PALLADIUS, Peder, der erste lutherische Bischof von Seeland (Kopenhagen),
Dänemark * 1503, + 1560. - P.war mit Kirstine Pedersdatter
verheiratet. Er war der Bruder von Niels (Nicolaus) Palladius, welcher
1551-1560 lutherischer Bischof im Bistum Lund, jetzt Schweden war.
- Nach einigen Jahren als Rektor in Odense wurde P. 1531 an der
Universität Wittenberg immatrikuliert. Er hielt sich hier bis 1537
auf und erwarb den seltenen theologischen Doktorgrad. Luther war der
Promotor, die Arbeit handelte vom Verhältnis Glaubens und der Werke.
- Am 2. September 1537 wurde P. mit sechs anderen neuen lutherischen
Bischöfen von Johann Bugenhagen aus Wittenberg in Kopenhagen geweiht.
P. bekam das leitende Amt als Bischof über Seeland mit Residenz in
Kopenhagen. Damit wurde er der inoffizielle Primas der neuen lutherischen
Kirche. Seine fleißige Visitationsreisen hat er in dem »Visitatsbuch»(um
1543) beschrieben. Das Buch gibt einen einzigartigen Eindruck von
den kirchlichen und kulturellen Verhältnisse in Dänemark im 16. Jhdt.
Außerdem war er der oberste Leiter des Unterrichts und Sozialwesens.
Er war auch der besondere theologische Ratgeber des Königs, Christian
III, und schrieb als solcher u.A. das Gutachten über das Augsburger-Interim
(1548) und über die Osiander-Sache in Pommern (1552). Weiterhin war
P. gleichzeitig Professor der Theologie an der neuen Universität in
Kopenhagen. Schließlich war er der oberste Leiter der Territorien,
die zu Dänemark gehörten, sowie Island, Rügen, Gotland, Norwegen und
den Färöer. - P. hat sehr großen Einfluß am Aufbau der lutherischen
Kirche in Dänemark ausgeübt, und sein praktisch-kirchlicher Einsatz
kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dieses geschah auch durch
seine bedeutende Verfasserschaft, die um 80 Schriften -dänische, deutsche,
polnische, isländische, englische, lateinische- umfaßt. Es waren Übersetzungen
deutscher Theologen, Katechetische Bücher, Predigten, selbständige
theologische Werke und Schriften gegen die zeitgenössischen Ketzer.
- In theologischer Beziehung war P. nicht originell. Er folgte
Luther in der Abendmahlsauffassung, aber er war am stärksten von Melanchthon
geprägt betr. der Pädagogik und der Methode.
Werke: Peder Palladius, Danske Skrifter (Sämtliche dänische
Schriften), Hrsg. Lis Jacobsen, Bd.1-5, Kopenhagen 1911-1926; Peder
Palladius: Paroisses Vivantes. Un Livre de visite, traduit par Jean
Sauter, Geneve o.J. (um 1963); Skrifter af Peder Palladius. Hidtil
utrykte latinske Skrifter (bisher ungedruckte lateinische Manuskr.),
hrsg. Martin Schwarz Lausten, Kopenhagen 1968; Die gedruckte lateinische
Bücher liegen nur im Original in den Bibliotheken vor; Bibliographie
in Martin Schwarz Lausten: Biskop P. (siehe unten!), 420-425.
Lit.: N. K. Andersen, P. i Wittenberg, in: Dansk Teologisk
Tidsskrift Bd. 8, 1945, 1-30; - Ders., Fakultetet i ældre luthersk
tid, in: Københavns Universitets Historie 1479-1979, red. Svend
Ellehøj, Bd. V, Kopenhagen 1980, 14-52; - Martin Schwarz Lausten,
Biskop Niels Palladius, Kopenhagen 1968; - Ders., Biskop Peder
Palladius og kirken 1537-1560. Mit einer deutschen Zusammenfassung,
Kopenhagen 1987; - Ders., Christian d. 3. og kirken 1537-1559.
Mit einer deutschen Zusammenfassung, Kopenhagen 1987; - Ders,,
Reformationen i Danmark, Kopenhg. 1987; - Ders., Peder Palladius'
teologi. Oppositionsindlæg ved J. Ertners doktordisputats, in: Kirkehistoriske
Samlinger 1989, 29-78; - Jørgen Ertner, Peder Palladius' lutherske
teologi. Mit einer deutschen Zusammenfassung, Kopenhg. 1988; -
Dansk Biografisk Leksikon, 3. Ausg. Bd. II, 1982, 125-128; - TRE
8, 1981, 300-317 (Lit.).