PERLER, Othmar: Prälat, kath. Patrologe und christl. Archäologe, * 5.6. 1900 in Wünnewil/Kanton Fribourg-Schweiz, † 14.12. 1994 in Tafers/Kanton Fribourg. - Sohn des Bauunternehmers Josef Perler und seiner Frau Elisabeth geb. Fasel. Nach der Primarschule kam er ans Gymnasium der Benediktiner zu Engelberg, wo er auch seine Reifeprüfung ablegte. Dann nahm er seine theologischen Studien auf, zunächst am Priesterseminar der Diözese Fribourg-Lausanne-Genf, sodann an der theol. Fakultät der Universität von Fribourg, 1925 zum Priester geweiht. 1927 kam er als Professor für Exegese an das Priesterseminar von Fribourg. 1930 wurde er zum Dr. der Theologie in Fribourg promoviert. 1929 nahm er ein Zweitstudium auf, nämlich das der Christlichen Archäologie am Pontificio Istituto di archeologia cristiana in Rom, wo er 1932 ebenfalls promovierte. 1938 wurde P. Nachfolger von Johann Peter Kirsch an der theol. Fakultät der Universität Fribourg. Er erhielt somit den Lehrstuhl für Patristik und Christliche Archäologie. 1971 wurde er an derselben Fakultät emeritiert. P. war zwar zu allererst Patrologe und christlicher Archäologe. Die Gestalten des Augustinus, des Cyprian von Karthago, des Ignatius von Antiochien wie des Meliton von Sardes beschäftigten ihn in ganz besonderer Weise. Im Bereiche der Christlichen Archäologie ragt besonders seine 1952 gehaltene Rektoratsrede hervor mit dem Thema: Die Mosaiken der Juliergruft unter St. Peter in Rom. Trotzdem fand er aber auch Zeit für das Universitätsleben in Fribourg. Er war Dekan der theol. Fakultät in den Jahren 1938-1939, 1952-1954 war er Rektor, 1954-1956 Vizerektor. Bedeutsam war unter seinem Rektorat die Gründung des Freiburger Universitätsverlages. Bedeutsam schließlich war auch sein lokalgeschichtliches Interesse. Immer wieder beschäftigte er sich in Vorträgen und Artikeln mit der schweizerischen und kantonalen Archäologie und Kunstgeschichte, mit der Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte. Schließlich war er Begründer der Reihe »Paradosis« mit ihren Beiträgen zur Geschichte der altchristlichen Literatur und Theologie. Von seiner Grundeinstellung her war P. ein zutiefst kirchentreuer Priester und Gelehrter. Zugleich betrieb er durchaus auch kirchenkritische Forschung, alles aber im Dienste und für die Kirche, nie gegen sie. Bis in sein hohes Alter wirkte er begeisternd für alle, die mit ihm zu tun hatten, als Mensch, als Wissenschaftler, als Priester, als Organisator vor allem auf dem Boden der Universität.
Werke (in Auswahl): Der Nous bei Plotin und das Verbum bei Augustinus als vorbildliche Ursache der Welt. Vergleichende Untersuchung (Studia Friburgensia), Freiburg (Schweiz), Paderborn 1931, Weisheit und Liebe nach Texten aus den Werken des hl. Augustinus, Olten/Freiburg i. Br. 1952; Les voyages de saint Augustin, Paris: Etudes Augustiniennes, 1969 (en Collaboration avec J.-L. Maier); Die Mosaiken der Juliergruft im Vatikan (Freiburger Universitätsreden, NF Nr. 16), Freiburg in der Schweiz 1953; O. P. Sapientia et Caritas. Gesammelte Aufsätze zum 90. Geburtstag, hrsg. v. Dirk van Damme u. a. (Paradosis, 29), Fribourg 1990; Bibliographie der Werke von O. P.: Fl. G. Nuvolone, in: O. P. Sapientia et Caritas. Gesammelte Aufsätze zum 90. Geburtstag, hrsg. v. Dirk van Damme u. a. (Paradosis, 29), Fribourg 1990, 561-574.
Lit.: O. P. Träger des Deutschfreiburger Kulturpreises 1973 (Schriften der Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft, 7), Freiburg/Schweiz, 1973; - Gr. Wurst: Othmar Perler (1900-1994) -Patristik im Spannungsfeld von Tradition und historischer Wissenschaft in: Br. Bürki-St. Leimgruber: Theologische Profile - Schweizer Theologen und Theologinnen im 19. und 20. Jahrhundert, Freiburg/Schweiz 1998, 184-196.