PAULUS, Carl Friedrich, * 27.6. 1843 in Ludwigsburg, + 28.11.
1893 in Berea, Ohio/USA. C.F.P. war das 3. Kind der Eheleute Karl
Friedrich Paulus (27.3. 1804 - 4.2. 1867) und Friederike Christiane
geb. Bender (18.2. 1813 - 23.9. 1848). Sein Vater, Dr. med., war 1835
Mitbegründer der Korntaler Anstalt und Mitinhaber der Erziehungsanstalt
auf dem Salon in Ludwigsburg seit 1838. - Nach seinem Schulbesuch
in der `wissenschaftlichen Bildungsanstalt der Gebrüder Paulus auf
dem Salon bei Ludwigsburg' unter seinem pietistisch-kongregationalistisch
orientierten Onkel Philipp Paulus entschied er sich zum Studium der
Theologie, um als Pastor in der Methodistenkirche zu wirken. P. war
nämlich, genau wie Ernst Gebhardt und Johannes Staiger, durch den
schlichten Gustav Haußer für die methodistische Kirche gewonnen worden.
Dort wirkte er zunächst als Laie (Klaßführer und Ermahner) mit. Er
studierte in Berlin, Halle und im Bremer Seminar der Methodistenkirche.
In Berlin wurde er von Isaak August Dorner beeinflußt, der bereits
im 19. Jahrundert ökumenisch dachte und sich - in der Evangelischen
Allianz und bei den Kirchentagen aktiv - eine Kirche unter Einschluß
der angelsächsischen Länder vorstellen konnte. In Halle studierte
C.F.P. unter August Gottreu Tholuck, der ebenfalls über internationale
Kirchenerfahrungen verfügte. Von 1863 bis 1865 besuchte er das Missionshaus
der Methodistenkirche in Bremen, in dem er nach dem Abschluß seiner
theologischen Studien an der Universität von 1866 bis 1870 als theologischer
Lehrer wirkte. 1870 wanderte er nach Amerika aus und arbeitete dort
auf den methodistischen Gemeindebezirken von Cincinnati und Covington,
Ky., bis er 1874 als Professor für Systematische Theologie an das
German Wallace College in Berea, Ohio, berufen wurde, das seine wissenschaftliche
Arbeit mit einem theologischen Ehrendoktor würdigte (1874). Man hatte
schon vorher seine Lehrbefähigung erkannt und ihn 1871 vergeblich
für die Ausbildung der Pastoren am Predigerseminar der Methodistenkirche
in Frankfurt/M zu gewinnen versucht. Am 11.8. 1875 verehelichte er
sich mit Maria Emilie Gärtner aus Bremen, die jedoch schon im September
1876 verstarb. Eine zweite Ehe ging er später mit Emma geb. Muehlemann
(5.8. 1851-24.7. 1927) ein. P. war ein einflußreicher theologischer
Lehrer, der innerhalb seiner Studentenschaft eine geistliche Erweckung
erlebte. In seiner wissenschaftlichen Arbeit war er neben den bereits
genannten Dorner und Tholuck auch von Hans L. Martensen beeinflußt.
Seine Ethik stellt einen frühen Versuch dar, insbesondere die sozialen
und politischen Fragen vom Standpunkt des staatsfreien Kirchentums
aus darzustellen als in Deutschland noch die Verbindung von Staat
und Kirche bestand. Er starb am 28.11. 1893 im Alter von 50 Jahren.
Werke: Leitfaden zur empirischen Psychologie, 1865; Apologetischer
Vortrag über die Person Christi zur Orientierung in der Frage über
den neuen und den alten Christusglauben, 1868; Das Leben Jesu, Cincinnati,
o.J.; Das christliche Heilsleben, Christliche Sittenlehre, Cincinnati
1890; Durch Kampf zum Sieg, Betrachtungen für die Jugend, Cincinnati
18931; 18982; Die Hauptlehren des Methodismus, Cincinnati,
o.J.; Das Leben Jesu, Cincinnati, o.J.; - Aufs.: Der Einfluß des
Evangeliums auf das sittliche Leben des Menschen, in: Evangelist 1875, 193 f.;
Zur Lehre von der Heiligung (Predigt), in: Evangelist 1877, 108 f.
u. 115 ff.; Die Berechtigung der Methodisten, in Deutschland Mission
zu treiben, in: Evangelist 1881, 297 ff.; Die wissenschaftliche
Ausbildung deutscher Methodistenprediger, in: Wächterstimmen, 1887,
102.
Lit.: Ernst Philipp Paulus, Beate Paulus geb. Hahn, Was
eine Mutter kann, 1875 (Großmutter v. C.F.P.); - Nachruf, in:
Der Sonntagsgast 1894, 4; - Nachruf, in: Evangelist 1894, 61 f.
u. 69 f.