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Band VII (1994)Spalten 330-331 Autor: Björn Heymer

PETRUS von Amiens (Petrus der Eremit), Einsiedler, Kreuzzugsprediger und Klostergründer, * um 1050 in der Diözese Amiens in Nordostfrankreich, † 8.7. 1115 in Neufmoutier bei Huy (Diözese Lüttich). - P. lebte zunächst als Einsiedler in der Umgebung seines Geburtsortes. Um 1090 unternahm er eine Pilgerreise ins Heilige Land mit ungewissem Ausgang. Ab dem Winter 1095 wurde er zum populären Propagandisten der Kreuzzugsidee in Nordfrankreich und in den Städten am Niederrhein und einer der Führer des sogenannten Bauernkreuzzuges; 50 - 70·000 Bauern und Bürger zogen entlang von Rhein und Donau nach Süden, wobei es zu pogromartigen Plünderungen (in Köln, Mainz, Worms, Speyer, Prag) und Erpressen von Schutzgeldern (Trier) bei jüdischen Gemeinden kam. Nach starken Verlusten in Ungarn erreichten 2 der 5 - 6 Heerhaufen im Sommer 1096 Konstantinopel, wurden aber kurz darauf bei Nicara vernichtend geschlagen. P. überlebte, schloß sich dem Kreuzzugsheer von 1097 an und erlebte die Eroberung Jerusalems 1099 mit. Anschließend kehrte er nach Frankreich zurück und wurde Mitbegründer und Prior des Augustinerklosters Neufmoutier. - Neben Papst Urban II. ist P. der einzige Kreuzzugsprediger seiner Zeit in Frankreich, von dem wir wissen. Als charismatischer Visionär und Prediger wandelte er die weithin vorhandene Disposition zu einem Pilgerzug, gekennzeichnet durch die Stichworte: Wallfahrtsgedanke, Autorität des Papstes, Konzept des Kreuzzugsablasses, Idee vom gerechten Krieg und massive eschatologische Jerusalemsehnsucht, in den Entschluß zur Tat um. Zu den oben genannten Plünderungen hat er wohl nicht aufgerufen, war aber an den Verhandlungen in Trier beteiligt. Trotz der katastrophalen Niederlage des Jahres 1096 und eines Fluchtversuches aus dem belagerten Antiochien blieb P. ein angesehener Prediger und kehrte unbeschadet in seine Heimat zurück. In der Legende wurde P. zum eigentlichen Auslöser des ersten Kreuzzuges, da er ein Hilfsgesuch des Patriarchen von Jerusalem nach Rom gebracht habe.

Lit.: Bibliogr., in: Hans Eberhard Mayer, Bibliographie zur Geschichte der Kreuzzüge, 1960; - Albert v. Aachen, Historia Hierosolymitana, MPL 166; dt. von H. Hefele, Geschichte des ersten Kreuzzuges, 1923; - Heinrich Hagenmeyer, P. der Eremite. Ein kritischer Beitrag zur Geschichte des ersten Kreuzzuges, 1879; - Bernhard Kugler, P. der Eremite und Albert von Aachen, HZ 44, 1880; - Theodore Wolff, Die Bauernkreuzzüge des Jahres 1096. Ein Beitrag zur Geschichte des ersten Kreuzzuges, 1892; - Frederic Duncalf, The peasants crusade, AHR 26, 1921; - S. Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, I, 1957; - Marshall B. Baldwin ed., A history of the crusades, I, 1969; - A. Dimier, La croisade des Pastoureaux, 1972; - Robert Chazan, The Hebrew first crusade chronicles, REJ 133, 1974; - Ders., European Jewry and the first crusade, 1987; - Brigitte Stemberger, Zu den Judenverfolgungen in Deutschland zur Zeit der ersten beiden Kreuzzüge, Kairos NS 20, 1978; - Jonathan S. Riley-Smith, The first crusade and the persecution of the Jews, in: W. J. Shields (ed.), Persecution and toleration, 1984; - Ernest O. Blake, Colin Morris, A hermit goes to war. P. and the origin of the first crusade, Studies in Church History 22, 1985; - M.D. Coupe, P. the Hermit. A re-assessment, Nottingam Medieval Studies 31, 1987; - LThK VIII, 333; - Handbuch der europäischen Geschichte II, 174-198.

Björn Heymer

Letzte Änderung: 08.02.1999