1. - Der hl. Franziskus sandte sechs Ordensbrüder in das Königreich von Marokko. Zwei waren mit ihrem Namen und mit ihrem Tun besonders bekannt: Otho und Berard. In Marokko sollten sie nach dem Willen des hl. Franziskus die Frohbotschaft Christi verkünden. Als sie im Königreich Aragonien waren, erkrankte einer von ihnen, Vitalis, schwer. Da er sah, daß er länger krank sein werde, befahl er den fünf anderen Brüdern, geführt von Otho und Berard, nach Marokko zu ziehen. Diesem Befehl gehorchten die Brüder, ließen den kranken Vitalis zurück und trafen in Coimbra ein. Von dort gingen sie weiter, ohne den Habit zu tragen, und kamen nach Sevilla. Dieses war damals eine Stadt der Sarazenen. Dort wollten sie die Hauptmoschee betreten. Jedoch die Menge des Volkes wehrte sich dagegen. Sie fiel über die Franziskaner her und verprügelte sie. Schließlich gelangten sie zum Tor des Palastes und sagten, sie seien zum König geschickt als Gesandte des Königs der Könige, des Herrn Jesus Christus. Dort im Palaste berichteten sie dem König vieles über Jesus Christus und versuchten, ihn zur Taufe zu bewegen. Doch der König befahl voll Wut, diese Menschen zu enthaupten. Als er sich jedoch noch mit dem Ältestenrat besprochen hatte, sandte er sie weiter nach Marokko, wohin sie ja selbst wollten. - Gleich nach ihrer Ankunft predigten sie auf dem Marktplatze. Der König jedoch ließ sie in den Kerker werfen, wo sie durch zwanzig Tage ohne Speise und Trank blieben. Nach verschiedenen Foltern spaltete der König selbst einzelnen ihre Häupter. So erlangten sie die Krone des Martyriums. So wurde der Anfang des Franziskanerordens gleichsam durch das Martyrium des Otho, Berard und der anderen Brüder gesegnet. Ihre Leiber wurden nach S. Cruz übertragen (Coimbra). Dabei vernahm der hl. Antonius v. Padua seinen Ruf, in den Franziskanerorden einzutreten. Sixtus IV. bestätigte den Kult in Coimbra im Jahre 1480 mündlich, 1481 schriftlich. Zwischen 1740 und dem 19. Jh. bestand in Coimbra die Erzbruderschaft Real e Devota Irmandade dos Sanctos Martyres de Maroccos. Seit 1933 sind sie Patrone des Erzbistums von Rabat. -Zahlreiche Darstellungen in der Kunst - die älteste Darstellung auf dem Antoniusfenster der Unterkirche von Assisi, 3.V. 14. Jh.
Lit.: LThK2 Bd. 2, Sp. 240 (K. S. Frank), Passio sanctorum martyrum: AFH 3, 15-21, 579-596; - LCHI Bd. 7, Sp. 583-584 (G. van' s-Hertogenbosch-O. Schmucki); - Franziskanisches Proprium zum Stundenbuch, Freiburg i. Br. 1980, 36-39; - V. Schauber: Pattloch Namenstagskalender, Dokumentation H. M. Schindler, Augsburg 1994, 17.