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Band XXXII (2011) Spalten in Vorbereitung Autor: Michael Dillmann

PAREDES, Bonaventura García (de) Dominikaner, Professor an der Thomas-Universität in Manila, Provinzial der Rosenkranz-Provinz, 78. Generalmeister des Predigerordens * 19. April 1866 in Castañedo de Valdés, Luarca (Asturien), † 12. August 1936 in Madrid. - P. war eines von vier Kindern der Eheleute Serapio García Paredes und Maria Pallasá und wurde am Tag seiner Geburt durch Don Pedro González Cienfuegos in der Pfarrkirche seines Heimatdorfes getauft. Nach dem Besuch der dortigen Grundschule und nachdem er durch Volksmissionen, die Dominikaner (u.a durch P. Esteban Sacrest) in seiner Heimat gehalten hatten, auf den Predigerorden aufmerksam geworden war, trat er in das Colegio dominicano - eine Mittelschule - in Corias ein, das er aufgrund gesundheitlicher Probleme nach zwei Jahren wieder verlassen musste. Nach einer über ein Jahr dauernden Rekonvaleszenzphase besuchte er anschließend die zur Rosenkranzprovinz des Dominikanerordens gehörende Apostolische Schule am Konvent des hl. Dominikus in Ocaña (Toledo). Dort trat er am 30. August 1883 in den Predigerorden ein und legte ein Jahr später (am 31. August) seine einfache Profess ab. Nach dem Abschluss der philosophischen Studien in Ocaña übersiedelte P. in das St.-Thomas-Kolleg in Avila, wo er am 8. September 1887 seine feierliche Profess machte. Nachdem er das dritte theologische Studienjahr beendet hatte, schickten ihn seine Oberen an die Universität von Salamanca, um dort Jura zu studieren. Gleichzeitig nahm G. das Studium der Philosophie und der Philologie (Letras) an den Universitäten von Valencia und Madrid auf. In Salamanca erwarb er am 29. Januar 1891 das Baccalaureat im Zivilrecht, im selben Jahr wurde er am 25. Juli durch den Bischof von Avila, Juan Muñoz y Herrera, zum Priester geweiht. Am 30. Juni 1897 erhielt er in Madrid den philosophischen, ein Jahr später, am 20. Juni 1898, auch den juristischen Doktortitel. 1899 erfolgte seine Versetzung auf die Philippinen. Nachdem er dort den ordensinternen Titel eines Lektors der hl. Theologie erworben hatte, wurde ihm am 16. Juli 1900 der Lehrstuhl für politisches und Verwaltungsrecht an der Thomas-Universität in Manila übertragen. Während dieser Zeit fungierte P. kurzfristig auch als Herausgeber der katholischen Tageszeitung "Libertas". 1901 wurde er zum Prior in Avila gewählt. Nach Ablauf seiner Amtszeit verblieb er noch einige Zeit in Avila, erteilte Unterricht im Fach Kirchenrecht am Diözesanseminar und ergänzte das 1877 von Francisco Rivas herausgegebene Werk "Historia Eclesiástica" um die Zeit des Pontifikates von Leo XIII.. Von 1904 an versah G. das Amt eines Rektors des ordenseigenen Kollegs Santa María de Nieva (Segovia), bis er 1910 zum Prior von Ocaña gewählt wurde. Als solcher nahm er im selben Jahr am Provinzkapitel der Rosenkranzprovinz in Manila teil, auf dem er am 14. Mai 1910 zum Provinzial gewählt wurde - der damals mit ca. 600 Mitgliedern größten Provinz des Predigerordens. In seiner Amtszeit entfaltete er neben zahlreichen Visitationsreisen u.a. folgende Aktivitäten im Erziehungswesen und im karitativen Bereich: Gründung von Kollegien in Fouchow (China), Taipei (Taiwan) und Baguio (Philippinen), eines Krankenhauses in Tam-duo (Vietnam), einer Apostolischen Schule in La Mejorada (Spanien), eines Zentrums für theologische Studien in Rosaryville (USA). In Manila plante und baute er ein neues Haus für die Verwaltung seiner Ordensprovinz und aus Anlass der 300-Jahrfeier der dominikanischen Anwesenheit auf den Philippinen erwarb er ein 50000 Quadratmeter großes Grundstück für den Neubau der St.-Thomas-Universität, deren Grundstein er legen konnte. Besonderes Augenmerk richtete er auf die Missionsstationen und die Arbeit der Missionare - 1917 gründete er zur deren Unterstützung die Zeitschrift "Misiones Dominicanas". Aus dem eigenen Provinzbereich übergab er der Provinz von Lyon zwei Präfekturen in Vietnam, an die deutschen Dominikaner trat er die Mission von Tingchao in China ab und den Konvent in Valencia stellte er der in Wiederbegründung befindlichen Provinz von Aragon zur Verfügung. Durch zahlreiche Rundschreiben suchte er die apostolischen Aktivitäten und das kommunitäre Leben der Mitglieder seiner eigenen Provinz zu fördern. Auf dem Provinzkapitel von Manila 1914 wurde den versammelten Kapitularen durch ein Dekret der Religiosenkongregation das Recht zur Neuwahl eines Provinzial entzogen und G. blieb auf unbestimmte Zeit "ad nutum Sanctae Sedis" (auf ausdrücklichen Wunsch Papst Pius' X.) im Amt, was in der Folge zu Spannungen innerhalb der Provinz führte. Mehrfach bot P. seinen Rücktritt an, der aber nicht angenommen wurde; oft musste er sich Angriffen seitens seiner Mitbrüder erwehren, die ihn beschuldigten, er betriebe Nepotismus, indem er ausschließlich ihm ergebene Landsleute mit wichtigen Posten und Aufgaben betraute. Eine umfangreiche Korrespondenz, die P. mit der Ordensleitung in Rom zu diesem Thema führte, gibt Zeugnis davon. Im Jahr 1917 konnte er sein Amt niederlegen und begab sich nach Madrid, wo er zum Oberen des neuen Rosenkranzkonventes an der Calle Torrijos (heute: C. Conde de Peñalver) bestellt wurde. Die folgenden neun Jahre widmete er sich ausschließlich der Seelsorge und Predigt, insbesondere der geistlichen Begleitung von (oft hochgestellten) Einzelpersonen und vieler Ordensgemeinschaften. Am 22. Mai 1926 wählte ihn das in Ocaña versammelte Generalkapitel des Ordens zum Generalmeister. Trotz seiner eindringlichen Bitte, ihn nicht mit diesem Amt zu betrauen, bestanden die Kapitelsväter auf der Annahme der Wahl. Am 25. Dezember 1926 richtete P. von Rom aus sein erstes Schreiben an den Gesamtorden, in dem er die Grundlinien aufzeigte, die er während seiner Amtszeit verfolgen wollte: die Stärkung des Ordens im Hinblick auf seine Aufgaben in der Seelsorge und der Wissenschaft, Offenheit für die Missionstätigkeit, Förderung der Regularobservanzen und des geistlichen Lebens. Wenige Monate später folgte ein Zusatz zu diesem Zirkularschreiben, der an die kontemplativen Nonnen und apostolischen Schwestern des Ordens gerichtet war - Ausdruck der Überzeugung P.s, dass alle Zweige des Ordens vereint auf verschiedene Weise dem einen Ziel der Verkündigung dienen sollten. Gleich nach seiner Wahl installierte er eine Kommission, die zur Aufgabe hatte, die Anpassung der Konstitutionen an das neue Kirchenrecht zu bewerkstelligen; ebenfalls bestellte er eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Konstitutionen der Nonnen. Mit großem Interesse und bereitwilliger Förderung begleitete er die Entwicklung der verschiedenen Studienzentren des Ordens (Bibelschule in Jerusalem, Fakultät in Fribourg, Pistoia, Le Saulchoir etc.) wie auch vieler Publikationen (u.a. La Vie Spirituelle). P., der ein Kenner der Lehre und ein großer Verehrer des hl. Thomas von Aquin war, beging 1927 in vielfältiger Weise die Feierlichkeiten zum 650. Todestag des Heiligen. Nach langen und schwierigen Verhandlungen erreichte er am 9. Juni 1928, in den vollständigen Besitz des im Zentrum Roms gelegenen (ehemaligen Nonnen-)Klosters SS. Domenico e Sisto zu gelangen. Dorthin verlegte er das von seinem Vorgänger Hyacinthe-M. Cormier knapp zwanzig Jahre zuvor gegründete Collegium Angelicum (heute: Pontificia Università San Tommaso). Im Jahr 1928 richtete er ein Schreiben an den Gesamtorden, in welchem er den hl. Ludwig Bertrand O.P. zum besonderen Patron für die Noviziate erklärte; mehrmals unterstrich er durch Schreiben und Ansprachen die Bedeutung der Lehre der hl. Katharina von Siena für den Orden. - Am 27. März 1929 reichte P. beim Heiligen Stuhl seine Resignation vom Amt des Generaloberen ein. Drei Tage darauf wurde diese durch einen Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri im Auftrag von Pius XI. bestätigt. Als Grund für diesen Schritt wird darin der prekäre Gesundheitszustand P.s angeführt. Der wahre Anlass aber war die Tatsache, dass P. der Rücktritt durch Pius XI. selbst "nahe gelegt" worden war. Dieser hatte 1926 die Action Française, eine von Charles Maurras gegründete nationalistische Bewegung, verurteilt. Nachdem bekannt geworden war, dass einige Dominikaner in Frankreich mit dieser politischen Gruppierung sympathisierten und sie unterstützten, hatte der Papst den Ordensmeister angewiesen, die betreffenden Ordensleute umgehend aus ihren Kommunitäten zu entfernen. P., der die Sache einer sorgfältigen Prüfung unterziehen wollte (und auch unterzog), handelte nach Meinung Pius XI. zu langsam und erhielt die Aufforderung, sein Amt dem Heiligen Stuhl zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug, als "Zeichen des Wohlwollens und der Wertschätzung", wurde ihm die Würde eines Titularbischofs angetragen, worauf P. verzichtete. Er zog sich auf eigenen Wunsch in den Konvent seines Ordens in Ocaña zurück, wo er sich in seinen letzten Lebensjahren - wie schon zuvor - der Seelsorge, vor allem der geistlichen Begleitung einer Vielzahl von Einzelpersonen und Gruppen widmete. Als Ex-General nahm er noch an den Generalkapiteln von Rom (1929), Le Saulchoir (1932; hier als Präses der Kommission "De statuto pro missionibus") und wiederum Rom (1935) teil. Mitte Juli 1936 reiste P. nach Madrid, um sich mit langjährigen Freunden zu treffen, die sich vergebens bemüht hatten, für ihn eine Ausreisegenehmigung aus dem von Krisen geschüttelten Spanien zu bekommen. Am 18. Juli 1936 brach mit der Erhebung des Movimiento Nacional der Bürgerkrieg aus, einen Tag später wurde der Rosenkranzkonvent, in dem P. Quartier bezogen hatte, von linken Revolutionstruppen gestürmt. P. hatte das Kloster am Abend zuvor einer Einladung wegen verlassen und entging somit der Verhaftung. Eine Odyssee durch verschiedene Privathäuser, Hotels und Pensionen schloss sich an, bis er schließlich am 11. August 1936 der Revolutionspolizei in die Hände fiel. Nach die ganze Nacht andauernden Folterungen in einem Gefängnis, das sich an der Madrider Straße "García de Paredes" befand, wurde P. am Morgen des darauf folgenden Tages in Valdesenderín del Encinar, einer Gegend zwischen Fuencarral und Alcobendas (damals Vororte von Madrid) erschossen. Auf dem Friedhof von Fuencarral wurde der Leichnam bestattet. Am 24. Oktober 1940 übertrug man ihn in die Krypta der Rosenkranzkirche in Madrid. 27 Jahre später wurden die sterblichen Überreste feierlich in die Friedhofskapelle des Konventes zum hl. Thomas in Avila beigesetzt, wo sie bis heute ruhen. - Schon zu Lebzeiten stand P. im Ruf, ein Mann von hohen Qualitäten zu sein, ein kompetenter Wissenschaftler und einfühlsamer Oberer, in dem viele seiner Zeitgenossen Weisheit und Frömmigkeit vereint sahen. "Mit seinem Sinn für Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit verband er ein liebevolles Wohlwollen, sei es nun zu seinen Mitbrüdern oder zu Außenstehenden" (Vgl. Positio, Vol. II, 100). Sein Nachfolger im Amt des Generalmeisters, Martin St. Gillet, brachte bald nach P.s Tod in einem Rundschreiben an den Gesamtorden die Hoffnung zum Ausdruck, dass der ermordete Ex-General einmal durch die Kirche als Märtyrer verehrt werden würde. - Durch Papst Benedikt XVI. wurde P. am 27. Oktober 2007 in Rom selig gesprochen.

Werke (Auswahl): Santo Tomás y la estética moderna. Necesidad de restaurar el pensiamiento estético del Angélico Docotr en la ciencia de lo bello, Madrid 1897; La Iglesia y el Estado en la teoría jurídico-social de Santo Tomás comparada con las teorías modernas sobre el mismo asunto, Madrid 1898; Continuación de la Historia eclesiástica del P. Rivas: El Pontificado de León XIII; Los dominicos en el extremo Oriente: Provincia del Santísimo Rosario de Filipinas. Relaciones publicadas con motivo del séptimo centenario de la confirmación de la Sagrada Orden de Predicadores, Barcelona 1916: - Litterae "Quamvis iam", in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XVIII (1927-1928) 9ff. (span. Übersetzung: - Carta Circular a la Orden de Predicadores (Clásicos Dominicanos 1), Querétaro, México 1995); -"Adnectenda Epistolae Patris Generalis sectio de Monalibus ac Sororibus Ordinis nostri", in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XVIII (1927-1928) 122ff.; Litterae "Inter graves", in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XVIII (1927-1928) 476ff.; Litterae "Inter magnas", in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XVIII (1927-1928) 537ff.; Litterae "Exstat in Urbe", in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XVIII (1927-1928) 616ff.;

Lit. (Auswahl): R.mus P. Bonaventura García Paredes LXXVIII Magister Ordinis, in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XVII (1925-1926) 791ff.; - R.mo P. Generali Magisterium dimittendi annuit Sanctitas Sua, in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XIX (1929-1930) 136ff.; - Martinus Stanislaus Gillet, Litterae Rev.mi P. Mag. Gen. de morte Rev.mi P. Fr. Bonaventurae G. Paredes, in: Acta Capituli Provincialis Smi. Rosarii Philippinarum, Manilae 1939, 169-182; - Martinus Stanislaus Gillet, Litterae "Maximas inter augustias" in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum XXIV (1937-1938) 541-558 ; - Angelus Walz, Compendium historiae Ordinis Praedicatorum. Editio altera recognita et aucta, Romae 1948, 529; - Luis Getino, Mártires dominicos de la Cruzada Española, Madrid 1959, 93ff.; - Evergisto Bazaco, Causa de Beatificación y Canonización de los Siervos de Dios de la Orden de Predicadores y Marianistas - 1936, Madrid 1960 (Articulos 1-24: sobre el Remvmo. P. Buenaventura García Paredes 1-24); - André Laudouze, Dominicains Français et Action Française 1899-1940. Maurras au couvent (Collection "Portes Quvertes), Paris 1989; - Congregatio de Causis Sanctorum: P.N. 1094 Matriten. Beatificationis seu declarationis martyrii servorum Dei Bonaventurae García Paredes ex Ordine Praedicatorum Michaëlis Leibar e Societate Mariae et quadraginta sociorum in odium fidei, uti fertur, interfectorum, Vol I: Informatio; Vol. II: Summarium, Romae 1995; - Daniele Penone, I domenicai nei secoli. Panorama storico dell´Ordine dei Frati Predicatori (Attendite ad petram 18), Bologna 1998, 411ff.; - Vito T. Gómez/Francesco Ricci, Biografía del beato Buenaventura García Paredes 78 Maestro de la Orden, in: Analecta Ordinis Praedicatorum 115 (2007) 386ff. (englisch: - Blessed Bonaventure García Paredes, 78th successor of St. Dominic, in: Dominican History Newletter XVI (2007)234ff.); José A. Martínez Puche (Hg.), Mártires dominicos españoles. 92 religiosos, religiosas y seglares de la familia dominicana, mártires de la persecución religiosa de 1936, Madrid 2007, 101ff..

Michael Dillmann

Letzte Änderung: 14.12.2009