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Band XXI (2003)Spalten 1168-1170 Ekkart Sauser

PFLIEGLER, Michael: Univ. Prof. Wien, Pastoraltheologe, * 26.1. 1891 in Guttenbrunn/Niederösterreich, † 11.10. 1972 in Wien. - P. kam aus verarmten, bäuerlichen Verhältnissen. Durch Unterstützung von Pfarrern und einem Weihbischof, Marschall, konnte er schließlich das Abitur machen und studierte ab Herbst 1911 als Alumne des Wiener Priesterseminars an der theol. Fakultät der Universität Wien. Er wollte zunächst unter gar keinen Umständen promovieren. Am 4. Juli 1915 war seine Priesterweihe, in den Jahren 1915-1919 war er Kooperator in Kirchberg am Wechsel. - Ein leidenschaftlicher Artikel zur Arbeiterseelsorge im "Klerus-Korrespondenzblatt" machte viele auf ihn aufmerksam, so auch Ignaz Seipel, der damals Moraltheologe an der Wiener Universität gewesen ist. Dieser vor allem drängte Pf. zur Promotion, die dann am 29. Mai 1922 erfolgte. Inzwischen war Pf. in die Jugend- und Großstadtseelsorge eingestiegen. Er übernahm den "Christlich-deutschen Studentenbund" und gründete die jungkatholische Erneuerungsbewegung "Neuland". - Sehr gut heißt es bei A. Zottl/Werner Schneider: Wege der Pastoraltheologie, Bd: 3: "Dem Vereinskatholizismus, der vielfach auf Bewahrung und Apologetik ausgerichtet war, sprach er die Kraft zur Weltgestaltung ab und setzte auf Bewegung, auf ein naturstarkes und katholisches Leben, genährt aus den Quellen natürlicher und sakramentaler Erneuerung." (S. 77). - Von 1924-1935 war er auch Religionsprofessor. In diese Zeit gehören zahlreiche Veröffentlichungen zur Religionspädagogik. Wiederum bei Zottl/Schneider: "Speziell in der Jugendpastoral und in der Religionspädagogik werden die Folgen der Erstarrung der neuscholastischen Theologie und der Bewahrungspastoral immer deutlicher und verlangten Abhilfe. Pfliegler suchte neue Wege, um den Wissensmaterialismus, dem auch der Religionsunterricht vielfach erlegen war, zu überwinden. " (3. 78). Das Wert-und Erlebnisdenken, aufgrund der Phänomenologie und Wertethik Max Schelers wie die Anpassung des Religionsunterrichtes an die neuen psychologischen Einsichten (E. Spranger, Ch. Bühler) wurden von Pfl. sehr intensiv gefordert. Als er 1924 Kuratbenefiziat an der Peterskirche am Graben in Wien wurde und auch dort wohnte, trat er gleichsam in den Mittelpunkt der Seelsorge um die "unbehausten" Christen ein. Hier konnte sich seine Leidenschaft für die "anderen", die "fern und abseits Stehenden", die "Feinde" (etwa die Sozialisten) entsprechend "austoben." Ab 1925 nahm er in der mit Dr. Rudolf begründeten Zeitschrift "Der Seelsorger" immer mehr zur Seelsorge in der Großstadt Stellung. Das Problem: "Kirche und Arbeiterschaft" gehörte zu seinen Grundfragen überhaupt. Berühmt wurden diesbezüglich auch seine "Adventvorträge 1930". Bald nach der Übernahme des erzbischöflichen Stuhles von Wien durch Prof. Theodor Innitzer habilitierte sich Pfl. für Pastoraltheologie und Katechetik. Die Habilitationsschrift lautete: "Die Theologie der religiösen Bildung" (Innsbruck 1935) und "Der Religionsunterricht" 1938 erschien in Salzburg das bedeutsame Büchlein: "Der rechte Augenblick. Erwägungen zu den entscheidenden Zeiten im Bildungsvorgang". Ab Juli 1938 supplierte er als Dozent die vakante Lehrkanzel für Moraltheologie in Wien. 1946 wurde er Ordinarius für Pastoraltheologie an der Wiener Universität. 1946 erschien auch das Werk: "Die religiöse Situation". - 1952 veröffentlichte er sein wohl persönlichstes Werk: "Die priesterliche Existenz. Versuch einer genetischen Typik". 1961 ließ er sich emeritieren. Knapp darauf erschien sein Handbuch: "Pastoral" (Herder-Wien 1962). 1963 wurde sein Sammelband veröffentlicht "Theologie auf Anruf". Nach seinem Tode wurde er in seiner Bedeutsamkeit sogar mit Johann M. Sailer verglichen, man nannte ihn "Seelsorger einer Zeitenwende" und Josef E. Mayer bemerkt: "Wir erlebten Pfliegler stets als tiefgläubigen Christen. Er stand unbedingt, aber kritisch in der Kirche. Er gehörte mit anderen zu den Propheten der Reform der Kirche in Österreich... Engherzigen und bürokratischen Kirchenmännern war er unbequem, sie hatten Angst vor dem Neuen, das aus ihm sprach und drängte."

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Werke (in Auswahl): Die pädagogische Situation, Innsbruck-Wien 1932; Heilige Bildung, Salzburg 1933; Pastoraltheologie: Wien-Freiburg-Basel 1962; Die priesterliche Existenz, Innsbruck 1952.

Lit.: LThK3 Bd. 8, Sp. 196 (Fr. Schleinzer); - K. Rudolf-L. Lentner: Custos, quid de nocte? Österreichisches Geistesleben seit der Jahrhundertwende, Wien 1961; - F. M. Kapfhammer u. a. (Hrsg.): Seiner Zeit voraus, Graz-Wien-Köln 1973; - A. Zottl-W. Schneider (Hrsg.): Wege der Pastoraltheologie, Eichstätt 1988, Bd. 3, 77-101, 102-131.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 15.11.2011