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Band XXIX (2008) Spalten 1031-1033 Autor: Wolfgang F. Rothe

PALLINGEN, Franz Anton Peter Joseph von, Propst des Kollegiatstifts Eisgarn; * 1682 in Wien, † 1750 in Eisgarn (Niederösterreich). - P. war der zweite Sohn des kaiserlichen Hofbeamten Mathias Arnold Edlen von Pallingen und seiner Frau Maria Katharina, geb. Hillebrand. Nach dem Studium beider Rechte wurde er 1706 zum Priester geweiht und noch im selben Jahr von Kaiser Josef I. zum kaiserlichen Rat ernannt und als Propst des zur damaligen Zeit wirtschaftlich schwer angeschlagenen Kollegiatstifts Eisgarn (Niederösterreich) präsentiert. "Er stand der Propstei über 44 Jahre, und zwar mit großem Ruhme vor" (Gübel), wozu neben seiner Frömmigkeit und Bildung nicht zuletzt auch sein erhebliches Privatvermögen beitrug, das er im Lauf seiner Amtszeit beinahe vollständig in den Erhalt und die Verschönerung des Stiftes investierte. Als Zeugnisse seines Wirkens haben sich bis heute der 1714 errichtete Kolomanialtar im rechten Seitenschiff der Stiftskirche, die an den Wänden von Altarraum und Mittelschiff angebrachten Sandsteinplastiken der Apostel sowie die seltene Darstellung eines lebensgroßen Engels mit Weihwasserbecken erhalten. Auch der Prospekt der Hauptorgel auf der Westempore dürfte noch aus der Zeit von Propst P. stammen. Bereits 1713 hatte er zu Ehren des hl. Märtyrers Koloman die gleichfalls noch bestehende Kapelle auf dem außerhalb von Eisgarn gelegenen Kolomanifelsen erbauen lassen. Weniger rühmlich tat sich P. als Verwalter des stiftseigenen Vermögens hervor. Im Lauf seiner Amtszeit mußte er aufgrund der sich zunehmend verschlechternden wirtschaftlichen Lage des Stiftes eine Vielzahl von Liegenschaften veräußern, was jedoch stets nur kurzfristig für Abhilfe sorgte. Infolge seines immer deutlicher zutage tretenden wirtschaftlichen Unvermögens wurde ihm schließlich sowie 1729 und 1730 neuerlich ab 1741 zwangsweise ein Administrator zur Seite gestellt. Abgesehen von seinem Bemühen um die Belebung der Verehrung des hl. Koloman scheint er die seelsorglichen Belange, die ihm als Pfarrer von Eisgarn oblagen, weitgehend seinen Vikaren überlassen zu haben. Stattdessen widmete er sich lieber "geschichtlichen und diplomatischen Studien und dem Verkehre mit gelehrten Männern" (Plesser). Seine "glänzende Freigiebigkeit und Gastfreundschaft, seine Bücherliebhaberei und seine Neigung zu Bauten und Verschönerungen" (Gübel) führte dazu, daß er gegen Ende seines Lebens nur knapp dem Bankrott entging. Nichtsdestotrotz gebührt P. das Verdienst, das äußere Erscheinungsbild des Stiftes bis in die Gegenwart hinein entscheidend und vorteilhaft geprägt zu haben.

Lit.: Johann Gübel, Die Propstei Eisgarn (Schluß), in: Wiener Kirchenzeitung 7 (1854), Nr. 52 (30. Juni), 428-430, 428; - Alois Plesser, Beiträge zur Geschichte der Propstei und Pfarre Eisgarn, in: Bischöfliches Ordinariat der Diözese St. Pölten (Hrsg.), Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltener Diözesanblatt, Band VIII, St. Pölten 1907, 1-74, 54-57; - Ulrich Küchl, Zur Geschichte des Kollegiatstiftes "Propstei Eisgarn", in: Marktgemeinde Eisgarn (Hrsg.), 50 Jahre Markterhebung / 650 Jahre Propstei Eisgarn, Eisgarn 1980, 17-33, 23, 29-30 und 32.

Wolfgang F. Rothe

Letzte Änderung: 13.06.2008