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Verlag Traugott Bautz
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PALTZ, Johannes (Jeusser) von, OESA, angesehener Theologe und Prediger, * um 1445 zu Pfalzel (bei Trier), + 13.3. 1511 im Augustinerkloster zu Mülheim (heute Ehrenbreitstein). Er war der Sohn des Büchsenmachers Heinrich von Heilbronn, genannt Jeusser (= Gießer). Seit dem Wintersemester 1462 studierte er an der Universität Erfurt, wo er am 6.1. 1467 den Grad des magister artium erwarb. Bald darauf trat er in das Augustinerkloster von Erfurt ein. Dort hatte er den angesehenen Universitätsprofessor der Augustiner Johannes von Dorsten als theologischen Lehrer. Um 1470 empfing er die Priesterweihe und wurde als Seelsorger eingesetzt. Als sich sein Heimatkloster 1474 der deutschen Reformkongregation anschloß, war es Paltz, der sich mit großem Eifer für die klösterliche Observanz einsetzte. Schon 1475 wurde er als Prior nach Neustadt/Orla gesandt, um auch dieses Kloster zu reformieren. In dem gleichen Anliegen wirkte er 1490/91 im Augustinerkloster Herzberg an der Schwarzen Elster und 1493-1500 in seiner Heimatdiözese Trier, wo er 1495 das schon erwähnte Reformkloster Mülheim gründete. 1501-03 war er mit der Gründung eines Reformklosters in Sternberg (Mecklenbg.) beschäftigt. - Eine entscheidende Wendung nahm sein Leben, als Johannes v. Dorsten, der Erfurter Universitätsprofessor des Ordens, am 3.1. 1481 unerwartet starb. P., als sein Nachfolger in Aussicht genommen, kehrte an die Universität zurück. 1482 hielt er Bibellesung und Sentenzenlesung. Auch übernahm er am Beginn des Wintersemesters beim Eröffnungsgottesdienst der Universität im Erfurter Mariendom die Predigt. Im Sommersemester 1483 war er schon »licentiatus theologiae« und wurde am 13.10. 1483 zum Magister der Theologie promoviert. Bis 1495 war er mit Unterbrechungen als Professor der Erfurter theologischen Fakultät tätig. 1485 ist er außerdem als Visitator der Erfurter Nonnenklöster und 1488 als Inquisitor für Thüringen bezeugt. Gleichzeitig war er eifrig als Prediger tätig. Erhalten sind seine Predigten bei der Beisetzungsfeier von zwei Erfurter Theologieprofessoren, des Dietrich Fabri aus Weisensee (+ 1486) und des Udalrich Rispach aus Angerhausen (+ 1488). In den Jahren 1488-90 und abermals 1502/03 wirkte er im Auftrag des Kardinals Raimund Peraudi, vor allem in Thüringen, Sachsen, Meißen und in der Mark, als Prediger des Ablasses, durch den der »Kreuzzug« zur Abwehr der Türkengefahr finanziert werden sollte. P. war ein fesselnder Prediger, von dessen anschaulicher und kraftvoller Sprache, Lebensnähe und religiöser Wärme seine oft gedruckten und auch ins Niederdeutsche übersetzten Kreuzzugspredigten, betitelt »Die hymelische Fundgrube«, noch heute Zeugnis geben. Er sprach in diesen Predigten vom Leiden Christi und den verschiedenen Weisen der Leidensbetrachtung, von den Gedankensünden, vor allem blasphemischer Art, von der rechten Art zu sterben und von der Krankensalbung und den übrigen geistlichen Hilfen für die Sterbenden. Mit seinen Schriften und Predigten wollte er vorwiegend der rechten Gestaltung des christlichen Lebens dienen und stellte den Zuhörern klare Forderungen. Ende 1503 und im August 1505 ist P. nochmals in seinem Erfurter Heimatkloster bezeugt. Die Annahme R. Weijenborgs, er sei der Novizenmeister Luthers gewesen, entbehrt des Beweises. Seine letzten Lebensjahre, seit 1507, verbrachte er als Prior im Kloster Mülheim, wo er auch gestorben ist. - Seine zahlreichen Schriften, die großenteils schon zu seinen Lebzeiten im Druck erschienen und weite Verbreitung fanden, liegen jetzt in einer vorbildlichen textkritischen Edition vor: J.v.P. Werke, 3 Bde, bearbeitet von Berndt Hamm, Christoph Burger u.a., 1983-89. Der erste Band bietet die »Coelifodina«, eine lateinische und sehr erweiterte Bearbeitung der »Hymelischen Fundgrube«, der zweite Band das sog. »Supplementum Coelifodinae«, das die Themen des ersten Werkes weiterführt und den religiösen Eifer im Volk wachzuhalten sucht. Der dritte Band enthält außer der »Hymelischen Fundgrube« und deren niederdeutscher Übersetzung (S. 155-253 und S. 254-284) einzelne Predigten und kleinere Schriften.
Lit.: Theodor Kolde, Die deutsche Augustiner-Congregation und Johann v. Staupitz, 1871, vor allem 174-197 und passim; - J.J. Wagner, Das ehemalige Kloster der Augustiner-Eremiten in Ehrenbreitstein, 1932, vor allem 46 ff. und 81 ff.; - R. Laufner, Zur Abstammung von Luthers Lehrer J.v.P., in: Vierteljahrblätter der Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen 1 (1955) 59-62; - Reinold Weijenborg, Doctrina de Immaculata Conceptione apud J. de P..., in: »Virgo Immaculata« XIV, 1957, 160-183; - ders., Luther et les cincquante et un Augustins d'Erfurt, in: RHE 55 (1960) 819-875, hier 832 f.; - H.H. Wolf, Die »Himmlische Fundgrube« und die Anfänge der deutschen Bergmannspredigt, in: Hessische Blätter für Volkskunde 49/50 (1958) 347-354; - Bernhard Lohse, Mönchtum und Reformation, 1963, 160-171; - H. Burose, J.v.P. und seine »himmlische Fundgrube«, in: Der Anschnitt, Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau 16 (1964) 9-14; - Adolar Zumkeller, Die Lehrer des geistlichen Lebens unter den deutschen Augustinern, in: S. Augustinus vitae spiritualis Magister II, 1959, 239-338, hier 314-323; - ders., Der religiös-sittliche Stand des Erfurter Säkularklerus am Vorabend der Glaubensspaltung, in: Augustinianum 2 (1962) 267-284 und 471-506, vor allem 273-278; - ders., Die Augustinerschule des Mittelalters, in: Anal. Aug. 27 (1964) 167-262, hier 252 f. (ältere Lit.); - ders., Manuskripte von Werken der Autoren des Augustiner-Eremitenordens in mitteleuropäischen Bibliotheken, 1966, 255 ff. und 604 nn. 551-561; - Markus Ferdigg, De vita, operibus et doctrina J. de P., in: Anal. Aug. 30 (1967) 210-321 und 31 (1968) 155-318; - R.H. Fischer, P. und Luther, in: Luther-Jahrbuch 37 (1970) 9-36; - G. Brach, Die Kunst zu sterben des J.v.P. Zusammenstellung der Ausgaben der Himmlischen Fundgrube und deren Übersetzungen, in: Kurtrierisches Jahrbuch 10 (1970) 74-85; - Fritz Juntke, Über die im XV. Jahrhundert in Leipzig gedruckten Ablaßpredigten des J.v.P., in: Gutenberg-Jahrbuch 1973, 203-212; - Adalbero Kunzelmann, Geschichte der deutschen Augustiner-Eremiten V, 1974, vor allem 437-443, 483-485, 490 f.; - Erich Kleineidam, Universitas Studii Erffordensis 2II, 1992, 282-284 (Lit.) und passim; - ders., Die Bedeutung der Augustinereremiten für die Universität Erfurt im Mittelalter und in der Reformationszeit, in: Scientia Augustiniana, 1975, 395-423, hier 404 f.; - K.H. zur Mühlen, Demut - J.v.P., Johannes von Staupitz und Luther, in: TRE VIII, 472-476; - Adolar Zumkeller, Erbsünde, Gnade, Rechtfertigung und Verdienst nach der Lehre der Erfurter Augustinertheologen des Spätmittelalters, 1984, vor allem 390-431 und 443-451; - Berndt Hamm, Frömmigkeitstheologie am Anfang des 16. Jahrhunderts. Studien zu J.v.P. und seinem Umkreis, 1982; - Denis Martin, Popular and monastic pastoral issues in the later Middle Ages, in: Church History 56 (1987) 320-332; - Ulman Weiß, Die frommen Bürger von Erfurt. Die Stadt und ihre Kirche im Spätmittelalter und in der Reformationszeit, 1988, passim; - LThK 2VIII, 15; - RGG 3V, 34 f.; - NDB X, 565 f; - DSAM XII, 472-476; - DLMA, Verfasserlexikon 2IV, 698-706; - Marienlexikon III, 1991, 410-412.
Adolar Zumkeller
Literaturergänzung:
2008
Christoph Burger, Johannes v.P. (+ 1511) als Rezipient von "De gestis Domini Salvatoris" des Simon von Cascia, in: Simone Fidati da Cascia OESA. Roma 2008, S. 351-366;- Ders., La ricezione di Sione da Cascia nelle opere di J.v.P., in: ebd. S. 367-377.
Letzte Änderung: 18.01.2009