PARHAMER, Ignaz, Jesuit, Volksmissionar und Pädagoge, * 15.6. 1715
in Schwanenstadt in Oberösterreich, + 1.4. 1786 in Wien. -
P. besuchte das Gymnasium und den philosophischen Kurs in Linz, ehe
er 1734 in Irencin in den Jesuitenorden eintrat. Nach dem Noviziat
unterrichtete er von 1737 bis 1740 an verschiedenen Ordensgymnasien
in Österreich-Ungarn. Daran schloß sich ein Theologiestudium in Tyrnau
an, das mit der Priesterweihe (1744) endete. Im Jahr 1748 übertrug
ihm Kaiserin Maria Theresia die Aufsicht über die öster. Trivialschulen.
Diese Entscheidung rechtfertigte P. mit seinem 1750 veröffentlichten
»Katechismus für drei Schulen und mit gewöhnlichen Gesängen«, der
zum Grundlagenwerk für die öster. und ungar. Lehranstalten wurde und
mehrere Auflagen erlebte. Seit 1754 war P. Vorsteher der katechetischen
Missionen in Österreich, Ungarn, Steiermark, Kärnten und Salzburg.
In den folgenden Jahren zog er predigend durch das Land und organisierte
an vielen Orten »Christenlehr-Bruderschaften«. 1759 wurde ihm schließlich
die Leitung des Wiener Waisenhauses am Rennweg übertragen, die er
bis 1785 behielt. In der Anfangszeit der Alleinherrschaft Joseph II.
rückte P. zudem noch in leitende Stellungen in der Administration
des Waisenhaus- und Stiftungswesens ein. - P. war einer der bedeutendsten
und erfolgreichsten Volksmissionare des 18. Jh.s. Er entfaltete bei
seinen Auftritten, die stark von militärischem Zeremoniell geprägt
und insbesondere auf Kinder ausgerichtet waren, eine gewaltige Überzeugungskraft.
Daneben erlangte er Berühmtheit als Leiter des Wiener Waisenhauses,
das unter seiner Ägide einen Anstieg der Frequenz erlebte und internationale
Beachtung fand. Die strenge Disziplin und der militärische Drill,
die in ihm herrschten, trugen P. den Beinamen des »Kindergenerals«
ein.
Werke: Das fromme Kind, 1744; Schulregel für die Eltern,
Kinder und Lehrer, 1750; Der historische Katechismus, mit historischen
Fragen, Glaubens- und Sittenlehren, 3 Bde., 1750-52; Die Regeln der
Christenlehrbrüderschaft und Auslegung derselben laut der päbstlichen
Bullen S. Pii V und Pauli V, 1751; Historische Beschreibung des egyptischen
Joseph, 1752; Allgemeines Missionfragbüchlein, in drei Schulen ordentlich
eingetheilt, 1771 (mehrere Auflagen); Jährlicher Bericht über das
Waisenhaus Wien, 1772 und 1773; Vollkommener Bericht von der Beschaffenheit
des Waisenhauses Unsrer Lieben Frauen am Rennwege zu Wien in Österreich
im Jahr 1776, 1776.
Lit.: Joseph Alexander von Helfert, Die Gründung der öster.
Volksschule durch Maria Theresia, 1860, 42-44, 100-105, 244-247; -
Georg Rieder, I. P.s und Franz Marxers Leben und Wirken, 1872; -
Bernhard Duhr, Gesch. der Jesuiten in den Ländern dt. Zunge, 1928,
IV/2, 238-242, 304-305, 442; - Johannes Hofinger, Gesch. des Katechismus
in Östr. von Canisius bis zur Gegenwart, 1937; - Ferdinand Holböck,
Der begnadete Priesterpädagoge, in: Österreichisches Klerus-Blatt
94, 1961, 240-243; - Trude Schmitz, I. P. S.J., in: Jahresbericht
des Bundesrealgymnasiums für Mädchen und der Frauenoberschule Wien
17, 1961/62, 5-15; - Hans Pemmer, Das Parhamersche Waisenhaus
auf dem Rennweg, in: Wiener Geschbll. 28, 1973, 33-38; - Konrad
Baumgartner, Die Seelsorge im Bistum Passau zwischen barocker Tradition,
Aufklärung und Restauration, 1975, 303-311; - Gernot Heiß, Erziehung
der Waisen zur Manufakturarbeit. Pädagog. Zielvorstellungen und ökonom.
Interessen der maria-theresianischen Verwaltung, in: MIÖG 85, 1977,
316-331; - Ladislaus Szilas, Die öster. Jesuitenprovinz im J.
1773. Eine Histor.-Statist. Untersuchung, in: AHSJ 47, 1978, 97-158,
297-349; - Ladislaus Lukßcs, Catalogus generalis seu Nomenclator
biographicus personarum Provinciae Austriae Societatis Jesu (1551-1773),
II, 1988, 1147; - Constant von Wurzbach, Biograph. Lexikon d.
Kaiserthums Östr., XXI, 1870, 296-299; - Sommervogel V, 215-216;
- ADB XXV, 170-172; - Koch, JL, 1376-1378; - LThK VIII,
92; - Manfred Brandl, Die dt. kath. Theologen der Neuzeit II,
1978, 180.
Michael Schaich
Letzte Änderung: 15.11.2011