PAPADOPOULOS-KERAMEUS, Athanasios, bedeutender griechischer Byzantinist,
* 26.4. 1856 Drakia (Pelion/Theassalien), + 18.10. 1912 St.-Petersburg.
- Nach Absolvierung der Evangelischen Schule von Smyrna im Jahr
1873 ließ er sich, da ihm die Mittel zum Universitätsstudium fehlten,
vom Griechischen Gymnasium der Evangelischen Schule als Lehrer anstellen.
Im selben Jahr wurde er mit der Betreuung des Museums und der Bibliothek
der Schule betraut. Er leitete sie bis 1879. Während dieser Zeit bereiste
er Kleinasien, mehrere Inseln der Ägäis und Athen, um sein Wissen
zu erweitern und Objekte für das Museum zu sammeln. Mehrere Publikationen,
hauptsächlich auf dem Gebiet der Altertumskunde, sind Früchte dieser
Tätigkeit. 1879 nahm er Abschied von Smyrna, das ihm zu eng wurde,
und ließ sich nach zweijährigen Erkundungsreisen in Kleinasien und
auf den Sporaden 1881 in Konstantinopel nieder. Dort nahm er 1882-87
aktiv an der Tätigkeit des Griechischen Philologischen Vereins (`EllhnikCV
FilologikCV SullogoV) teil und bereiste vier Jahre lang
in dessen Auftrag den christlichen Orient, um die Hss.-Bestände der
griechischen Bibliotheken zu erfassen. 1887 wurde er zum Sekretär
des Patriarchen von Jerusalem, Nikodemos I., ernannt. Doch beschäftigte
er sich in Palästina in erster Linie mit der Ordnung und Katalogisierung
der dort vorhandenen Codices, die er 1887-89 in der Bibliothek des
Patriarchats von Jerusalem zusammenstellte. Aus dieser Arbeit sind
der Katalog der Bibliothek von Jerusalem ('Ierosolumitik2 BiblioJ/kh)
und die Edition ausgewählter und seltener Werke aus den Handschriften
Palästinas ('Analekta `Ierosolumitik+V StacuologiaV)
hervorgegangen. Zwecks Betreuung dieser mehrbändigen Publikationen
siedelte er 1889 nach St.-Petersburg über, wo er bis zu seinem Lebensende
ansässig war. Seit 1887 war er bereits Doktor der Universität Moskau.
1892 wurde er als Professor der mittel- und neugriechischen Sprache
und Literatur an die Universität von St.-Petersburg berufen. Dem folgte
1894 die Ernennung zum Abteilungsleiter der Kaiserl. Bibliothek zu
St.-Petersburg P.-K. war ein genialer und vielseitiger Autodidakt,
der auf seinen Reisen im östlichen Mittelmeerraum gewaltige Mengen
von Material sammelte und anschließend auswertete. Sein wissenschaftliches
Interesse galt nicht nur der Byzantinistik, in welcher er besonders
hervortrat, sondern der Gräzistik überhaupt, und seine reiche Publikationstätigkeit
erstreckt sich u.a. auch auf die Gebiete der Patristik, der Kirchengeschichte
und der Hymnographie. Von den zahlreichen Ehren, die ihm seitens staatlicher
und kirchlicher Stellen zuteil wurden, sei nur noch die des Ehrenbürgers
von Rußland erwähnt (1900).