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Band VI (1993)Spalten 1463-1464 Autor: Martin Schwarz Lausten

PALLADIUS, Peder, der erste lutherische Bischof von Seeland (Kopenhagen), Dänemark * 1503, + 1560. - P.war mit Kirstine Pedersdatter verheiratet. Er war der Bruder von Niels (Nicolaus) Palladius, welcher 1551-1560 lutherischer Bischof im Bistum Lund, jetzt Schweden war. - Nach einigen Jahren als Rektor in Odense wurde P. 1531 an der Universität Wittenberg immatrikuliert. Er hielt sich hier bis 1537 auf und erwarb den seltenen theologischen Doktorgrad. Luther war der Promotor, die Arbeit handelte vom Verhältnis Glaubens und der Werke. - Am 2. September 1537 wurde P. mit sechs anderen neuen lutherischen Bischöfen von Johann Bugenhagen aus Wittenberg in Kopenhagen geweiht. P. bekam das leitende Amt als Bischof über Seeland mit Residenz in Kopenhagen. Damit wurde er der inoffizielle Primas der neuen lutherischen Kirche. Seine fleißige Visitationsreisen hat er in dem »Visitatsbuch»(um 1543) beschrieben. Das Buch gibt einen einzigartigen Eindruck von den kirchlichen und kulturellen Verhältnisse in Dänemark im 16. Jhdt. Außerdem war er der oberste Leiter des Unterrichts und Sozialwesens. Er war auch der besondere theologische Ratgeber des Königs, Christian III, und schrieb als solcher u.A. das Gutachten über das Augsburger-Interim (1548) und über die Osiander-Sache in Pommern (1552). Weiterhin war P. gleichzeitig Professor der Theologie an der neuen Universität in Kopenhagen. Schließlich war er der oberste Leiter der Territorien, die zu Dänemark gehörten, sowie Island, Rügen, Gotland, Norwegen und den Färöer. - P. hat sehr großen Einfluß am Aufbau der lutherischen Kirche in Dänemark ausgeübt, und sein praktisch-kirchlicher Einsatz kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dieses geschah auch durch seine bedeutende Verfasserschaft, die um 80 Schriften -dänische, deutsche, polnische, isländische, englische, lateinische- umfaßt. Es waren Übersetzungen deutscher Theologen, Katechetische Bücher, Predigten, selbständige theologische Werke und Schriften gegen die zeitgenössischen Ketzer. - In theologischer Beziehung war P. nicht originell. Er folgte Luther in der Abendmahlsauffassung, aber er war am stärksten von Melanchthon geprägt betr. der Pädagogik und der Methode.

Werke: Peder Palladius, Danske Skrifter (Sämtliche dänische Schriften), Hrsg. Lis Jacobsen, Bd.1-5, Kopenhagen 1911-1926; Peder Palladius: Paroisses Vivantes. Un Livre de visite, traduit par Jean Sauter, Geneve o.J. (um 1963); Skrifter af Peder Palladius. Hidtil utrykte latinske Skrifter (bisher ungedruckte lateinische Manuskr.), hrsg. Martin Schwarz Lausten, Kopenhagen 1968; Die gedruckte lateinische Bücher liegen nur im Original in den Bibliotheken vor; Bibliographie in Martin Schwarz Lausten: Biskop P. (siehe unten!), 420-425.

Lit.: N. K. Andersen, P. i Wittenberg, in: Dansk Teologisk Tidsskrift Bd. 8, 1945, 1-30; - Ders., Fakultetet i ældre luthersk tid, in: Københavns Universitets Historie 1479-1979, red. Svend Ellehøj, Bd. V, Kopenhagen 1980, 14-52; - Martin Schwarz Lausten, Biskop Niels Palladius, Kopenhagen 1968; - Ders., Biskop Peder Palladius og kirken 1537-1560. Mit einer deutschen Zusammenfassung, Kopenhagen 1987; - Ders., Christian d. 3. og kirken 1537-1559. Mit einer deutschen Zusammenfassung, Kopenhagen 1987; - Ders,, Reformationen i Danmark, Kopenhg. 1987; - Ders., Peder Palladius' teologi. Oppositionsindlæg ved J. Ertners doktordisputats, in: Kirkehistoriske Samlinger 1989, 29-78; - Jørgen Ertner, Peder Palladius' lutherske teologi. Mit einer deutschen Zusammenfassung, Kopenhg. 1988; - Dansk Biografisk Leksikon, 3. Ausg. Bd. II, 1982, 125-128; - TRE 8, 1981, 300-317 (Lit.).

Martin Schwarz Lausten

Letzte Änderung: 07.02.1999