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Band VI (1993)Spalten 1536-1537 Autor: Michael Schaich

PARHAMER, Ignaz, Jesuit, Volksmissionar und Pädagoge, * 15.6. 1715 in Schwanenstadt in Oberösterreich, + 1.4. 1786 in Wien. - P. besuchte das Gymnasium und den philosophischen Kurs in Linz, ehe er 1734 in Irencin in den Jesuitenorden eintrat. Nach dem Noviziat unterrichtete er von 1737 bis 1740 an verschiedenen Ordensgymnasien in Österreich-Ungarn. Daran schloß sich ein Theologiestudium in Tyrnau an, das mit der Priesterweihe (1744) endete. Im Jahr 1748 übertrug ihm Kaiserin Maria Theresia die Aufsicht über die öster. Trivialschulen. Diese Entscheidung rechtfertigte P. mit seinem 1750 veröffentlichten »Katechismus für drei Schulen und mit gewöhnlichen Gesängen«, der zum Grundlagenwerk für die öster. und ungar. Lehranstalten wurde und mehrere Auflagen erlebte. Seit 1754 war P. Vorsteher der katechetischen Missionen in Österreich, Ungarn, Steiermark, Kärnten und Salzburg. In den folgenden Jahren zog er predigend durch das Land und organisierte an vielen Orten »Christenlehr-Bruderschaften«. 1759 wurde ihm schließlich die Leitung des Wiener Waisenhauses am Rennweg übertragen, die er bis 1785 behielt. In der Anfangszeit der Alleinherrschaft Joseph II. rückte P. zudem noch in leitende Stellungen in der Administration des Waisenhaus- und Stiftungswesens ein. - P. war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Volksmissionare des 18. Jh.s. Er entfaltete bei seinen Auftritten, die stark von militärischem Zeremoniell geprägt und insbesondere auf Kinder ausgerichtet waren, eine gewaltige Überzeugungskraft. Daneben erlangte er Berühmtheit als Leiter des Wiener Waisenhauses, das unter seiner Ägide einen Anstieg der Frequenz erlebte und internationale Beachtung fand. Die strenge Disziplin und der militärische Drill, die in ihm herrschten, trugen P. den Beinamen des »Kindergenerals« ein.

Werke: Das fromme Kind, 1744; Schulregel für die Eltern, Kinder und Lehrer, 1750; Der historische Katechismus, mit historischen Fragen, Glaubens- und Sittenlehren, 3 Bde., 1750-52; Die Regeln der Christenlehrbrüderschaft und Auslegung derselben laut der päbstlichen Bullen S. Pii V und Pauli V, 1751; Historische Beschreibung des egyptischen Joseph, 1752; Allgemeines Missionfragbüchlein, in drei Schulen ordentlich eingetheilt, 1771 (mehrere Auflagen); Jährlicher Bericht über das Waisenhaus Wien, 1772 und 1773; Vollkommener Bericht von der Beschaffenheit des Waisenhauses Unsrer Lieben Frauen am Rennwege zu Wien in Österreich im Jahr 1776, 1776.

Lit.: Joseph Alexander von Helfert, Die Gründung der öster. Volksschule durch Maria Theresia, 1860, 42-44, 100-105, 244-247; - Georg Rieder, I. P.s und Franz Marxers Leben und Wirken, 1872; - Bernhard Duhr, Gesch. der Jesuiten in den Ländern dt. Zunge, 1928, IV/2, 238-242, 304-305, 442; - Johannes Hofinger, Gesch. des Katechismus in Östr. von Canisius bis zur Gegenwart, 1937; - Ferdinand Holböck, Der begnadete Priesterpädagoge, in: Österreichisches Klerus-Blatt 94, 1961, 240-243; - Trude Schmitz, I. P. S.J., in: Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums für Mädchen und der Frauenoberschule Wien 17, 1961/62, 5-15; - Hans Pemmer, Das Parhamersche Waisenhaus auf dem Rennweg, in: Wiener Geschbll. 28, 1973, 33-38; - Konrad Baumgartner, Die Seelsorge im Bistum Passau zwischen barocker Tradition, Aufklärung und Restauration, 1975, 303-311; - Gernot Heiß, Erziehung der Waisen zur Manufakturarbeit. Pädagog. Zielvorstellungen und ökonom. Interessen der maria-theresianischen Verwaltung, in: MIÖG 85, 1977, 316-331; - Ladislaus Szilas, Die öster. Jesuitenprovinz im J. 1773. Eine Histor.-Statist. Untersuchung, in: AHSJ 47, 1978, 97-158, 297-349; - Ladislaus Lukßcs, Catalogus generalis seu Nomenclator biographicus personarum Provinciae Austriae Societatis Jesu (1551-1773), II, 1988, 1147; - Constant von Wurzbach, Biograph. Lexikon d. Kaiserthums Östr., XXI, 1870, 296-299; - Sommervogel V, 215-216; - ADB XXV, 170-172; - Koch, JL, 1376-1378; - LThK VIII, 92; - Manfred Brandl, Die dt. kath. Theologen der Neuzeit II, 1978, 180.

Michael Schaich

Letzte Änderung: 18.07.1998