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Band VII. (1994) Spalten 196-198 Autor: Martin Persch

PERL, Anna Josephine (Dichtername: Änne; Pseudonym: Sölvy), katholische Schriftstellerin, * 31.8. 1897 in Köln als Tochter des Militärkantinenpächters Johann P. (17.9. 1862-12.5. 1905) und dessen Ehefrau Susanne geb. Gutmann (6.7. 1868-11.8. 1961) + 3.11. 1970 in Trier. - Infolge der beruflichen Versetzung des Vaters lebte P. seit 1901 in Trier, eine Stadt, die sie nie mehr losließ: »Wenn die Landschaft den Menschen ihr Gepräge gibt, so hat mich meine moselländische Heimat geformt, die uralte Römerstadt Trier mit ihrem antiken und christlichen Erbe, mit ihrer in Jahrtausenden gewachsenen Kultur und der ganz eigenen Atmosphäre, der sich die Wenigsten, auch wenn sie nur kurz in dieser Stadt leben, entziehen können. Hier bin ich groß geworden, hier möchte ich alt werden und sterben und mit dem Apostel Matthias auferstehen«. P. war die jüngste von drei Schwestern, besuchte die Ursulinenschule in Trier bis zur mittleren Reife, sodann ab 1912 für eineinhalb Jahre die Handelsschule und arbeitet von 1914 bis 1945 unter drei Regierungspräsidenten als Regierungssekretärin (Chefsekretärin) in Trier. Im ersten Weltkrieg verlor sie ihren Verlobten, Leutnant Hans van Kampen, durch Kriegseinwirkung, ein Erlebnis, das P. stark beeinflußte und das sie in literarischer Form zu verarbeiten suchte. Nach dem zweiten Weltkrieg war sie im erlernten Beruf nicht mehr tätig, sondern arbeitete als freie Schriftstellerin, u.a. als eifrige Mitarbeiterin am Trierer Bistumsblatt »Paulinus«. Nach einem Herzinfarkt begab sie sich nach Bad Nauheim in Kur, erlitt dort einen weiteren Infarkt, kehrte nach Trier zurück und starb hier nach einem dritten Infarkt. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Trierer Hauptfriedhof. Zeugen berichten, daß sie sehr fromm, aber nicht frömmlerisch gewesen sei, viel und gern gesungen und Theater spielte, daß sie aber nach außen keine führende Rolle gespielt habe und gesellschaftlich nicht hervorgetreten sei. 1938 erschien ihr erstes Buch: »Der feurige Wagen«. Ihm folgte 1940 »Der singende Pfeil«, ein Buch in Briefen, das auch als Feldpostausgabe gedruckt wurde. »Die eherne Treue« erschien noch mitten im zweiten Weltkrieg. Danach folgten Bücher wie »Der Silberbogen«, »Der Zauberspiegel«, »Kleinod des Herzens«, »Tessiner Tagebuch«, »Gefährten der Seele«, »Pilgerin auf endlosen Straßen« und »Kosmetik der Seele«. Alle Bücher P.s stehen unter der Idee bewußter Lebensgestaltung aus den Quellen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Sie wenden sich den Menschen zu und holen ihn in seinen Krankheiten und Leiden ab. Trost und Zuspruch erfolgen aber nicht bloß durch den Hinweis auf das christliche Dulden der Menschen, vielmehr weist P. auf deren eigene Mündigkeit hin. P. hat, wie es die Kritik nannte, »stille Bücher« geschrieben. Sie konnte sich intensiv in andere Menschen hineinversetzen. Ihre Sprache ist einfach, gerade, zuchtvoll und wahrhaftig. Es wundert nicht, daß sie eine der vier Experten war, die die Liedtexte des für Deutschland vorbildlichen Trierer Diözesangesangbuches von 1955 kritisch begutachteten. Im vergangenen Jahrzehnt ist es um das Werk P.s allerdings still geworden. Ihr Grab auf dem Trierer Hauptfriedhof drohte aufgelassen zu werden, blieb jedoch durch Privatinitiative erhalten.

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Werke: siehe DLL 3XI (1988) 1047 sowie Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1911-1965, Bd. 99, München-New York-London-Paris 1979, 33-34.

Lit.: Karl August Kutzbach, Autorenlexikon der Gegenwart, Bonn 1950, 285; - Ignaz Keßler, Lauschen auf den Schritt der Gnade. Versuch einer Deutung der Dichtungen Änne Perls, in: Trierisches Jahrbuch 9 (1958) 163-164; - Trost aus stillen Worten. Änne Perl 65 Jahre alt. Ein Versuch zu werten und Dank zu sagen, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 88 (1962) Ausgabe Nr. 34 vom 26.8.1962, 15 (Foto); - Philipp Spoo, Ein Hinweis auf die Bücher von Änne Perl, in: Neues Trierisches Jahrbuch 3 (1963) 143-145; - Ihr Trost wirkt weiter. Zum Tode der Trierer Dichterin Änne Perl, in: Trierische Landeszeitung 96 (1970) Ausgabe Nr. 256 vom 4.11.1970, 4; - Zum Heimgang von Änne Perl, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 96 (1970) Ausgabe Nr. 46 vom 15.11.1970, 15; - Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Nekrolog 1936-1970, Berlin-New York 1973, 504; - Martin Persch, Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer theologische Studien Bd. 44), Trier 1987, 342; - DLL 2III 2013 (irrig); - DLL 3XI 1047; - (Frdl. Auskünfte der Damen Hedwig Hemmerling und Annemarie Zander, Trier.

Martin Persch

Letzte Änderung: 15.11.2011