PEUNTNER, Thomas, Prediger und Erbauungsschriftsteller der »Wiener
Schule«, * vermutlich um 1390 in Guntramsdorf bei Wien, † höchstwahrscheinlich
am 20.3. 1439 in Wien, begraben im Stephansdom. - T.P. studierte
in Wien an der Universität oder/und »privat« bei seinem Lehrer (s. d.) Nikolaus
von Dinkelsbühl, wurde 1426 Pfarrer und Prediger am Wiener Hof Hg.
Albrechts V. von Österreich (1411-1439, röm.-dt. Kg. 1438-39) und
bald darauf Beichtvater der Herzogin Elisabeth (Tochter König Sigismunds),
schließlich 1436 auch in das auf 24 hochrangige Mitglieder beschränkte
Kollegialskapitel zu St. Stephan aufgenommen. 1437 predigte er nachweislich
auch im Wiener Augustiner-Chorfrauenstift »Zur Himmelspforte«. -
T.P. gehörte zu den einflußreichsten geistlichen Persönlichkeiten
des damaligen Wien. Als Autor der »Wiener Schule« suchte er die Lehren
der scholastischen Theologie durch die Seelsorge in die Lebenspraxis
wirken zu lassen, die lat. Schriften auf deutsch und in vereinfachter,
erbaulicher Form auch Lateinunkundigen zugänglich zu machen. Inhaltlich
ist er den Werken seines Lehrers stark, oft bis in den Wortlaut hinein
verpflichtet. Als Seelsorger lag ihm am meisten daran, statt Werkfrömmigkeit
und Furcht vor der Hölle die Gottesliebe als oberstes Ziel zu verkünden.
Durch die Melker Reform ist insbesondere P.s »Büchlein von der Liebhabung
Gottes« weit verbreitet worden (70 Hss. u. neun Frühdrucke).
Werke: Lat. Predigten (gedruckt nur Proben bei Schnell,
s.u., 384-392); Büchlein von der Liebhabung Gottes (Ausg. v. Schnell,
282-348); Liebhabung Gottes an Feiertagen (masch. Ausg. v. V. Kilgus,
Salzburg 1975); Kunst des heilsamen Sterbens (Ausg. v. R. Rudolf,
s.u.); Betrachtungen über das Vaterunser und über das Ave-Maria (Ausg.
v. R. Rudolf, s.u.); Beichtbüchlein (ungedruckt); Christenlehre (gedruckt
nur Proben bei S. Werbow, Martin von Amberg, Der Gewissensspiegel,
1958, 103-108).
Lit.: Hermann Maschek, Der Verfasser des Büchleins von
der Liebhabung Gottes. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 53, 1936,
361-368; - Hedwig Rumpler, T.P. u. sein Büchlein von der Liebhabung
Gottes (Diss. masch. Wien), 1950; - Rainer Rudolf, T.P.s Betrachtungen
über das Vater Unser und das Ave Maria, nach österr. Hss. hrsg. u. untersucht,
1953; - ders., T.P.s Kunst des heilsamen Sterbens, nach den Hss.
der Österr. Nationalbibliothek untersucht und hrsg., 1956; - ders.,
T.P. Leben und Werk eines Wiener Burgpfarrers. In: Literaturwissenschaftliches
Jahrbuch NF 4, 1963, 1-19; - Bernhard Schnell, T.P., Büchlein
von der Liebhabung Gottes, Edition und Untersuchungen (Münchener Texte
und Untersuchungen 81), 1984; - LThK VIII, 390 f.; - Dict.
spir. XII, 1, 1229 f.; - Verf. Lex. VII, 537-544.
Fritz Peter Knapp
Werkeergänzung:
2009
Büchlein von der Liebhabung Gottes. Übers., eingeführt u. komm. von Sebastian Speich. Remscheid 2009.
Letzte Änderung: 15.11.2011