PEDERSEN, Christiern, dänischer Historiker, einer der bedeutendsten
dänischen Humanisten. * vor 1480, + 1554. Unbekannte Eltern,
aber von bürgerlicher Abstammung. C. P. heiratete nach 1532 Else Jacobsdatter
in Malmö, die 1539 ebendort starb. Sie war Tochter des Bürgermeisters
Jacob Mikkelsen und seiner Frau Anne Hansdatter. - C. P. ging
in Roskilde zur Schule, 1496 immatrikulierte er an der Universität
Greifswald wo er als Pedell, und folglich sehr arm, 1498 sein baccalaureus
erwarb. 1505 ist er wieder in Lund, als Kanonikus. 1508-1515 befindet
er sich in Paris als Mitglied der »germanischen Nation« wo er Magister
des artes liberales wird. Diesen Titel trägt er zum ersten Mal im
Sept. 1511. - C. P. verblieb bis 1515 in Paris, wo er Schriften
in Latein und Dänisch verfaßte. Sein erstes Werk, ein Latein-Dänisches
Wörterbuch »Vocabularium ad usum Dacorum« erschien zum ersten Mal
1510. Danach gab er die Gesta Danorum des alten dänischen Historikers
Saxo Grammaticus aus. Durch diese Ausgabe von allen Gelehrten gepriesen,
die 1514 erschien, hat C. P. allgemeine Anerkennung als Wissenschaftler
gewonnen. Mit dieser Ausgabe sind die Werke Saxos für spätere Generationen
bewahrt worden, da die Handschrift, die der Erzbischof ihm gegeben
hatte, bald verlorengegangen ist. Im selben Jahr gab er auch das Missale
des Erzbistums Lund und einige dessen Statuten aus. - 1514 ließ
C. P. »Vor Frue Tider«, eine Sammlung Gebete »in recht Dänisch ...
dem König Christian zum Gefallen ... übersetzt«, herausgeben. (1517
in Leipzig neu gedruckt). Im selben Jahr erschien auch »Om at høre
Messe« (Von dem Hören der Messe), eine Auslegung für die Laien von
der Messe und ihrer Bedeutung. Die Messe wird hier in humanistischer
Weise symbolisch erklärt. 1515 kam eine Sammlung von Predigten über
die Evangelien- und Episteltexte des Jahres mit Vorbilder aus dem
täglichen Leben oder den Legenden. Es war das größte Werk, das bis
jetzt in dänischer Sprache herausgegeben war und wird »Jærtegnspostillen«
(die Zeichenpostille) genannnt. Sie war für die Leute geschrieben,
die nicht Latein verstanden in der Überzeugung, daß das Wort Gottes
in jeder Sprache gleich heilig sei. Seine dänische Autorschaft wurde
von großer Bedeutung unter den Laien, die sich um ein frommes Leben
bemühten. C. P. strebt hier die Moral des Humanismus und der Glaube
an Zeichen des Volksglaubens zu harmonieren. - C. P. kehrte dann
um 1515 als Domherr nach Lund zurück. Der Erzbischof Birger Gunnersen
unterstützte seine wissenschaftliche Arbeit. C. P. schrieb noch eine
Übersetzung von Saxo, die verlorengegangen ist. 1522 wird er Kanzler
bei dem neuen Erzbischof Johann Weze. Als der Erzbischof König Christian
II. aus dem Lande gefolgt war, wurde C. P. als Verräter gesehen und
mußte fliehen. Der neue Erzbischof Aage Sparre ließ ihn 1525 wegen
Hochverrat in den Bann tun und sein Eigentum einziehen. Seine Druckerei
in Malmö wurde dabei aufgelöst. 1526 fuhr C. P. nach Deutschland,
wo er König Christian II. in Berlin traf. Er folgte ihm in die Niederlande
und verblieb die nächsten fünf Jahre in seinem Gefolge in Lier. -
Er war auch in dieser Zeit mit literarischer Arbeit beschäftigt. 1529
gab er eine neue Übersetzung des Neuen Testaments in Antwerpen heraus.
Diese Arbeit hat ihm den Titel des Vaters der dänischen Schriftsprache
gegeben. Im Vorwort (14.8.29) gibt er als Grund an, daß die Übersetzung
von Hans Mikkelsen 1524 schwer zu verstehen sei. Hinter der neuen
Übersetzung lag der Text der Vulgata mit den Verbesserungen von Erasmus
und Luther. Ihre zweite Auflage kam schon 1531. Im Vorwort bekannte C. P., daß er Lutheraner geworden war und
nahm von seinen früheren `Sünden' abstand, besonders den `Zeichen'
in der Postille von 1515. Jetzt legte er auch sein Priesteramt nieder
wie auch die Würde als Domherr. Die Regentin der Niederlande Margarethe
von Österreich verlangte dann, daß Christian II., dessen Hofkapellan
er war, ihn aus ihrer Nähe entfernen sollte, was er jedoch nicht tat.
- 1531 erschien seine Übersetzung von den Psalmen Davids. Im selben
Jahr übersetzte er auch einige Schriften von Luther. Ab 1532 konnte
er wieder seine Schriften in seiner neu aufgebauten Druckerei in Malmö
drucken. Auch eine Schrift Agricolas von dem Gesetz in der Predigt
ließ er bearbeiten und übersetzen. Die erste Bibel in dänischer Sprache
erschien 1550 mit der sog. Bibel Christians III.s. Mit gutem Grund
wird vermutet, daß die Übersetzung hauptsächlich von C. P. gemacht
ist, denn spätestens 1543 hatte er die ganze Bibel gut ins Dänische,
auf Befehl des Königs und mit Zustimmung der Universität zu Kopenhagen,
übertragen.
Werke: Chr. Pedersen, Danske Skrifter, Hrsg. C.J. Brandt,
Th. Fenger, 1850 ff.
Lit.: Dansk Biografisk Lexikon, XVIII, Hrsg. P. Engelstoft,
S. Dahl, 1940; - Den danske kirkes historie. III, Hrsg. N.K. Andersen,
P.G. Lindhardt, 1965; - B. Molde, Källorna till Christian III.s
Bibel 1550, 1949; - Bidrag til den danske Bibels Historie, Hrsg.
Århus Universitet, 1950; - C.J. Brandt, Om Lunde-Kanniken Christiern
Pedersen og hans Skrifter, 1882; - E. Jørgensen, Historieforskning
og Historieskrivning i Danmark indtil Aar 1800, 1931.