Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VI (1993)Spalten 1476-1478 Autor: Marco Frenschkowski

PAMPHILOS, Theologe und Märtyrer in der Verfolgung unter Maximinus Daia, berühmt als Organisator der Bibliothek von Cäsarea, der bedeutendsten des christlichen Altertums. Geboren um 240, stammt P. aus vornehmer Familie in Berytos in Phönizien. Seine theologische Ausbildung erhielt er in Alexandria unter Pierius, dem Leiter der Katechetenschule, der ihm auch die Verehrung für Origenes ins Herz gepflanzt haben wird. Später wohnhaft in Cäsarea, wird er von Bischof Agapius zum Presbyter geweiht und eröffnet eine theologische Schule. Seine besondere Bemühung galt der literarischen Hinterlassenschaft des Origenes und der Fortführung von dessen wissenschaftlicher Arbeit am Bibeltext. Die von P. eingerichtete Bibliothek, deren Grundstock die z.T. von P. mit eigener Hand abgeschriebenen Schriften des Origenes bildeten, wurde durch systematischen Aufbau zum wichtigsten Sammelbecken altchristlicher Literatur, zumal sie die Verfolgungen unbeschadet überstand. Eusebius schöpfte aus ihr die Belege für seine Kirchengeschichte; Hieronymus nutzte sie für seine exegetischen Studien. P. selbst wurde im November 307 eingekerkert und gefoltert. Er starb nach langer Haft am 16. Febr. 309 (oder 310?) durch Enthauptung. Fest im Westen 1. Juni, im Osten 16. Februar. - An eigenen Schriften scheint P. neben einigen verlorenen Briefen nichts hinterlassen zu haben außer einer »Apologie für Origenes« in 5 Büchern (Euseb ergänzte um ein 6. Buch), die er im Gefängnis mit Hilfe des Euseb als Verteidigung origenistischer Theologie speziell für die Origenes gegenüber skeptische Leserschaft in Palästina schrieb. Photios hat den Originaltext noch in Händen gehabt; wir besitzen nur das 1. Buch in einer gereinigten Übersetzung des Rufin von Aquileja (gegen die sich Hieronymus wandte: contr. Rufin. I, 8; II, 23; III, 12). Eine angebliche Schrift »Gegen die Astrologen« beruht auf einem Mißverständnis des Gennadius (de vir. ill. 17).

Quellen: Euseb, h. e. VI, 32, 3; 33, 4; VII, 32, 25; VIII, 13, 6; Hieronymus, de vir. ill. 75 (vgl. 81); c. Rufin. I, 2, 9; ep. 84, 10; Socrates, h. e. III, 7; IV, 27; Photios, bibl. cod. 118. Die drei Bücher zählende vita Pamphili des Euseb ist bis auf einige Zitate verloren. Eusebs Verehrung gegenüber seinem Lehrer bekundet sich auch in seinem selbstgewählten Beinamen 4 to* pamjilou »der (geistige Sohn) des Pamphilos«. Eine Schrift des Pierius über P. (also des Lehrers über den Schüler) ist nicht gesichert. Über Erwähnungen des P. in Kolophonen bibl. Handschriften: H. B. Swete, An Introduction to the Old Testament in Greek, Cambridge 1914 [Nachdruck Peabody, Massachusetts 1989] 74-77. - Ausgaben der Apologie gewöhnlich als Anhang zu den Werken des Origenes: Lommatzsch (Hrsg.), Origenis Opera XXIV, 263-412; - MPG 17, 521-616. Fragmente: Routh, Reliquiae Sacrae2 III, 485-312. Syrische Fragmente: P. de Lagarde, Analecta Syriaca, Leipzig/London 1858 [Nachdruck Osnabrück 1967] 64 f.; Pitra, Analecta sacra IV, 120-22. 376-77 (fälschlich Gregor Thaumaturogs zugeschrieben).

Lit.: Th. Zahn, Forschungen zur Geschichte des neutestamentlichen Kanons und der altkirchlichen Literatur X, Leipzig 1929, 26-46; - H. Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche II, 1936, 311. 315; III, 56. 155 [Nachdruck in 1 Band Berlin/New York 1975]; - Mercati, Nuove Note, Studi e Testi XCV, 1941, 91; - H.S. Murphy, The text of Romans and I Corinthians in Minuscle 93 and the text of Pamphilus. HThR LII, 1959, 119-31; - H. Kraft, in: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte, München 1967, 12-18. 42 f.; - W.A. Bienert, Die älteste Apologie für Origenes? zur Frage nach dem Verhältnis zwischen Photius und Pamphilus, Origeniana Quarta, Innsbrucker theologische Studien XIX, 1987, 123-27; - E. Junod, Origène vu par Pamphile, ebd. 128-35. - A.v. Harnack, Geschichte der altchristlichen Literatur I, 2, 543-550. II, 2, 103-106; - O. Bardenhewer, Geschichte der altkirchlichen Literatur II, 21914 (Nachdruck 1962), 287-92; - Altaner/Stuiber, Patrologie, Freiburg 91978, 189. 213; - Quasten, Patrology II, 144-46; - Dict. Théol. Cathol. XI, 1839-41; - RE3 XIV, 623 f.; - KP IV, 441; - RGG3 V, 35; - Dict. encycl. du Christianisme Ancien II, 1873; - E. Ferguson (Hrsg.), Encyclopedia of Early Christianity, Chicago/London 1990, 681. - Die weiteren Geschicke der pamphilischen Bibliothek sind nur teilweise bekannt. Nach Isidor, etymol. VI, 6, 1 umfaßte sie schon zu Lebzeiten des P. 30 000 Rollen, eine Nachricht, die aus der verlorenen vita P. des Euseb stammen wird. Konstantin ließ in Cäsarea 50 Prachtbibeln für den Gebrauch in Konstantinopel bestellen; mit der Bibliothek war also eine Schreibstube verbunden (Euseb, v. Const. IV, 36 f.; III, 1). S. dazu J. Schäfer, Die 50 Bibelhandschriften des Eusebius für Kaiser Konstantin. Der Katholik 4 F., XI, 1913, 90-104; - C. Wendel, Der Bibel-Auftrag Kaiser Konstantins, ZfB LVI, 1939, 165-75). Mitte des 4. Jahrhunderts wurde die Bibliothek aus den empfindlichen Papyrusrollen auf stabilere und leichter zu handhabende Codices umgeschrieben (Hieron., ep. 34, 1; de vir. ill. 113). Zum Ganzen: A. Ehrhardt, Die früheren Bibliotheken in Palästina, Römische Quartalschrift V, 1891, 221 ff.; - Cadiou, La Bibliothèque de Césarée et la formation des Chaînes, Revue des Sciences Religieuses XVI , 1936, 474-83; - E. Schwartz, in: PW VI, 1371-73; - C. Wendel, in: Handbuch der Bibliothekswissenschaft III, Wiesbaden 21955, 131-33 u.ö. Nach Hieronymus wissen wir von keinem Gelehrten, der in ihr gearbeitet hätte. Vielleicht wurden die letzten Bestände erst bei der Verwüstung Cäsareas durch die Araber 636 (vgl. Íabarć, Ta'rikh ar-rusul wa'l-mulùk I, 2396-98) vernichtet, da wir von einer förmlichen Zerstörung (etwa durch Brand) im 5. oder 6 Jhdt. vermutlich Kunde hätten. Auch die Überlieferung der Werke des jüdischen Philosophen Philon verdanken wir wohl weithin der pamphilischen Bibliothek.

Marco Frenschkowski

Werkeergänzung:

Apologia pro Origene. Übers. u. eingel. von Georg Röwekamp. Turnhout 2005 (=FCh; 80).

Literaturergänzung:

1979

Patricia Louise Cox, The form and function of E.' "Vita Origenis". Chicago, Ill. Diss. 1979; -

1994

Emanuela Prinzivalli, Per un'indagine sull'esegesi del pensiero origeniano nel IV secolo, in: Aste 11.1994, S. 433-460.

Letzte Änderung: 02.09.2008