PERNIS(CH), Jakob, ref. Theologe, * 1717 in S-chanf/Oberngadin, + 17. Oktober 1807. - Jakob Pernis(ch) stammte aus dem Engadiner Dorf Schanf. Von 1736-1739 studierte er Theologie in Basel. Am 26. Juni1739 wurde er in Zernez in die evangelisch-rätische Synode aufgenommen. Bereits seit 1737 war er als Pfarrer in der reformierten Gemeinde Vicosoprani im Bergell tätig gewesen. Seit 1771 fungierte er auch als Vizedekan des Gotteshausbundes. Im Jahre 1772 wurde er als Pfarrer in die reformierte Gemeinde Samedan im Oberengadin berufen, wo er bis zum Jahre 1800 amtierte. 1781 wurde er Praeses des Colloquiums Oberengadin. - Das gesamte theologische Denken Pernis(ch) bestand in der Bekämpfung der Herrnhuter, die in Teilen der Bündner Geistlichkeit und unter den Laien einen großen Anhang hatten. In der evangelisch-rätischen Synode gehörte er stets zu den unerbittlichsten Streitern gegen die Herrnhuter. Mit seinen Anhängern sprengte er im Jahre 1778 die Synode in Sent, da sie nach seiner Meinung zu freundlich gegenüber den Herrnhutern war. Über viele Jahre lebte er mit der evangelisch-rätischen Synode und mit einem Großteil seiner Kollegen wegen seiner eigenwilligen Vorgehensweisen im Streit. Mehrfach mißbrauchte er seine Amtsbefugnisse zu Propagandazwecken gegen die Herrnhuter. Jahrelang stritt er sich auch mit der Synode wegen einer Trauung, die er vorgenommen hatte, obwohl er wußte, daß sie ungesetzlich war. Die von ihm erschienen Schriften dienten ebenfalls fast allein der Bekämpfung der Herrnhuter.
Werke: Esposizione della differenza infra del falso Salvador de'Zinzendorfiani, e di Gesu Christo... alla sepoltura del Signor Pietro Planta...il 5.3.1773, o. O: u. J.; Confutazione della famosa lettera che ha per titolo: Epistola ad Jacibum Pernisium, fatta da Giacomo Pernice di Samedano, Chur 1776; Note di Jacopo Pernice sopra un libello famoso che ha per autori Giovanni Caprez ed Antonio Zanuc col ministro Jacopo Valentin..., o. O. 1778; Risposta all' autenticazione dell' Epistola in diffesa dell Zinzendorfianissimo nella Retia. Data da Giacomo Pernice, Chur 1777.
Lit.: Hans Jakob Holzhalb, Supplement zu d. allgemeinen helvetisch-eidgenössischen oder schweizerischen Lexicon, so v. weiland Herrn Hans Jakob Leu behandelt worden, Bd. II, Zürich u. Zug 1788, 345; - Paul Wernle, D. schweizerische Protestantismus im XVIII. Jahrh., Bd. III, Tübingen 1925; - Jakob Rudolf Truog, D. Pfarrer d. evang. Gemeinden in Graubünden u. seinen ehemaligen Untertanenlanden, in: Jahresberichte d. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 64 u. 65, 1934 u. 1935; - Ders., D. Pfarrer d. evang. Gemeinden in Ggraubünden u. seinen ehemaligen Untertanenlanden (Ergänzungen u. Berichtigungen), in: Jahresber. d. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 75, 1945, 113-147; - Conradin Bonorand, D. Entwicklung d. ref. Bildungswesens in Graubünden z. Zeit d. Reformation u. Gegenreformation, Diss. Zürich, Thusis 1949; - Ders., Bündner Studierende an höhern Schulen d. Schweiz u. d. Auslandes im Zeitalter d. Reformation u. Gegenreformation, in: Jahresber. D. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 79, 1949, 89-174; - Holger Finze-Michaelsen, D. Herrnhuter in Graubünden-Streit um d. kirchliche Erneuerung im 18. Jahrh., in: Bündner Monatsblatt 1993, 239-273; - Jöcher-Adelung V, 1920; - HLBLS V, 392.
Erich Wenneker
Letzte Änderung: 15.11.2011