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Band XX (2002)Spalten 1152-1153 Ekkart Sauser

PEICHL, Hermann: Dr. theol., Benediktiner, Abt, * 9.8. 1887 in Niederjohnsdorf, † 15.4. 1966 in Wien. - Schon in jungen Jahren in das Schottenstift zu Wien eingetreten, legte er am 25. Juli 1912 die feierliche Profeß ab. Am 24. April 1930 wurde er zum Abt der Schottenabtei in Wien gewählt. - Durch viele Jahrzehnte leitete er dieses Kloster mit sehr starker Hand, so daß zu seiner Zeit die Schotten als das reformierte Benediktinerkloster in Österreich schlechthin galt. Als Religionslehrer am berühmten Schottengymnasium erlangte er in der Welt der Religionslehrer Österreichs einen hervorragenden Ruf. Als Abt galt er, wie bereits gesagt, als der Reformabt Österreichs schlechthin. Fürsterzbischof Dr. Andreas Rohracher von Salzburg, der 1946 zum Apostolischen Visitator der österreichischen Stifte von Rom ernannt worden war, war sogar der Auffassung, daß die Schotten unter Abt Peichl das einzige Benediktinerstift in Österreich gewesen sei, das die Reformvorstellungen von Papst Pius XI. aus dem Jahre 1930 "alacri pede" ("eiligen Fusses") angenommen habe. Durch 22 Jahre stand P. dem Kloster vor, nachdem er direkt von Rom eingesetzt worden war. - Gerhard B. Winkler bemerkt dazu: "Das mag manche seiner schroffen Taten erkläre, das erklärt manches an dem Aufstand gegen ihn. Niemand hätte je daran gedacht, ihn zu wählen, schrieb ein älterer Schotte dem Visitator (Rohracher)". (In: H. Paarhammer-A. Rinnerthaler: Österreich und der Hl. Stuhl im 19. und 20. Jahrhundert... S. 366). Als Erzbischof Rohracher nach dem Zweiten Weltkrieg das Schottenkloster visitierte, gab es sogar z. T. "murmuratio" (Auflehnung)gegen Abt P. Man sprach damals von einer "Vertrauenkriese "zwischen Abt und Konvent. So wurde bei dieser Apostolischen Visitation vom 2.-4. Juli l952 (in einem Dekret vom 25. Juli 1952) der Abt P. zur Milde und der Konvent zum Gehorsam ermahnt. - Wissenschaftlich trat P. durch sein Bestreben hervor, eine Synthese von Glaube und Wissen herbeizuführen. So kam es, daß P. am 13. Oktober 1936 zum Mitbegründer der ersten "Katholischen Akademie" der Erzdiözese Wien wurde. Er gehörte schon damals dem Direktorium dieser Akademie an. Als zur Zeit der Naziherrschaft alles unterging, wurde am 29. Juni 1945 im Schottenstift die zweite, heutige "Wiener Katholische Akademie" begründet. Abt P. stellte damals die Räume im Stift dafür zur Verfügung. Von 1945-1947 war P. Kurator, seit 1947 der Präsident dieser Akademie. Zu Spannungen kam es zwischen Abt und erzbischöflichem Ordinariat Wien, als P. die "Schottenjugend" aus dem Kloster verbannte, die sich als "Domjugend" "herausgemausert hatte und so zähmen ließ". (Gerhard B. Winkler). Gegen Ende seines Lebens wurde P. persönlich schwierig. Das Erzbischöfliche Ordinariat in dem damaligen Generalvikar Dr. Jakob Weinbacher und dem Kanzler Dr. Streidt ließen jedoch Wertschätzung und Mitleid vor Häme und Kritik walten. (Gerhard B. Winkler).

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Werke (in Auswahl): Die Schottenabtei in der Neuzeit, in: 800 Jahre Schottenabtei, Religion, Wissenschaft, Kultur 11. Jg. 1960, Folge 1, 51-61; Ders., Die Beziehungen des Schottenstiftes zur Wiener Universität seit deren Gründung, ebda, 63-67.

Lit.: Fr. Kard. König: Geleit zur Festschrift für Abt Dr. H. Peichl, Wien 1965, 9-10; - G. B. Winkler: Die Apostolische Visitation der österreichischen Stifte, in: H. Paarhammer-A. Rinnerthaler (Hrsg.): Österreich und der Heilige Stuhl im 19. und 20. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Internationalen Forschungszentrums für Grundlagenforschungen der Wissenschaften Salzburg, Bd. 78, Frankfurt a. M. 200l, 366-368.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 15.11.2011