PARASKEVA-PJATNIZA: hl. Märtyrerin, geb. in Rom (?) oder in Ikonion (Kleinasien), gest. um 140, Fest: 26.7. oder 28.10. - Der Name »Paraskeva« wird auch übersetzt mit »der hl. Freitag« (W. Felicetti-Liebenfels, Geschichte der russ. Ikonenmalerei) oder »Vorbereitung«. Sie soll einer alten Tradition zufolge in einem kleinen Ort in der Umgebung von Rom geboren sein. Ihre Eltern waren sehr fromm und hießen Agathon und Politeia. Man nannte sie Paraskeva, weil sie an einem Freitag (griechisch paraskevi) geboren wurde. Schon in frühestem Alter wurde sie darin geschult, die hl. Schriften der Bibel zu lesen. Sie lebte ein zurückgezogenes Leben und betrachtete ausführlich das Wort Gottes. Viele Menschen kamen zu ihr und viele bekehrte sie zum Glauben an Christus. Zur Zeit des Kaisers Antoninus Pius festgenommen und angehalten, den Göttern zu opfern, antwortete sie mit den Worten des Propheten Jeremias: »Die Götter, die weder den Himmel noch die Erde gemacht haben, werden vom Antlitz der Erde ausgelöscht werden.« (10, 11). Ihren Tod fand sie durch Enthauptung. Im Troparion zum 26. Juli, ihrem Feste, heißt es: »Du hast dem Namen, den Du trägst, den Eifer gleichgestaltet und als Wohnstatt stets bereiten Glaubens ererbt, siegreiche Paraskeva. Darum gewährst Du Heilung und bittest für unsere Seelen.« - Schon früh übernahm P. in Rußland verschiedene Patronate. Sie war auch bewährt als Helferin in Feindesnot. Darauf verweist ihr oftmaliges Bild auf Standarten-Ikonen. Schon in der byzantinischen Frömmigkeit hatte sie ihren festen Platz. Um ihr Martyrium ranken sich zahlreiche Legenden. Eigentlich populär aber wurde sie erst in Rußland. - W. Felicetti-Liebenfels sagt dazu: »In Rußland wurde sie im Hinblick auf die Personifikation des Freitags, zur Patronin des Handels (Freitag-Handelstag), aber auch als Beschützerin der Frauen und Mädchen erkoren.« - Auch gilt sie als Hüterin des häuslichen Herdes. Ihr Fest wurde mit fast orgiastischem Jubel gefeiert und Felicetti-Liebenfels berichtet sogar: »An diesem Tage wurden sogar Gottesdienste abgehalten, die nur den Frauen vorbehalten waren, als Mysterium der hl. Pjatniza. Schier unzählig ist ihr Bild auf Ikonen. Eine der berühmtesten und ältesten ist die aus dem 13. Jh., Nowgoroder Schule. (Felicetti-Liebenfesls Abb. 16). Auch gibt es Vita-Ikonen zu P. Griechische Legenden inspirierten hier sehr stark. P. wird auch des öfteren auf Ikonen zusammen mit der hl. Anastasia gezeigt. Schließlich tritt sie auf Ikonen auch in Gemeinschaft mit Gregor dem Theologen, Johannes Chrysostomus und Basilius dem Großen auf. - Auf Metallikonen findet sich P. ebenfalls oft, gleichsam als »Schutzgöttin« auf Reisen. Konrad Onasch, der ausführliche Studien zu P. machte, stellt fest: »So ergibt sich, daß die P. aus Ikonion (?) eine betont slavische Heilige ist. Aber mit dem 11.-12. Jh. ist vielleicht auch der früheste Termin ihrer Mneme in Rußland belegt.« (S. 127). Als Schutzheilige des Hauses und der weiblichen Hauswirtschaft ist sie auch Patronin über die Spinntätigkeit. Sehr bemerkenswert ist auch die Beobachtung von K. Onasch: »Die Verehrung der P. als Schutzheilige der Familie zeigt die frühere russische Sitte, daß sich Verwandte und Bekannte an Wegkreuzungen trafen, an denen kleine Bethäuser der Pjatnic-Paraskeva geweiht, standen. Deshalb gibt es in Rußland eine ganze Reihe von »Kreuzweg-Paraskevi«. (S. 130). Auch wird von Onasch darauf verwiesen, daß P. »eine heidnische Gottheit verdrängt hat.« (S. 135). Diese Gottheit, Mokos, war eine Fruchtbarkeitsgöttin. Und darum die Worte von Onasch: »Ganz offensichtlich ist das Bemühen der russischen Kirche um die Verehrung der P. als Hausheilige, als Beschützerin des Viehs, und Protektorin des Spinnens, Prädikate, die sie alle der heidnischen Mokos entwand. Zweifellos leben in der P. noch uralte Mokos-Reminiszenzen weiter. Aber der stille und zähe Kampf der russ. Kirche um die Entdämonisierung uralter heidnischer Vorstellungen muß anerkannt werden.« (S. 139).
Lit.: LCHI Bd. 8, Sp. 118-120 (U. Knoben); - BHG II 170; - BiblSS X, 328-331; - Beck Theol. Lit. 503; - Subsidia Hagiograph. 51, 1971, 270-281; - K. Onasch Paraskeva-Studien, in: Ostkirchliche Studien VI (1957) 121-141; - W. Felicetti-Liebenfels: Geschichte der russischen Ikonenmalerei, Graz 1972, 26, 33, 137, 138, 141, 360; - L. Ouspensky-Wl. Lossky: Der Sinn der Ikonen, Bern u. Olten 1932, 138; - H. Skrobucha: Kunstsammlungen der Stadt Recklinghausen-Ikonen-Museum, Recklinghausen51976, 87, 196, 215, 275, 283, 343, 452, 491-493, 591, 610; - N. Edelby (Hrsg.) Liturgikon-»Meßbuch der Byzantinischen Kirche, Recklinghausen 1967, 958-959.