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Band VII. (1994) Spalten 94-96 Autor: Karl Heinz Voigt

PAULUS, Carl Friedrich, * 27.6. 1843 in Ludwigsburg, + 28.11. 1893 in Berea, Ohio/USA. C.F.P. war das 3. Kind der Eheleute Karl Friedrich Paulus (27.3. 1804 - 4.2. 1867) und Friederike Christiane geb. Bender (18.2. 1813 - 23.9. 1848). Sein Vater, Dr. med., war 1835 Mitbegründer der Korntaler Anstalt und Mitinhaber der Erziehungsanstalt auf dem Salon in Ludwigsburg seit 1838. - Nach seinem Schulbesuch in der `wissenschaftlichen Bildungsanstalt der Gebrüder Paulus auf dem Salon bei Ludwigsburg' unter seinem pietistisch-kongregationalistisch orientierten Onkel Philipp Paulus entschied er sich zum Studium der Theologie, um als Pastor in der Methodistenkirche zu wirken. P. war nämlich, genau wie Ernst Gebhardt und Johannes Staiger, durch den schlichten Gustav Haußer für die methodistische Kirche gewonnen worden. Dort wirkte er zunächst als Laie (Klaßführer und Ermahner) mit. Er studierte in Berlin, Halle und im Bremer Seminar der Methodistenkirche. In Berlin wurde er von Isaak August Dorner beeinflußt, der bereits im 19. Jahrundert ökumenisch dachte und sich - in der Evangelischen Allianz und bei den Kirchentagen aktiv - eine Kirche unter Einschluß der angelsächsischen Länder vorstellen konnte. In Halle studierte C.F.P. unter August Gottreu Tholuck, der ebenfalls über internationale Kirchenerfahrungen verfügte. Von 1863 bis 1865 besuchte er das Missionshaus der Methodistenkirche in Bremen, in dem er nach dem Abschluß seiner theologischen Studien an der Universität von 1866 bis 1870 als theologischer Lehrer wirkte. 1870 wanderte er nach Amerika aus und arbeitete dort auf den methodistischen Gemeindebezirken von Cincinnati und Covington, Ky., bis er 1874 als Professor für Systematische Theologie an das German Wallace College in Berea, Ohio, berufen wurde, das seine wissenschaftliche Arbeit mit einem theologischen Ehrendoktor würdigte (1874). Man hatte schon vorher seine Lehrbefähigung erkannt und ihn 1871 vergeblich für die Ausbildung der Pastoren am Predigerseminar der Methodistenkirche in Frankfurt/M zu gewinnen versucht. Am 11.8. 1875 verehelichte er sich mit Maria Emilie Gärtner aus Bremen, die jedoch schon im September 1876 verstarb. Eine zweite Ehe ging er später mit Emma geb. Muehlemann (5.8. 1851-24.7. 1927) ein. P. war ein einflußreicher theologischer Lehrer, der innerhalb seiner Studentenschaft eine geistliche Erweckung erlebte. In seiner wissenschaftlichen Arbeit war er neben den bereits genannten Dorner und Tholuck auch von Hans L. Martensen beeinflußt. Seine Ethik stellt einen frühen Versuch dar, insbesondere die sozialen und politischen Fragen vom Standpunkt des staatsfreien Kirchentums aus darzustellen als in Deutschland noch die Verbindung von Staat und Kirche bestand. Er starb am 28.11. 1893 im Alter von 50 Jahren.

Werke: Leitfaden zur empirischen Psychologie, 1865; Apologetischer Vortrag über die Person Christi zur Orientierung in der Frage über den neuen und den alten Christusglauben, 1868; Das Leben Jesu, Cincinnati, o.J.; Das christliche Heilsleben, Christliche Sittenlehre, Cincinnati 1890; Durch Kampf zum Sieg, Betrachtungen für die Jugend, Cincinnati 18931; 18982; Die Hauptlehren des Methodismus, Cincinnati, o.J.; Das Leben Jesu, Cincinnati, o.J.; - Aufs.: Der Einfluß des Evangeliums auf das sittliche Leben des Menschen, in: Evangelist 1875, 193 f.; Zur Lehre von der Heiligung (Predigt), in: Evangelist 1877, 108 f. u. 115 ff.; Die Berechtigung der Methodisten, in Deutschland Mission zu treiben, in: Evangelist 1881, 297 ff.; Die wissenschaftliche Ausbildung deutscher Methodistenprediger, in: Wächterstimmen, 1887, 102.

Lit.: Ernst Philipp Paulus, Beate Paulus geb. Hahn, Was eine Mutter kann, 1875 (Großmutter v. C.F.P.); - Nachruf, in: Der Sonntagsgast 1894, 4; - Nachruf, in: Evangelist 1894, 61 f. u. 69 f.

Karl Heinz Voigt