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Band VII (1994)Spalten 428-430 Autor: Otto Weiß

PFLEGER, Karl, * 6. Oktober 1883 in Dachstein (Elsaß), † 7. April 1975 in Behlenheim (Elsaß). - Pfl. war der jüngste von drei hochbegabten Brüdern. Der älteste Luzian (1876-1944) wurde ein hervorragender Kirchenhistoriker, der zweite Alfred (1879-1957) wurde Fachmann für Elsässer Volkskunde und Literatur. Karl Pfl. absolvierte Volksschule und Gymnasium in Kaltenhausen, Biblisheim und Hagenau. 1902 trat er in das Priesterseminar in Straßburg ein. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1908 wurde er Vikar in Brumath, wo er einen Kreis junger Christen unter dem Namen »Unitas« ins Leben rief, und in Straßburg. Von 1919 bis 1937 war er Pfarrer in Bilwisheim, einem Dorf von weniger als 200 Einwohnern, von 1937 bis 1952 in Behlenheim, einem Ort von etwa 130 Einwohnern. Dort blieb er auch nach seinem Ruhestand und betreute bis zu seinem Tod die zu Behlenheim gehörige Gemeinde Wiwersheim. So verlief sein Leben ruhig und bescheiden, auch wenn ihm in späten Jahren zahlreiche Auszeichnungen zuteil wurden, darunter die Titel »Kanonikus, Prälat, Dr. theol.«, sowie der »Oberrheinische Kulturpreis«. Beides, die bescheidene kirchliche Karriere wie die späten Ehrungen, waren die Folge seines literarischen Engagements, das ihn nötigte, auf größere Pfarrstellen zu verzichten. Dieses Engagement freilich war von großer Fruchtbarkeit, Pfleger, der einen hervorragenden Stil schrieb, war einer der großen deutschen Essayisten des 20. Jahrhunderts. Zudem öffnete er durch seine Werke den Katholiken den Zugang zur modernen Literatur. Er selbst wurde als »ästethischer Modernist« bezeichnet. In Frankreich und Deutschland in gleicher Weise zuhause wurde er zum Brückenbauer zwischen beiden Kulturen. Seine Stärke lag in der psychologischen Einfühlung »in den wilden, gefährlichen, dunklen Urwald der menschlichen Existenz«. Pfl. war ein Kenner der Weltliteratur und der Philosophiegeschichte, bes. von Schelling, Schopenhauer und Nietzsche. In späteren Jahren wurde er zu einem der großen Verbreiter der Gedanken von Teilhard de Chardin, dessen Geschichtstheologie seinen eigenen Konzeptionen von Gott, Mensch und Welt in der Geschichte nahekommt. Von 1907 bis 1975 war Pfl. eifriger Mitarbeiter der Zeitschrift »Der Elsäßer« (später »Le Nouvel Alsacien«); die in München seit 1919 erscheinende »Seele«, die sein Freund Alois Wurm herausgab, belieferte er mit Artikeln, bis die Zeitschrift 1962 ihr Erscheinen einstellte; er war bis zu seinem Tode der »fruchtbarste« Mitarbeiter des »Christlichen Sonntag« (später »Christ in der Gegenwart«). Sein Name als Verfasser findet sich in zahlreichen weiteren kath. Zeitschriften. Mehr freilich noch wirkte Pfl. durch seine Bücher, besonders durch das zuerst 1934 erschienene Werk »Geister, die um Christus ringen«, das sieben Auflagen erlebte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. In ihm hat Pfl. Männer wie Gide und Bloy dem deutschen Leser nahegebracht. Sein vielleicht ureigenstes Werk erschien während des Zweiten Weltkriegs: »Die christozentrische Sehnsucht«. Diese zeigte er auf in Gestalten wie Augustin, Pascal, Luther. Nicht zu vergessen »Kundschafter der Existenztiefe«, das die vielleicht beste Analyse von Reinhold Schneiders »Winter in Wien« enthält. Eine kritische Biographie Pfl.s und die Veröffentlichung seines umfangreichen Briefwechsels ist ein dringendes Desiderat.

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Werke: Im Schatten des Kirchturms. Die stillen Erlebnisse eines Dorfpfarrers, Paderborn 1932 (41952); Geister, die um Christus ringen, Salzburg - Leipzig 1934, (7Heidelberg 1959); Die christozentrische Sehnsucht, Colmar 1945 (Überarbeitete Neuauflage: Die verwegenen Christozentriker, Freiburg 1964); Dialog mit Peter Wust, Heidelberg 1949 (21953); Die reichen Tage, Münster 1951, (31964); Nur das Mysterium tröstet, Frankfurt 1957 (21959); Kundschafter der Existenztiefe, Frankfurt 1959 (21960); Christlicher Aufschwung, Frankfurt 1963 (21965); Glaubensrechenschaft eines alten Mannes, Frankfurt 1967 (21968); Christusfreude. Auf den Wegen Teilhard de Chardins, Frankfurt 1973 (21974); Lebensausklang, Frankfurt 1975.

Lit.: A. Boehm, Ch. Pfleger zum 60. Geburtstag, in: Archives de l'Eglise d'Alsace 1 (1946) 299-310 (vollständige Bibliographie bis 1945 mit 245 Titeln); - W. Kosch, Karl Pfleger, in: Deutsches Literaturlexikon, Bd. 3, Bern 1956, 2043 (Bibliographie); - Th. Kampmann, Gelebter Glaube, Zwölf Porträts, Warendorf/Westf. 1957, 132-140; - Jubiläen, in: Europa etnica 25 (1968) 158 f.; - M. Picard, Briefe an den Freund Karl Pfleger und Michael Picard. Zur geistigen und religiösen Problematik von Max Picard, Erlenbach 1970; - M. Bogdahn, Die Rechtfertigungslehre Luthers im Urteil der neueren katholischen Theologie, in: Kirche und Konfession 17 (1971); - L. Wintz, Lebensausklang ou l'adieu aux lecteurs de Charles Pfleger, in: Le Nouvel Alsacien, 22. Febr. 1975, 6; 23-24 Febr. 1975, 7; K. Färber, Der kosmische Idealist. Zum Tode von Karl Pfleger, in: Christ in der Gegenwart 27 (1975) 123 f.; - E. Fischer, Les adieux a Mgr Charles Pfleger, in: Église en Alsace 1975, n. 5, 7-11; - Die christozentrische Sehnsucht Karl Pflegers, in: Le Nouvel Alsacien, 20-21. April 1975, 7; - Mgr Charles Pfleger zum Gedächtnis, in: Almanach Saint-Odile 52 (1977) 138-140; - V. Hell, Charles Pfleger et Huysmans: modernisme et modernité estehtique en Allemagne, in: Revue des sciences humaines (Lille) 1978, n. 2-3, 264-272; - L. Wintz, Drei offene Briefe an Karl Pfleger, Frankfurt 1978; - O. Weiß, Religion, Staat und Nation während der Weimarer Zeit im Spiegel der Zeitschrift »Seele« von Dr. Alois Wurm, in: Beiträge zur altbayer. Kirchengeschichte 34 (1982) 141-198, hier 149-151, 178 f.; - J. Hurstel, Trois frères, trois savants, in: Le Nouvel Alsacien, 13. Mai 1983, 7; - C. Muller, Pfleger (Charles), in: Dictionaire de Spiritualitè, tome XII, Paris 1984, 1251-1253.

Otto Weiß

Literaturergänzung:

Wilhelm Kunz, Karl Pfleger [zum 90. Geburtstag], in: perspektiven der zukunft 7 (1973), Nr. 6, 4; - Marc Grosstephan, K.P. [Colmar] 2005.

Letzte Änderung: 15.11.2011