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Band VII. (1994) Spalten 198-199 Autor: Norbert M. Borengässer

PERMEIER, Johann, * 19.12. 1597, + um 1640, Begründer und Hauptfigur des »Regnum Christi« (RC). - Geboren wohl in Wien, dort als angesehener Jurist tätig, als Hauptprotektor des RC aber zunehmend auf Reisen in weiten Teilen des Reiches, pflegte daneben auch zahlreiche briefliche Kontakte, u.a. bis nach England. - Die Mitglieder des Geheimbundes RC wollten »in letzter Stunde« jenseits aller Konfessionsgrenzen ein persönliches, biblisch fundiertes Herzenschristentum errichten: Da sie die Existenz von Konfessionen als Ursache für den als unbiblisch verworfenen Krieg ausmachten, konnte nur die Sammlung einer überkonfessionellen Gemeinde, d.h. die Vereinigung der Konfessionen zu einer »wahren Religion«, die P. »Christisch« oder »Evangel-Catholisch« nennen möchte, zur Versöhnung führen und ein allg. Konzil oder ein ordentlicher Reichstag den Krieg beenden. Trotz grundsätzlich evangelischer Ausrichtung glaubten sie, daß dieses Ziel am ehesten durch den kath. Kaiser zu realisieren sei, in dem sie das nach göttlicher Vorsehung weltliche und geistliche Oberhaupt und den Garanten für dauerhaften Frieden und religiöse Duldung sahen. Kennzeichen des RC, das nicht von, aber auf dieser Welt sein wird, sind nach P.: Wunderzeichen, Wahrglaube jedes einzelnen, Unterwerfung unter das »König-Priesterliche Generalregiment« (= Kaiser), ungestörte ewige Seligkeit. P. trat ferner als Verfasser und Verleger religiöser Traktate hervor; zur Verbreitung geeignet galten dem RC auch vor allem die Schriften J. Arndts (s.d.) und die Arbeiten L.F. Gifftheils (s.d.), dessen politischen Standpunkt (Ablehnung des papistischen Kaisertums) P. jedoch nicht teilte. - Die Vorstellung des RC einer endzeitlichen, theokratisch verfaßten Gesellschaft scheiterte wie viele andere ideale Konstruktionen an der Realität. P. selbst wurde z.B. in Berlin wegen seiner Kaisertreue der Spionage für Wien verdächtigt, von Wien aufgrund seiner Kontakte möglicherweise tatsächlich für Spionagezwecke mißbraucht. - RC und P. sind m. W. bislang nicht Gegenstand einer eigenständigen Untersuchung gewesen.

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Quellen: Die Akten des RC (Briefwechsel und Schriften P.s sowie anderer Mitglieder und Freunde) sind teils handschriftlich teils gedruckt in 2 Bdn. gesammelt und nach wie vor im Archiv der Franckeschen Stiftungen, Halle, zugänglich (Signatur: AFST/H B 17a u. b).

Lit.: Gottfried Arnold, Unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie IV, 1700, 775; - Jöcher-Adelung V, 1916; - Ernst Eylenstein, L.F. Gifftheil. Zum mystischen Separatismus des 17. Jh. in Dtld., in: ZKG 41 (1922) 1-62; - ders., D. Friedrich (+ 1610). Ein Beitrag zum mystischen Separatismus am Ende des 16. Jh. in Dtld., 1930, bes. 16-21.58-63; - Friedrich Wilhelm Kantzenbach, Orthodoxie und Pietismus, 1966; - Johannes Wallmann, Pietismus und Orthodoxie, in: Geist und Geschichte der Reformation, Festgabe H. Rückert = Arbeiten zur KG 38, 1966, 418-442; - ders., Der Pietismus = Die Kirche in ihrer Geschichte Bd. 4 O 1, 1990, bes. 102 (Lit.); - Hans-Walter Krumwiede, Geschichte des Christentums III, Neuzeit: 17.-20. Jh. = Theol. Wissenschaft 8, 1977, 56-71 (Lit.); - Martin Schmidt, Art. Arndt, Johannes, in: TRE 4 (1979) 121-129 (Lit.); - ders., Art. Arnold, Gottfried, in: ebd. 136-140 (Lit.); - Eberhard H. Pältz, Art. Böhme, Jakob, in: ebd. 6 (1980) 748-754 (Lit.); - Martin Greschat (Hrsg.), Orthodoxie und Pietismus = Gestalten der KG 7, 1982 (Lit.); - Martin Brecht (Hrsg.), Geschichte des Pietismus 1: Der Pietismus vom 17. bis zum frühen 18. Jh., 1993 (Lit.); - RGG2 IV, 1070 f.; - RGG3 V, 224 f.

Norbert M. Borengässer