PELLETIER, Rose-Virginie, mit Ordensnamen: Schwester Maria Euphrasia, gründete die Kongregation der "Schwestern Unserer Frau von der Liebe des Guten Hirten von Angers". - Als 8. Kind der Eheleute Julien Pelletier und seiner Ehefrau Anna, geb. Mourain, wurde Rose-Virginie am 31. Juli 1796 auf Noirmoutier, einer Insel im Atlantischen Ozean, geboren. Trotz der Wirren der Französischen Revolution und deren kirchenfeindlicher Gesinnung, ließen die Eltern das Kind katholisch taufen und gaben ihrer Tochter eine religiöse Erziehung. Rose-Virginie zeigte schon sehr früh eine tiefe Spiritualität kombiniert mit einem durchsetzungsfreudigen und freiheitsliebenden Charakter. In Tours besuchte sie ein Mädchenpensionat und lernte in unmittelbarer Nachbarschaft die "Schwestern Unserer Frau von der Liebe" kennen. Jean Eudes (1601-1680) hatte 1641 diese Gemeinschaft gegründet, um sogenannte "gefallene Mäd-chen" und "Sünderinnen" aufzunehmen. Trotz des Widerstands ihres Vormunds, trat sie mit 19 Jahren in diese Ordensgemeinschaft ein. Am 6. September 1815 begann das Noviziat. Rose-Virginie erhielt den Namen: Schwester Maria von der heiligen Euphrasia. Die ewige Profeß feierte sie am 9. September 1817. Die junge Schwester arbeitete gleich in der Mädchenerziehung. Für das 19. Jahrhundert wandte sie erstaunlich moderne Erziehungsmethoden an. Sie vermittelte den Mädchen Geborgenheit und verbot die bis dahin üblichen Methoden der strengen Zucht, Prügel und Zwangsunterbringung. Mit 29 Jahren erhielt sie das Amt der Oberin. Sie führte eine Reorganisation der einzelnen, autarken Klöster der Ordensgemeinschaft durch. Gegen den Willen der französischen Bischöfe errichtete sie ein gemeinsames Generalat. Diese Reform kam einer Neugründung der bisherigen Kongregation gleich. Die neue Gemeinschaft der "Schwestern Unserer Frau von der Liebe des Guten Hirten von Angers" erhielt, trotz weiterer Widerstände, am 16. Februar 1835 die päpstliche Approbation. Schwester Euphrasia wurde Generaloberin. Sie realisierte ihren Wahlspruch "Unsere Liebe muß die ganze Welt umfassen!" und gründete 110 Niederlassungen in allen fünf Erdteilen. Das erste Haus in Deutschland wurde 1840 in München eröffnet, 1848 erfolgte eine Gründung in Aachen, 1850 in Münster und 1858 in Berlin. Bis zum Tod der Gründerin, am 24.4. 1868, traten fast 3000 Frauen in die Kongregation ein, ein Drittel davon, in den ebenfalls von ihr gegründeten kontemplativen Zweig. Schwester Euphrasia wurde am 30. April 1933 selig und am 2. Mai 1940 heilig gesprochen. - Heute gehören der Kongregation etwa 5000 Schwestern an (Stand 2004). Die heutigen Zielgruppen der "Schwestern vom Guten Hirten" sind Menschen, die in Gefahr stehen, aus dem gesellschaftlichen Dialog auszuscheiden und/oder Opfer geworden sind. Dazu zählen insbesondere: Frauen und Mädchen, die von Gewalt, Mißachtung und sexueller Ausbeutung betroffen sind. Kinder, die in lebensverhindernden Verhältnissen aufwachsen und unter Vernachlässigung, Mißhandlung oder Mißbrauch und anderen Entwicklungsbehinderungen leiden. Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Menschen mit einer geistig/seelischen Behinderung, die auf fördernde Unterstützung angewiesen sind und/oder einen angemessenen Lebensraum suchen. Alte Menschen, die vereinsamt und pflegebedürftig sind. Sterbende Menschen, die vor dem physischen schon den psychischen und sozialen Tod erleiden und Menschen, die nach Schicksalsschlägen und Erfahrungen von Machtmißbrauch und Ausgrenzung Hilfe suchen für eine neue Lebensgestaltung. (Leitbild, 1995).
Quellen und Literatur: Brüning, Günter: Geschichte der Norddeutschen Ordensprovinz der Schwestern vom Guten Hirten, Münster 1997 (unveröffentlicht); - Eckl, Maria Christophora, Unterwegs als Dienstgemeinschaft, Das Pastorale Führungsmodell der Schwestern vom Guten Hirten - ein integrierender Führungsansatz für soziale Organisationen, Würzburg 1999; - Exenberger, Maria: Das neue Herz, Johannes Eudes, Leutesdorf 1990; - Poinsenet, Marie-Dominique: Vor allem die Liebe, Leben und Dienst der Mutter Euphrasia Pelletier, Kevelaer 1970; - Toldy, Marian: Im Dienst an den Verlorenen, Die Geschichte der pädagogischen Tätigkeit der Schwestern vom Guten Hirten in der Provinz Münster von 1850 bis 1990, Münster 2000 (unveröffentlicht); - Wolff, Horst-Peter, Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte, Who was who in nursing history, Bd. 3, München 2004; - Webseite: www.GuterHirte.de; - Broschüre Leitbild für das Leben und Arbeiten in den Einrichtungen der Schwestern vom Guten Hirten, Münster 1995.