PFEIL, Christian (Christoph) Karl Ludwig von, Reichsfreiherr, ev.
Jurist, Diplomat und religiöser Liederdichter, * 20.1. 1712 in Grünstadt/Pfalz
als Sohn des württembergischen Oberhofgerichtsassessors Quirin Heinrich
von Pf. († 1722). Heirat 12.10. 1734. † 14.2. 1784 in Unterdeuffstetten
bei Crailsheim. - Aus altem schlesischem Geschlecht stammend studierte
Pf. von 1728 an in Halle, wo er durch August Hermann Francke beeinflußt
wurde, und in Tübingen Rechtswissenschaft. Unter dem Einfluß seiner
in Stuttgart lebenden Schwester erlebte er seine Bekehrung. In Württemberg
(1737-1763) und in Preußen (ab 1763) erlebte er eine glänzende Karriere
als Staats- und Verwaltungsmann. P. war ein überaus fruchtbarer religiöser
Liederdichter. Er ließ 940 Lieder drucken. Außerdem verfaßte er eine
gereimte Übersetzung mehrerer Bibelteile. Als Johann Albrecht Bengel
1740 seine »Erklärte Offenbarung Johannis« veröffentlichte, ließ Pf.
1741 seine Gedichte über dieses Buch unter dem Titel »Apokalyptische
Lieder von der offenbarten Herrlichkeit und Zukunft des Herrn für
die, welche die Probst-Bengelsche Erklärung und Reden über dieselbige
zu lesen pflegen« folgen (weitere Auflagen: 1743 u. 1753). Hier findet
sich das einzige im EKG (Nr. 275) enthaltene Lied »Betgemeinde, heilge
dich« zu Offenbarung 8, 3-5 unter der Überschrift: »Von den mitwirkenden
Gebeten der Heiligen unter den göttlichen Gerichten«. 1747 erschien
Pf.s »Evangelischer Liedpsalter« mit einer Vorrede von Bengel. 1782
gab auf Pf.s Wunsch Johann Georg Schelhorn eine Auswahl der Lieder
Pf.s als »Memminger Gesangbuch« heraus. 1783 erschien (als »Dinkelsbühler
Gesangbuch«) »Des Reichsfreiherrn von Pfeil evangelische Glaubens-
und Herzensgesänge, hrsg. von einer Gesellschaft christlicher Freunde«.
In Albert Knapps »Evgl. Liederschatz« von 18653 finden sich
immerhin noch 22 Lieder des Mannes, der in der Literatur als»Vielschreiber«
gilt.