PAMPHILOS, Theologe und Märtyrer in der Verfolgung unter Maximinus
Daia, berühmt als Organisator der Bibliothek von Cäsarea, der bedeutendsten
des christlichen Altertums. Geboren um 240, stammt P. aus vornehmer
Familie in Berytos in Phönizien. Seine theologische Ausbildung erhielt
er in Alexandria unter Pierius, dem Leiter der Katechetenschule, der
ihm auch die Verehrung für Origenes ins Herz gepflanzt haben wird.
Später wohnhaft in Cäsarea, wird er von Bischof Agapius zum Presbyter
geweiht und eröffnet eine theologische Schule. Seine besondere Bemühung
galt der literarischen Hinterlassenschaft des Origenes und der Fortführung
von dessen wissenschaftlicher Arbeit am Bibeltext. Die von P. eingerichtete
Bibliothek, deren Grundstock die z.T. von P. mit eigener Hand abgeschriebenen
Schriften des Origenes bildeten, wurde durch systematischen Aufbau
zum wichtigsten Sammelbecken altchristlicher Literatur, zumal sie
die Verfolgungen unbeschadet überstand. Eusebius schöpfte aus ihr
die Belege für seine Kirchengeschichte; Hieronymus nutzte sie für
seine exegetischen Studien. P. selbst wurde im November 307 eingekerkert
und gefoltert. Er starb nach langer Haft am 16. Febr. 309 (oder 310?)
durch Enthauptung. Fest im Westen 1. Juni, im Osten 16. Februar. -
An eigenen Schriften scheint P. neben einigen verlorenen Briefen nichts
hinterlassen zu haben außer einer »Apologie für Origenes« in 5 Büchern
(Euseb ergänzte um ein 6. Buch), die er im Gefängnis mit Hilfe des
Euseb als Verteidigung origenistischer Theologie speziell für die
Origenes gegenüber skeptische Leserschaft in Palästina schrieb. Photios
hat den Originaltext noch in Händen gehabt; wir besitzen nur das 1.
Buch in einer gereinigten Übersetzung des Rufin von Aquileja (gegen
die sich Hieronymus wandte: contr. Rufin. I, 8; II, 23; III, 12).
Eine angebliche Schrift »Gegen die Astrologen« beruht auf einem Mißverständnis
des Gennadius (de vir. ill. 17).
Quellen: Euseb, h. e. VI, 32, 3; 33, 4; VII, 32, 25; VIII,
13, 6; Hieronymus, de vir. ill. 75 (vgl. 81); c. Rufin. I, 2, 9; ep.
84, 10; Socrates, h. e. III, 7; IV, 27; Photios, bibl. cod. 118. Die
drei Bücher zählende vita Pamphili des Euseb ist bis auf einige Zitate
verloren. Eusebs Verehrung gegenüber seinem Lehrer bekundet sich auch
in seinem selbstgewählten Beinamen 4 to* pamjilou
»der (geistige Sohn) des Pamphilos«. Eine Schrift des Pierius über
P. (also des Lehrers über den Schüler) ist nicht gesichert. Über Erwähnungen
des P. in Kolophonen bibl. Handschriften: H. B. Swete, An Introduction
to the Old Testament in Greek, Cambridge 1914 [Nachdruck Peabody,
Massachusetts 1989] 74-77. - Ausgaben der Apologie gewöhnlich
als Anhang zu den Werken des Origenes: Lommatzsch (Hrsg.), Origenis
Opera XXIV, 263-412; - MPG 17, 521-616. Fragmente: Routh, Reliquiae
Sacrae2 III, 485-312. Syrische Fragmente: P. de Lagarde, Analecta
Syriaca, Leipzig/London 1858 [Nachdruck Osnabrück 1967] 64 f.; Pitra,
Analecta sacra IV, 120-22. 376-77 (fälschlich Gregor Thaumaturogs
zugeschrieben).
Lit.: Th. Zahn, Forschungen zur Geschichte des neutestamentlichen
Kanons und der altkirchlichen Literatur X, Leipzig 1929, 26-46; -
H. Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche II, 1936, 311. 315; III,
56. 155 [Nachdruck in 1 Band Berlin/New York 1975]; - Mercati,
Nuove Note, Studi e Testi XCV, 1941, 91; - H.S. Murphy, The text
of Romans and I Corinthians in Minuscle 93 and the text of Pamphilus.
HThR LII, 1959, 119-31; - H. Kraft, in: Eusebius von Cäsarea,
Kirchengeschichte, München 1967, 12-18. 42 f.; - W.A. Bienert,
Die älteste Apologie für Origenes? zur Frage nach dem Verhältnis zwischen
Photius und Pamphilus, Origeniana Quarta, Innsbrucker theologische
Studien XIX, 1987, 123-27; - E. Junod, Origène vu par Pamphile,
ebd. 128-35. - A.v. Harnack, Geschichte der altchristlichen Literatur
I, 2, 543-550. II, 2, 103-106; - O. Bardenhewer, Geschichte der
altkirchlichen Literatur II, 21914 (Nachdruck 1962), 287-92;
- Altaner/Stuiber, Patrologie, Freiburg 91978, 189. 213;
- Quasten, Patrology II, 144-46; - Dict. Théol. Cathol. XI,
1839-41; - RE3 XIV, 623 f.; - KP IV, 441; - RGG3
V, 35; - Dict. encycl. du Christianisme Ancien II, 1873; -
E. Ferguson (Hrsg.), Encyclopedia of Early Christianity, Chicago/London
1990, 681. - Die weiteren Geschicke der pamphilischen Bibliothek
sind nur teilweise bekannt. Nach Isidor, etymol. VI, 6, 1 umfaßte
sie schon zu Lebzeiten des P. 30 000 Rollen, eine Nachricht, die aus
der verlorenen vita P. des Euseb stammen wird. Konstantin ließ in
Cäsarea 50 Prachtbibeln für den Gebrauch in Konstantinopel bestellen;
mit der Bibliothek war also eine Schreibstube verbunden (Euseb, v.
Const. IV, 36 f.; III, 1). S. dazu J. Schäfer, Die 50 Bibelhandschriften
des Eusebius für Kaiser Konstantin. Der Katholik 4 F., XI, 1913, 90-104;
- C. Wendel, Der Bibel-Auftrag Kaiser Konstantins, ZfB LVI, 1939,
165-75). Mitte des 4. Jahrhunderts wurde die Bibliothek aus den empfindlichen
Papyrusrollen auf stabilere und leichter zu handhabende Codices umgeschrieben
(Hieron., ep. 34, 1; de vir. ill. 113). Zum Ganzen: A. Ehrhardt, Die
früheren Bibliotheken in Palästina, Römische Quartalschrift V, 1891,
221 ff.; - Cadiou, La Bibliothèque de Césarée et la formation
des Chaînes, Revue des Sciences Religieuses XVI , 1936, 474-83; -
E. Schwartz, in: PW VI, 1371-73; - C. Wendel, in: Handbuch der
Bibliothekswissenschaft III, Wiesbaden 21955, 131-33 u.ö. Nach
Hieronymus wissen wir von keinem Gelehrten, der in ihr gearbeitet
hätte. Vielleicht wurden die letzten Bestände erst bei der Verwüstung
Cäsareas durch die Araber 636 (vgl. Íabarć, Ta'rikh ar-rusul
wa'l-mulùk I, 2396-98) vernichtet, da wir von einer förmlichen
Zerstörung (etwa durch Brand) im 5. oder 6 Jhdt. vermutlich Kunde
hätten. Auch die Überlieferung der Werke des jüdischen Philosophen
Philon verdanken wir wohl weithin der pamphilischen Bibliothek.
Marco Frenschkowski
Werkeergänzung:
Apologia pro Origene. Übers. u. eingel. von Georg Röwekamp. Turnhout 2005 (=FCh; 80).
Literaturergänzung:
1979
Patricia Louise Cox, The form and function of E.' "Vita Origenis". Chicago, Ill. Diss. 1979; -
1994
Emanuela Prinzivalli, Per un'indagine sull'esegesi del pensiero origeniano nel IV secolo, in: Aste 11.1994, S. 433-460.