Verlag Traugott Bautz |
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OTTO, Walter F(riedrich Gustav Hermann), klassischer Philologe, * 22.6. 1874 Hechingen, † 23.9. 1958 Tübingen. - Der Sohn eines Apothekers studierte im Anschluß an seine Grundschul- und Gymnasialausbildung zunächst in Tübingen zwei Semester evangelische Theologie, dann klassische Philologie. Zu seinen Tübinger akademischen Lehrern zählten der Altphilologe Otto Crusius, der von 1886 bis 1898 an der Tübinger alma mater lehrte und sich mit griechischer Mythologie und Literatur beschäftigte, und der klassische Philologe Wilhelm Schmid, der hier von 1893 bis 1926 Geschichte der griechischen Sprache und Literatur vertrat. Von Tübingen wechselte O. nach Bonn. Hier war er Schüler des Textkritikers und Grammatikers Franz Bücheler sowie Hermann Useners, Verfasser grundlegender Arbeiten auf dem Gebiet der griechischen Philologie und der Religionsgeschichte. In München promovierte O. mit einer Arbeit, die betitelt ist "Nomina propria latina oriunda a participiis perfecti". (Sie erschien 1898 als Suppl.Bd. 24 in den Jahrbb. für class. Phil.). Im Anschluß an die Promotion war O. Mitarbeiter an dem seit 1894 in München bearbeiteten und herausgegebenen "Thesaurus linguae Latinae". 1905 habilitierte er sich in München. 1911 folgte er einem Ruf nach Wien, 1913 nach Basel und 1914 an die im gleichen Jahr gegründete Universität Frankfurt am Main. Seit 1935 wirkte O. an der Universität Königsberg/Pr. "Kurz (vor dem Zusammenbruch des nationalsosialistischen Deutschland 1945) fand Otto ein geschütztes Refugium in Elmau bei Garmisch. Seine nach Philologenart mit Randbemerkungen versehenen Bücher und viele seiner Manuskripte fielen der Zerstörung anheim. Über die schlimmste Zeit führte er sich und die Elmauer Gemeinde durch Vorträge und kleine Theateraufführungen hinweg. Kurz wirkte er dann an den Universitäten München und Göttingen, aber erst in Tübingen (wo er als Gastprofessor lehrte; M.F.) fand er glückliche Verhältnisse für Lehre und Arbeit, vornehme Kollegen und dankbare Studenten" (W. Theiler). Auf dem Tübinger Waldfriedhof wurde er zur letzten Ruhe gebettet.
Lit.: Willy Theiler, Walter F. Otto (†), in: Gnomon 32 (1960), 87-90; - Otto, Walter F., in: Der Große Brockhaus, Bd. 8 (1955), 660; - Otto, Walter F(riedrich Gustav Hermann), klassischer Philologe, in: Walter Killy u. Rudolf Vierhaus (Hrsg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), Bd. 7 (2001), 536.
Michael Fuchs
Werkeergänzung:
2004
Il volto degli dèi. Legge, archetipo e mito. A cura di Giampiero Moretti. Trad. di Alessandro Stavru. Roma 2004;
2005
Le muse e l'origine divina della parola e del canto. A cura di Susanna Mati. Roma 2005;
2011
Dionysos. 7., um ein Nachw. verm. Aufl. / mit e. Nachw. von Alessandro Stavru. Frankfurt/M. 2011.
Literaturergänzung:
1986
Hubert Cancik, Die Götter Griechenlands 1929. W.F.O. als Religionswissenschaftler u. Theologe am Ende d. Weimarer Republik I, in: Theologen u. Theologien in verschiedenen Kulturkreisen. Hrsg. von Heinrich von Stietencron. Düsseldorf 1986, S. 214-238; - Hubert Cancik, Dionysos 1933. W.F.O., ein Religionswissenschaftler u. Theologe am Ende d. Weimarer Republik, in: Die Restauration der Götter. Antike Religion u. Neo-Paganismus. Hrsg. von Richard Faber u. Renate Schlesier. Würzburg 1986, S. 105-123; -
2006
Paolo Miccoli, L'etica di Socrate. Pubblicato un teso inedito di W.F.O., in: OR Nr. 193 vom 23.8.2006, S. 3; -
2007
Aaron Fellbaum, Die Bedeutung d. Mythos. Eine zeitkrit. Rückbesinnung auf d. Werk d. späten W.F.O., in: RSG 8.2007, S. 291-293; - Alessandro Stavru, Socrate. Mito ed etica della conoscenza. Studio sugli scritti socratici di Walter Friedrich Otto. Roma 2007.
Letzte Änderung: 27.12.2011