PERL, Anna Josephine (Dichtername: Änne; Pseudonym: Sölvy), katholische
Schriftstellerin, * 31.8. 1897 in Köln als Tochter des Militärkantinenpächters
Johann P. (17.9. 1862-12.5. 1905) und dessen Ehefrau Susanne geb.
Gutmann (6.7. 1868-11.8. 1961) + 3.11. 1970 in Trier. -
Infolge der beruflichen Versetzung des Vaters lebte P. seit 1901 in
Trier, eine Stadt, die sie nie mehr losließ: »Wenn die Landschaft
den Menschen ihr Gepräge gibt, so hat mich meine moselländische Heimat
geformt, die uralte Römerstadt Trier mit ihrem antiken und christlichen
Erbe, mit ihrer in Jahrtausenden gewachsenen Kultur und der ganz eigenen
Atmosphäre, der sich die Wenigsten, auch wenn sie nur kurz in dieser
Stadt leben, entziehen können. Hier bin ich groß geworden, hier möchte
ich alt werden und sterben und mit dem Apostel Matthias auferstehen«.
P. war die jüngste von drei Schwestern, besuchte die Ursulinenschule
in Trier bis zur mittleren Reife, sodann ab 1912 für eineinhalb Jahre
die Handelsschule und arbeitet von 1914 bis 1945 unter drei Regierungspräsidenten
als Regierungssekretärin (Chefsekretärin) in Trier. Im ersten Weltkrieg
verlor sie ihren Verlobten, Leutnant Hans van Kampen, durch Kriegseinwirkung,
ein Erlebnis, das P. stark beeinflußte und das sie in literarischer
Form zu verarbeiten suchte. Nach dem zweiten Weltkrieg war sie im
erlernten Beruf nicht mehr tätig, sondern arbeitete als freie Schriftstellerin,
u.a. als eifrige Mitarbeiterin am Trierer Bistumsblatt »Paulinus«.
Nach einem Herzinfarkt begab sie sich nach Bad Nauheim in Kur, erlitt
dort einen weiteren Infarkt, kehrte nach Trier zurück und starb hier
nach einem dritten Infarkt. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem
Trierer Hauptfriedhof. Zeugen berichten, daß sie sehr fromm, aber
nicht frömmlerisch gewesen sei, viel und gern gesungen und Theater
spielte, daß sie aber nach außen keine führende Rolle gespielt habe
und gesellschaftlich nicht hervorgetreten sei. 1938 erschien ihr erstes
Buch: »Der feurige Wagen«. Ihm folgte 1940 »Der singende Pfeil«, ein
Buch in Briefen, das auch als Feldpostausgabe gedruckt wurde. »Die
eherne Treue« erschien noch mitten im zweiten Weltkrieg. Danach folgten
Bücher wie »Der Silberbogen«, »Der Zauberspiegel«, »Kleinod des Herzens«,
»Tessiner Tagebuch«, »Gefährten der Seele«, »Pilgerin auf endlosen
Straßen« und »Kosmetik der Seele«. Alle Bücher P.s stehen unter der
Idee bewußter Lebensgestaltung aus den Quellen von Glaube, Hoffnung
und Liebe. Sie wenden sich den Menschen zu und holen ihn in seinen
Krankheiten und Leiden ab. Trost und Zuspruch erfolgen aber nicht
bloß durch den Hinweis auf das christliche Dulden der Menschen, vielmehr
weist P. auf deren eigene Mündigkeit hin. P. hat, wie es die Kritik
nannte, »stille Bücher« geschrieben. Sie konnte sich intensiv in andere
Menschen hineinversetzen. Ihre Sprache ist einfach, gerade, zuchtvoll
und wahrhaftig. Es wundert nicht, daß sie eine der vier Experten war,
die die Liedtexte des für Deutschland vorbildlichen Trierer Diözesangesangbuches
von 1955 kritisch begutachteten. Im vergangenen Jahrzehnt ist es um
das Werk P.s allerdings still geworden. Ihr Grab auf dem Trierer Hauptfriedhof
drohte aufgelassen zu werden, blieb jedoch durch Privatinitiative
erhalten.
Werke: siehe DLL 3XI (1988) 1047 sowie Gesamtverzeichnis
des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1911-1965, Bd. 99, München-New
York-London-Paris 1979, 33-34.
Lit.: Karl August Kutzbach, Autorenlexikon der Gegenwart,
Bonn 1950, 285; - Ignaz Keßler, Lauschen auf den Schritt der Gnade.
Versuch einer Deutung der Dichtungen Änne Perls, in: Trierisches Jahrbuch
9 (1958) 163-164; - Trost aus stillen Worten. Änne Perl 65 Jahre
alt. Ein Versuch zu werten und Dank zu sagen, in: Paulinus. Trierer
Bistumsblatt 88 (1962) Ausgabe Nr. 34 vom 26.8.1962, 15 (Foto); -
Philipp Spoo, Ein Hinweis auf die Bücher von Änne Perl, in: Neues
Trierisches Jahrbuch 3 (1963) 143-145; - Ihr Trost wirkt weiter.
Zum Tode der Trierer Dichterin Änne Perl, in: Trierische Landeszeitung
96 (1970) Ausgabe Nr. 256 vom 4.11.1970, 4; - Zum Heimgang von
Änne Perl, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 96 (1970) Ausgabe Nr.
46 vom 15.11.1970, 15; - Kürschners Deutscher Literatur-Kalender.
Nekrolog 1936-1970, Berlin-New York 1973, 504; - Martin Persch,
Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975. Ein Beitrag zur
Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer theologische Studien
Bd. 44), Trier 1987, 342; - DLL 2III 2013 (irrig); -
DLL 3XI 1047; - (Frdl. Auskünfte der Damen Hedwig Hemmerling
und Annemarie Zander, Trier.