PERNIS(CH), Peter Paul, * 1724 in S-chanf/ Graubünden † 1797, reformierter Pfarrer und geheimer Seelsorger der Reformierten in Triest. - Peter Paul Pernisch wurde 1724 in dem Oberengadischer Dorf S-chanf geboren. Über seine Ausbildung ist nur bekannt, daß er 1746 und 1747 an der reformierten Akademie in Genf studierte. Am 16. Juni 1747 wurde er in Valendas in der Surselva in die evangelisch-rätische Synode aufgenommen und erfüllte damit die Voraussetzung für die Ausübung eines reformierten Pfarramtes im Freistaat der III Bünde. Noch im gleichen Jahr trat er sein erstes Pfarramt in der Gemeinde Hinterrhein an, wo er bis 1749 blieb. Danach war er bis zum Jahre 1780 Pfarrer in verschiedenen kleineren Dörfern in Graubünden. Im in diesen Jahren in der evangelisch-rätischen Kirche herrschenden sogenannten Herrnhuterstreit scheint er auf der Seite der Herrnhuterfreunde gestanden zu haben, ohne daß er sich dieser Gruppe völlig anschloß. 1780 wurde er Pfarrer der Gemeinde Peist im Schanfigg, doch dieses Pfarramt verlor er bereits im folgenden Jahr, weil er von der evangelisch-rätischen Synode ausgeschlossen wurde. Im Peister Kirchenbuch findet sich dazu der Eintrag, er sei nach Nordamerika ausgewandert. Doch diese Angabe ist eindeutig falsch. Nach im gleichen Jahr tritt er in Triest als Seelsorger der dortigen reformierten Schweizer auf. Es waren vor allem Bündner, die dort als Händler oder Zuckerbäcker tätig waren und deren Geistlicher Pernisch zu dieser Zeit war. Sein Aufenthalt und seine Tätigkeit mußten im Geheimen stattfinden, und seine seelsorgerlichen Tätigkeit stand immer in der Gefahr, entdeckt und bestraft zu werden. Doch gerade 1781 änderten sich die Zeiten, und mit dem Toleranzedikt des österreichischen Kaisers vom 13. Oktober gab es für Evangelische die Möglichkeit, sich in Gemeinden zu versammeln. Am 7. Januar 1782 wurde die reformierte Gemeinde gegründet, die fast ausschließlich aus Bündnern bestand.In der ersten aufgezeichneten Gemeindeliste erscheint Pernischs Name nicht. Es ist überhaupt fraglich, ob er sich noch längere Zeit in Triest aufgehalten hat, denn in dieser Zeit läßt er sich auch nicht mehr als Seelsorger der Gemeinde nachweisen. Als am 21. Mai 1782 der Gemeinde erlaubt wurde, einen Schweizer als Seelsorger zu wählen, wird in diesem Zusammenhang Pernischs Name ebenfalls nicht mehr genannt. Im November wird der Bündner Bartholomäus Grass, der vorher Lehrer an der städischen Lateinschule und am Collegium philosophicum in Chur war, als Pfarrer der Gemeinde gewählt und eingeführt. Von Pernisch fehlen seit dieser Zeit die Spuren. Über sein weiteres Leben ist nur noch bekannt, daß er im Jahre 1797 verstorben sein soll, doch bereits sein Sterbeort ist unbekannt.
Lit.: A. Venetianer, D. Ev.-Ref. Kirche Cristo Salvatore (vormals S. Silvestro) zu Triest. Beitrag z. Geschichte d. Evangeliums in Triest, Triest u. Leipzig 1887; - Jakob Rudolf Truog, D. Bündner Prädikanten 1555-1901 nach den Matrikelbüchern der Synode, in: Jahresberichte d. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 31, 1901, 1-58; - Ders., D. Pfarrer d. evang. Gemeinden in Graubünden u. seinen ehemaligen Untertanenlanden, in: Jahresberichte d. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 64 u. 65, 1934 u. 1935; - Ders., Aus d. Geschichte d. ev.-rätischen Synode 1537-1937, Chur 1937; - Beat Fischer, Langwieser KG, Chur 1988; - Albert Frigg, D. ev. Talschaftskirche zu St. Peter im Schanfigg, St. Peter 1989; - Herbert Patzelt, Ev. Leben am Golf von Triest. Geschichte d. ev. Gemeinde in Triest mit Abbazia, Görz, Fiume u. Pola, München 1999; - HBLS V, 329.