Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VII (1994)Spalten 471-475 Autor: Edgar Kutzner

PHILIPP II., König von Makedonien, bedeutender makedonischer König (359-336 v.Chr.) und Vater Alexander d. Gr., * um 382 v.Chr. als Sohn des Königs Amyntas III. und der Eurydike, + 336 v.Chr. in Aigai. - Als im Frühjahr 359 v.Chr. Perdikkas III. in Kämpfen mit den Illyrern in Obermakedonien umkam, wurde sein Bruder P. zum Vormund über seinen Sohn Amyntas eingesetzt. P. schaltete in den folgenden Wirren mehrere Thronprätendenten aus. Durch eine systematische Heeresreform gelang es ihm, das gefährdete Makedonien gegen die Angriffe von Illyrern, Paionen und Thrakern zu sichern. 358 eroberte er sogar das verlorene Obermakedonien zurück. In dieses Jahr fiel wohl auch die unter dynastischen Gesichtspunkten geschlossene Ehe mit der molossischen Prinzessin Polyxena, bekannter als Olympias, der Mutter Alexanders d. Gr., der 356 v.Chr. dieser Verbindung entsprang. Innerhalb weniger Jahre hatte P. Makedonien von der Bedrohung innerer wie äußerer Feinde befreit und das Land politisch und militärisch konsolidiert. In den folgenden Jahren geriet P. zunehmend in Gegensatz zu Athen, als er seine Herrschaft in Richtung auf das Meer ausdehnte und so in die Interessensphäre des 2. Attischen Seebundes eingriff: 357 v.Chr. eroberte er Amphipolis, kurz darauf Pydna und im Frühjahr 356 v.Chr. Poteidaia, das er dem Chalkidischen Bund überließ. Im selben Jahr zerschlug P. die von Athen unterstützte illyrisch-paionisch-thrakische Allianz und schob das makedonische Herrschaftsgebiet über den Nestos nach Osten vor. Damit brachte er sich in den Besitz der wertvollen Gold- und Silberbergwerke des Pangaiongebirges. In diese Zeit fällt auch die Annahme des Königstitels. Die Verhältnisse in Thrakien sind für die Folgezeit nicht klar zu rekonstruieren. Sicher scheint zu sein, daß P. die Königreiche des Kersebleptes und des Amadokos zu Klientelstaaten machte, um so die gewonnenen Gebiete nach Osten zu sichern. Die nächsten Jahre wurden durch P.s Ausgreifen nach Süden geprägt. 355/54 v.Chr. eroberte er Methone, die letzte freie Griechenstadt an der makedonischen Küste außerhalb des Chalkidischen Bundes, um anschließend an der Seite Thessaliens in den 3. Heiligen Krieg gegen Phokis einzugreifen. Nach der Niederlage der Phoker auf dem Krokusfeld 352 v.Chr. wurde P. zum Archon des Thessalischen Bundes auf Lebenszeit gewählt. Somit stand Thessalien unter einer unbedingten makedonischen Vorherrschaft. P.s Einfluß war damit weit nach Süden bis nach Mittelgriechenland vorgedrungen. Stabilisierung und Ausbau der erreichten Positionen im Norden und Osten kennzeichnen P.s Vorgehen nach 352 v.Chr. 351/50 v.Chr. stieß er über den Nestos ostwärts zur Propontis vor. Athenische Maßnahmen zur Sicherung der eigenen Interessen kamen zu spät. 349 begann P. die Offensive gegen die Chalkidike. 349 v.Chr. zerstörte er Stageira, 348 v.Chr. Olynth, das trotz athenischer Unterstützung, für die sich Demosthenes eingesetzt hatte, eingenommen wurde. Erst 346 v.Chr. wandte P. sich wieder dem 3. Heiligen Krieg zu und zwang die Phoker endgültig zur Aufgabe. Daraufhin erhielt P. deren beiden Stimmen im Amphiktionenrat von Del-phi. Seinen Abschluß fand der 3. Heilige Krieg im »Frieden des Philokrates«, der in der makedonischen Hauptstadt Pella ausgehandelt wurde. Die athenische Politik dieser Jahre wurde maßgeblich von Demosthenes geprägt, der in der Folgezeit scharf gegen diesen Frieden polemisierte und alles daran setzte, Athen zu einem Krieg gegen P. zu bewegen, um der Bedrohung der griechischen Poleis durch die makedonische Monarchie zu begegnen. Zunächst aber engagierte P. sich in Thrakien. 342 v.Chr. setzte er die letzten einheimischen Fürsten ab und unterstellte das Gebiet fortan als makedonische Provinz einem Strategen. Im Sommer 340 v.Chr. belagerte er Perinth und Byzanz. Als er eine athenische Getreideflotte aus dem Schwarzmeergebiet kaperte, erklärten die Athener den Krieg. P. brach daraufhin die Belagerung der beiden Griechenstädte ab und suchte zunächst die Nordgrenze gegen die Skythen zu sichern. Im Herbst 339 v.Chr. beauftragte der Amphiktionenrat P. mit der Führung des 4. Heiligen Krieges gegen Amphissa und das opuntische Lokris. Athen interpretierte dieses Vorgehen als Angriff, und Demosthenes brachte auf der Grundlage des hellenischen Bundes (340 v.Chr.) eine große Koalition zustande. Die Schlacht bei Chaironeia 338 v.Chr. endete mit einer vollständigen Niederlage der Verbündeten Athens. P. behandelte die Besiegten, insbesondere Athen, maßvoll. Mittelgriechenland und die Peleponnes erhielten eine neue politische Ordnung. Somit hatte P. nicht nur das makedonische Herrschaftsgebiet auf Thrakien und Thessalien ausgedehnt, sondern Makedonien wurde auch zur eindeutig beherrschenden Macht in ganz Griechenland. Auf Betreiben P.s schlossen mit Ausnahme Spartas alle griechischen Staaten in Korinth 337 v.Chr. einen allgemeinen Frieden (koin2 eIp/nh) zur Sicherung des Status quo und der Autonomie der Bündner. P. wurde zum Hegemon und Bundesfeldherrn ernannt. Als gemeinsame Aufgabe des Bundes wurde auf seinen Vorschlag ein Krieg gegen Persien beschlossen, um Rache für die von Xerxes zerstörten Heiligtümer zu üben. Bevor P. diesen Plan verwirklichen konnte, wurde er 336 v.Chr. während der Hochzeitsvorbereitungen für seine Tochter Kleopatra in Aigai von Pausanias - wohl aus persönlichen Motiven - ermordet. - Für den Betrachter bleibt die Person P.s zwiespältig. Der Beurteilung des Demosthenes, der in P. nur den Herrscher sah, der die Griechen mit seinem ungezügelten Ehrgeiz ihrer Freiheit beraubte, kann letztlich nicht widersprochen werden. Gleichzeitig muß man in ihm den Staatsmann anerkennen, der Makedonien von einem archaischen Stammesstaat zu einer fortschrittlichen Monarchie umformte und der zum Wegbereiter der hellenistischen Staatenwelt mit ihrer reichen Kultur wurde.

Quellen: Aelianus, Varia Historia, hrsg. v. M.R. Dilts, Leipzig 1974; Aischines, hrsg. v. F. Blass, Leipzig 1888-92, z.T. erneuert von C. Fuhr u. J. Sykutris, Leipzig 1914-37; Alketas bei Athenaios, hrsg v. G. Kaibel, Leipzig 1887-90; Anaximenes, in: F. Jacoby,Die Fragmente der griechischen Historiker Nr. 72, Berlin 1923 ff; Arrianos, hrsg. v. A.G. Roos, G. Wirth, Leipzig2 1967/68; Curtius Rufus, hrsg. v. E. Hedicke, Leipzig 1908; Demosthenes, hrsg. v. F. Blass, Leipzig 1888-92, z.T. erneuert von C. Fuhr u. J. Sykutris, Leipzig 1914. 1937; Didymos ad Demosthenes, hrsg. v. H. Diehls, W. Schubart, Berlin 1904; Diodoros, hrsg. v. F. Vogel, C.T. Fischer, Leipzig 1888-1906, insb. Buch XVI, Buch XXI ff., W. Dindorf 1867.1868; Dionysios (aus Byzantion), hrsg. v. R. Güngerich, Berlin 21958; Dionysios (aus Halikarnassos), Opuscula, hrsg. v. H. Usener, L. Rademacher, Leipzig 1899 ff.; Duris, in: F. Jacoby, FGrHist Nr. 76; Ephoros frg. 37, in: F. Jacoby, FGrHist Nr. 70; Frontinus, Strategemata, hrsg. v. G. Gundermann, Leipzig 1888; Hesychios (aus Milet), in: C. Müller, Fragmenta Historicorum Graecorum, Bd. IV, Paris 1885, 143-155; Hypereides, hrsg. v. C. Jensen, Leipzig 1917 (Nachdruck 1963); Isokrates, hrsg. v. G.E. Benseler, F. Blass, Leipzig 1878/79; Jordanes, in: Th. Mommsen, Monumenta Germaniae Historica. Auctores Antiquissimi, V 1, 1882; Iustinus, hrsg. v. O. Seel, Leipzig2 1972; Kallisthenes frg. 27, in: F. Jacoby, FGrHist Nr. 124; Karystios frg. 1.2, in: C. Müller, FHG IV, 356 f.; Libanios, hrsg. v. R. Förster, Leipzig 1903-27; Lykurgos, hrsg. v. N.C. Conomis, Leipzig 1970; Nepos, hrsg. v. P.K. Marshall, Leipzig 1977; Pausanias, hrsg. v. M.H. Rocha-Pereia, Leipzig 1973 ff.; Philochoros, in: F. Jacoby, FGrHist Nr. 328; Plinius, hrsg. v. R. König, G. Winkler, Zürich-München 1973 ff.; Plutarch, Vitae Parallelae, hrsg. v. C. Lindskog, K. Ziegler, Leipzig2 1957 ff.; Ders., Moralia, hrsg. v. W.R. Paton, I. Wegehaupt u.a., Leipzig 1925 ff.; Polyainos, hrsg. v. J. Jelber, Leipzig 1887; Polybios, hrsg. v. W. Dindorf, Th. Büttner-Wobst, Leipzig 1882-1904; Porphyrios (aus Tyros), in: C. Müller, FHG III, 688; Satyros frg. 5, in: C. Müller, FHG III, 161; Stephanos (aus Byzanz), hrsg. v. A. Meinecke, Berlin 1849 (Nachdruck 1958); Strabon, hrsg. v. A. Meinecke, Leipzig 1851/52; Suda, hrsg. v. A. Adler, Leipzig 1928-38 (Nachdruck Stuttgart 1967-71.); Theophrastos, hrsg. v. T. Wimmer, Leipzig 1854-62; insb. de lapidibus; Theopompos, in: F. Jacoby, FGrHist Nr. 115; Trogus, hrsg. v. O. Seel, Leipzig 1956. (s.o. auch Iustinus).

Außerliterarische Quellen: Hermann Bengtson, Die Staatsverträge des Altertums II2, München 1962; H. Dittenberger, Sylloge Inscriptionum Graecarum3, Leipzig 1915; R. Meiggs, H. Lewis, A Selection of Greek Historical Inscriptions, Oxford 1969; M.N. Tod, Greek Historical Inscriptions, II, Oxford 1950.

Lit.: A. Brueckner, König P. von Makedonien, 1837; - E. Pokorny, Studien zur griechischen Geschichte des 6. und 5. Jahrzehnts des 4. Jh. v.Chr. (Diss. Greifswald), 1913; - O. Casson, Macedonia, Thrace and Illyria, 1926; - Elias Bickermann, J. Sykutris, Speusipps Brief an König P., 1928; - Arnoldo Momigliano, Filippo il Macedone, 1934, Reprint mit neuem Vorwort u. bibl. Anhang 1987; - V. Chapot, P. II de Macedoine, 1936; - F. Wüst, P. II. von Makedonien und Griechenland, 1938; - W. Connor, History without Heroes. Theopomp's Treatment of P. of Macedonia, in: GRBS 8, 1967, 133 ff.; - Dietmar Kienast, P. II. von Makedonien und das Reich der Achämeniden, 1973; - S. Perlmann, P. and Athens, 1973; - E. Ch. Welskopf, Hellenische Poleis, 1974; - J. R. Fears, Pausanias. The Assassin of P. II., in: Athenaeum 53, 1975, 111-135; - Prestianni Giallombardo, Filippika, I, in: Gymn 28, 1975, 1-57; J. Ellis, P. II. and Macedonian Imperialism, 1976; - Ders., P.'s Thracian Campain of 352-351, in: CPh 72, 1977, 32-39; - George Cawkwell, P. of Macedon, 1978; - N.G.L. Hammond, »P.'s tomb« in Historical Context, in: GRBS 19, 1978, 331-350; - Ders., The Achievement and Significance of P. II. of Macedon, in: Ancient Society 13, 1982, 5-11; - Ders., G.T. Griffith, A History of Macedonia, II: 550-336 B.C., 1979; - R. Sealey, P. II. und Athen, in: Historia 27, 1978, 295-316; - Z. M. Papastylou, P. II et l'organisation politique de la Thessalie en 344 av. J.C., in: Dodone 8, 1979, 37-53; - C.M. James, Epaminondas and P. II. (Diss. Lexington), 1980; - D.H. Kelly, P. II. of Macedon and the Boeotian Alliance, in: Antichthon 14, 1980, 64-83; - H. Wankel, P. II. an den Thermopylen, in: ZPE 39, 1980, 57-62; - Ders., Marginalien zu P. II. und Thrakien, in: ZPE 71, 1988, 206-208; - L.J. Bliquez, P. II. and Abdera, in: Eranos 79, 1981, 65-79; - R. Develin, The Murder of P. II., in: Antichthon 15, 1981, 86-99; - C.A. Fredricksmeyer, The Final Aims of P. II., in: AncW 4, 1981, 85 ff.; - M.B. Hatzopoulos, L.D. Loukopoulos, P. of Macedon, 1981; - W.L. Adams, E.N. Borza, P. II., Alexander the Great and the Macedonian Heritage, 1982; - B. Barr-Sharrar, E.N. Borza, Macedonia and Greece in Late Classical and Early Hellenistic Times, 1982; - S.M. Burstein, The tomb of P. II. and the succession of Alexander the Great, in: EMC 26, 1982, 141-163; - W. Heckel, P. II. and the Quadriga, in: LCM 8, 1982, 139-140; - C.G. Thomas, P. II., Alexander III. and Hellenistic Kingship, in: LCM 9, 1983, 86-87; - Hermann Bengtson, P. und Alexander der Große; die Begründer der hellenistischen Welt, 1984; - B.S. Strauss, P. II. of Macedon, Athens and Silver Mining, in: Hermes 112, 1984, 418-427; - Gerhard Wirth, P. II. Geschichte Makedoniens, I, 1985; Malcom Errington, Geschichte Makedoniens, 1986; - E.D. Carney, Olympias, in: Ancient Society 18, 1987, 35-62; - W. Unte, Die Phoker und der Philokratesfrieden, in: Hermes 115, 1987, 411-429; - Fritz Geyer, RE XIX, 1938, 2266-2303; - Gerhard Wirth, KlP IV, 1979, 744-748.

Edgar Kutzner