PAPAMICHAIL, Grigorios (1874-1956). Eine der wenigen Persönlichkeiten
der griechischen (orthodoxen) Theologie der neueren Zeit. Professor
der Theologischen Fakultät der Universität Athen, Mitglied der Akademie
von Athen, bedeutender kirchlicher Mann, Herausgeber, Übersetzer und
Journalist. - 1874 auf Lesbos geboren. Nach der üblichen Schullaufbahn
studierte er Theologie an der Theologischen Fakultät vom Kreuze in
Jerusalem, an der Theologischen Fakultät auf Chalki/Konstantinopel
und schließlich an der Kaiserlichen Theologischen Akademie in Sankt
Petersburg, wo er auch promovierte. - Seit 1905 lehrte er für
zwei Jahre an der Theologischen Fakultät vom Kreuze in Jerusalem und
wurde 1907 vom Patriarchen Photios nach Alexandrien berufen, wo er
die Patriarchal-Druckerei gründete und die Leitung der auch von ihm
gegründeten Zeitschriften »Ekklesiastikos Pharos« und »Pantainos«
übernahm, wobei er so zur geistigen Bewegung in Alexandrien, das damals
eines der wichtigsten Diaspora-Zentren des Griechentums war, und zur
Förderung des dortigen Patriarchats entscheidend beitrug. - 1918
wurde er zum Professor für Apologetik und Enzyklopädie der Theologie
an der Universität Athen gewählt. In Athen übernahm er die Leitung
der Zeitschriften »Ekklesiastikos Keryx« und »Kaine Didache« (1918-1920),
und seit 1923 bis zu seinem Tode die Leitung der neugegründeten Zeitschriften
»Theologia« und »Ekklesia«. Gleichzeitig lehrte er am Rizareios-Priesterseminar
von Athen. Er war öfter Dekan der Theologischen Fakultät der Universität
Athen, 1936/1937 hundertster Rektor derselben Universität und wurde
1945 zum ordentlichen Mitglied der Athener Akademie gewählt. 1956
starb er im Alter von 82 Jahren. - Durch sein umfangreiches, sehr
wichtiges wissenschaftliches Werk und seine starke kirchliche und
soziale Tätigkeit prägte P. die griechische Theologie, Kirche und
Gesellschaft der ersten Hälfte des 20. Jh. - Durch seine theologischen
Werke trug P. viel zur Orthodoxie, zur patristischen Philologie und
Theologie bei. Seine Schriften werden in apologetische, moralische,
hagiographische, historische und »vermischte« eingeteilt, die seine
vielseitige Bildung und seine vielfältigen Interessen beweisen. In
seiner Promotion mit dem Titel »Der heilige Gregor Palamas Erzbischof
von Thessaloniki« (Sankt Petersburg - Alexandrien 1911) beschäftigte
er sich mit der Bewegung des Hesychasmus des 14. Jh. und rehabilitierte
den mißverstandenen Hierarchen der orthodoxen Kirche, den heiligen
Gregor Palamas. Von besonderer Bedeutung sind noch die Werke P. über
Maximos Graikos (1470-1556) und über die Apologetik, sein Fach, die
damals als die wissenschaftliche Wehr des Christentums gegen die Angriffe
seitens des Materialismus, des Atheismus, der Naturwissenschaften
und der Philosophie verstanden wurde. Außer seinen einzeln veröffentlichten
Werken sind noch unzählige Artikel, Rezensionen usw. verstreut in
den wichtigsten Zeitschriften seiner Zeit wie »Ekklesiastikos Pharos«,
»Pantainos«, »Ekklesiastikos Keryx«, »Kaine Didache«, »Theologia«,
»Ekklesia«, »Epistemonike Epeteris Panepistemeiou Athenon«, »Anaplasis«,
»Nea Sion« usw. erschienen. - P. war ein sehr guter kirchlicher
Journalist und hat daneben noch als bedeutender Patriot in den instabilen
Umständen seiner Zeit gewirkt, vor allem in der Zeit der Balkankriege
(1912-1913); durch viele Artikel und selbständige Werke ermutigte
er seine Landsleute in dieser schwierigen Zeit.