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Band XX (2002)Spalten 1153-1154 Ulrich Matthias

PELTIER, Emile, Pfarrer und Gründer der katholischen Esperanto-Bewegung, * 17.9. 1870 in Villandry bei Tours, † 17.2. 1909 in Lourdes. - Bereits im Alter von sieben Jahren fühlte P. eine religiöse Berufung; 1884 trat er in das Priesterseminar in Tours ein; 1893 wurde er zum Priester geweiht. Peltier beherrschte zahlreiche Fremdsprachen (Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch) und übersetze einige Bücher ins Französische, darunter "Unto this last" von John Ruskin. 1894 wurde er Dozent für die englische Sprache am Kollegium des Hl. Gregor in Tours; aus gesundheitlichen Gründen gab er diesen Posten wenige Jahre später auf. Bis zu seinem Tod blieb er Pfarrer der Gemeinde Sainte-Radegonde bei Tours. 1901 lernte P. den Theologen und Esperanto-Pionier Louis de Beaufront (1855-1935) kennen, der ihn für die 1887 von Ludwig Lazarus Zamenhof (s. d.) veröffentlichte Internationale Sprache interessierte. Im Dezember 1902 gründete P. in Tours die Vereinigung "Espero Katolika", den Vorläufer der 1910 in Paris gegründeten Internationalen Katholischen Esperanto-Vereinigung IKUE. Ab Oktober 1903 gab P. die Zeitschrift "Espero Katolika" heraus, die er bis zu seinem Tod redigierte. Für P. war Esperanto ein Mittel, um die Christen in aller Welt über Sprach- und Ländergrenzen hinweg zu verbinden. Immer wieder drückte er in seiner Zeitschrift auch Gedanken zur Überwindung konfessioneller Gegensätze aus, z. B. in seinem "Offenen Brief an alle christlichen Priester" vom Januar 1906. Es ist vor allem dem Wirken Peltiers zu verdanken, dass Papst Pius X der katholischen Esperanto-Bewegung wiederholt Ermutigungen aussprach und ihr von 1906-1914 alljährlich seinen apostolischen Segen erteilte.

Lit.: Ulrich Matthias, Esperanto - das neue Latein der Kirche, Meßkirch 1999, 31-35; - Lorenzo Rosati, Pastro Emile Peltier (1870-1909), Espero Katolika 1-5/1994, 38-45.

Ulrich Matthias

Letzte Änderung: 21.05.2002