PEHEM, Joseph Johann Nepomuk, josephinischer Kirchenrechtler,
* 8.4. 1740 in Stockach/Bodensee, + 17.5. 1799 in Wien. -
P. absolvierte die juristischen Studien in Innsbruck und Wien, wo
er 1771 zum Dr. jur. utr. promoviert wurde. Noch im selben Jahr wurde
er in Innsbruck Professor des Kirchenrechts, 1775 Direktor des adeligen
Konvikts und 1777 kaiserlicher Rat. 1779 ging P. als Nachfolger J.
V. Eybels nach Wien und wurde dort Professor des geistlichen Rechts;
diese Aufgabe übte er bis zu seinem Tod aus. - P. zählt in seinem
Fachgebiet zu den konsequentesten Vertretern josephinischer Auffassungen
und postulierte den Vorrang landesherrlicher Rechte vor dem kanonischen
Recht. Seine Werke waren zeitweise als offizielle Lehrbücher in Österreich
staatlich vorgeschrieben.
Werke: Disquisitio historico-juridica de consensu parentum
in nuptiis filiorum filiarumque familias, Innsbruck 1777; Jus ecclesiasticum
publicum, Pars I, Wien 1781; Abh. v. Einf. der Volkssprache in den
öffentlichen Gottesdienst, Wien 1783; Jus ecclesiasticum universum,
Wien 1786; Praelectionum in jus ecclesiasticum universum methodo discentium
utilitati adcommodata congestarum, 2 Bde., Wien 1788, Pars III Wien
1789 u. ö.; = deutsch: Vorlesungen über das öffentliche und Privatkirchenrecht,
2 Bde., Bd. 1: Wien 1802, Bd. 2: Wien 1803, 1807
2; Versuch
über die Nothwendigkeit einer vorzunehmenden Reformation der geistlichen
Orden und das Recht der Regenten, aus eigener Macht dieselben in allen
Ländern zu reformiren, einzuschränken und aufzuheben, (Wien) 1782;
Historisch-statistische Abh. v. Errichtung, Ein- und Abtheilung der
Bisthümer, Bestimmung der Erzbisthümer, Bestätigung, Einweihung und
Versetzung der Erz- und Bischöfe, vom römischen Pallium und Eide,
welche die Erz- und Bischöfe nebst anderen Prälaten dem römischen
Papste schwören müssen, und von den Gerechtsamen der Regenten in Ansehung
dieser Gegenstände, Wien 1790 (anonym erschienen).
Lit.: Johann Georg Meusel, Lexikon der vom Jahr 1750 bis
1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller, Bd. X, 1810 (Nachdr. 1968),
308; - Werner1, 219 f.; - Ernst Landsberg, Gesch.
der Dt. Rechtswiss., Bd. III/I, 1898, Text 384, Noten 250; - Ad.
Rösch, Das KR im Zeitalter der Aufklärung, in: AkathKR 83 (1903),
446-482, 620-652; 84 (1904), 56-82, 244-262, 495-526; 85 (1905), 29-63,
passim; - Johann Baptist Sägmüller, Das Naturrecht im offiziellen
KR der Aufklärung, in: ThQ 94 (1912), 58-99, bes. 83-88; - Nikolaus
Grass, Die Kirchenrechtslehrer der Innsbrucker Univ. v. 1672 bis
z. Ggw. Ein Btr. z. Wissenschaftsgesch. Östr.s, in: Veröff. des Museum
Ferdinandeum 31 (1951), 157-212, bes. 169 f.; neu abgedr. in: Ders.,
Östr.s Kirchenrechtslehrer der Neuzeit. Bes. an den Univ.en Graz und
Innsbruck (Freiburger Veröff. aus dem Gebiete v. Kirche und Staat
27), 1988, 255-314, bes. 267 f.; - Willibald M. Plöchl, Gesch.
des KRs, Bd. V, 1969, 358 f., 368-370; - Knut Walf, Das bisch.
Amt in der Sicht josephinischer Kirchenrechtler (Forsch. z. kirchlichen
Rechtsgesch. und z. KR 13), 1975, passim; - Hans-Wolfgang Strätz,
Wegweiser z. Säkularisation in der kanonistischen Lit., in: Säkularisierung
und Säkularisation vor 1800, hrsg. v. Anton Rauscher, 1976, 43-67,
passim; - Manfred Brandl, Die dt. Theologen der Neuzeit. Ein Repertorium,
Bd. 2: Aufklärung, 1978, 181; - Bernd Mathias Kremer, Der Westfälische
Friede in der Deutung der Aufklärung (Jus ecclesiasticum 37), 1989,
passim; - ADB XXV, 318 f.; - Wurzbach XXI, 428 f.; -
Schulte III/1, 259 f.; - HN V/1, 512; - Kosch, KD II, 3457 f.;
- Novissimo Digesto Italiano XII (1965), 807.
Stephan Haering