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Band VII. (1994) Spalten 186-188 Autor: Paul Gerhard Aring

PENN, William, * 14.10. 1644 in London, + 29.7. 1718 in Ruscomb, Berkshire; Sohn des Admirals Sir William Penn, der unter Karl II. Jamaika für die britische Krone erobert hatte. Während seines Studiums in Oxford kam er durch einen Prediger Thomas Loe in Verbindung mit der von George Fox geprägten, enthusiastischen Erweckungsbewegung der »Kinder des Lichts«, aus der dann die »Gesellschaft der Freunde«, auch »Quäker« genannt, wurde. Penn erlebte 1668 eine vollständige Veränderung seines Lebens (»Bekehrung«) und wurde mit Barclay und Fox zur führenden Persönlichkeit der Quäker-Bewegung. Bald schon geriet auch er wie andere seiner Freunde wegen ihrer kompromißlosen Verkündigung des Gottesreiches auf Erden in Konflikt mit der Obrigkeit. Im Gefängnis von Newgate schrieb Penn sein bekanntes Buch »No Cross No Crown«, das für die allenthalben bedrängten Quäkergemeinden zu einer wichtigen Trostschrift wurde. 1676 öffneten sich für die Quäker neue Wege aus ihrer angefochtenen, bedrängten Lage. William Penn hatte das Vermögen seines Vaters geerbt, mit dessen Hilfe er Land im östlichen Nordamerika erwerben konnte. Unter dem geerbten Vermögen war auch eine Forderung an die englische Krone, die von ihr anerkannt wurde. Um diese Schuld abzulösen, belehnte Karl II. William Penn mit dem Land westlich des Delaware-Flusses - »Pennsylvanien« - in dem Penn uneingeschränkte Regierungsgewalt erhielt. Hier konnten er und seine Freunde in »heiligem Experiment« die Erfahrungen und Prinzipien der Quäkerbewegung in einem Freistaat (Hauptstadt: Philadelphia) so in die Praxis umsetzen, daß er bald zu einem Vorbild für die Verfassungen anderer nordamerikanischer Staaten wurde: Toleranz gegenüber allen menschlichen Glaubensweisen; uneingeschränkte Gewissens- und Meinungsfreiheit; das Volk ist die Quelle aller Herrschaft, daher breite demokratische Basis; Freundschaft mit der Urbevölkerung, den »Indianern«; beginnende Emanzipierung der Sklaven; Abschaffung der Todesstrafe. Aber auch in diesem Freistaat kam es zu wachsenden Schwierigkeiten; Spannungen mit landgierigen Kolonisten anderer Herkunft, Intrigen und Betrügereien auch in den eigenen Reihen veranlaßten William Penn zu einer erneuten Reise nach England; hier wurde er auf Betreiben seines Verwalters Philipp Ford unter falschen Beschuldigungen sogar für 10 Monate in Old Bailey eingekerkert. Im Gefängnis erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. In Jordans, Buckinghamshire, wurde er neben seiner Frau und seinem Sohn Springett begraben. Eines seiner wichtigen Vermächtnisse ist die auf der Reise nach England entstandene Schrift »On the Present and Future Peace of Europe«, in der er für die Idee eines europäischen Völkerbundes mit gemeinsamem Parlament eintritt.

Werke: Gesammelte Werke (Select Works) hrsg. von J. Fothergill, 1771, Neudrucke 1782 und 1825; gedrucktes und handschriftliches Material ist in der Friend's Library, Euston Road, London, archiviert. Biographien Penns: Marsillac 1790, Clarkson 1813, Dixon 1852, Stoughton 1883, Janney 1900 (2. Aufl. 1932), Vulliamy 1934, Hull 1937, Pear 1957.

Lit.: R. Barclay, Letters of Early Friends, 1841; - H. Tuke, Principles of Religion as professed by the Quakers, 1842; - J. Rowntree, Quakerism, Past and Present, 1839; - J. Schmith, A Descriptive Catalogue of Friend's Books, 2 Bände, 1867; - M.K. Spence, William Penn, A Bibliographie, 1932; - Book of Christian Discipline of the Religious Society of Friend's in Great Britain, 1883 (Protokolle der Yearly Meetings von 1672 bis 1883; - Th. Clarkson, Memoirs of the Privat and Public Life of William Penn, 2 Bände, 1814; - J.W. Graham, William Penn, Founder of Pennsylvania, 1917; - B. Dorée, William Penn, Quaker and Pioneer, 1932; - E.C.D. Beatty, William Penn as a Social Philosopher, 1939 (Bibliographie); - E. Fogelklou, William Penn, Gründer Pennsylvaniens, Quäker und Staatsgründer, 1963.

Paul Gerhard Aring

Literaturergänzung:

Anselm Verbeek, E. christl. Radikaler. Vor 325 Jahren gründete d. Quäker W.P. Pennsylvania, in: ÖI 2006, Nr. 10, S. 14-16.

Letzte Änderung: 10.03.2006