Verlag Traugott Bautz |
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PHILOSTORGIOS, Verfasser einer Kirchengeschichte mit eunomianischer Tendenz, wurde um 368 wohl in Borissos in Kappadokien geboren. Sein Vater Karterios war Anhänger der Lehre des Eunomius. Seine Mutter hieß Eulampios. Ph. starb nach 433, denn seine Kirchengeschichte kann nicht vor 425 abgefaßt worden sein und lag anscheinend 433 abgeschlossen vor. Seine ersten Lebensjahre wird Ph. an seinem Geburtsort verbracht haben. Aus seiner Jugendzeit datiert die Begegnung mit Eunomius in Dakora. Im Alter von 20 Jahren kam Ph. nach Konstantinopel. Hier sah er sich der Verfolgungssituation konfrontiert, der sich die Eunomianer ausgesetzt sahen. Nach seinem ersten Aufenthalt in Konstantinopel reiste er nach Palästina, doch sind mehrere weitere Aufenthalte des Ph. in Konstantinopel bezeugt. Von der Kirchengeschichte des Ph. haben sich nur Fragmente erhalten. Die von Photios, Niketas Choniates, den Verfassern der Suda und der hagiographischen Texte BHG Nr. 170 (Artemios) und 365 (Konstantin) überlieferten Exzerpte aus diesem Werk gestatten es aber, Inhalt und Plan der Kirchengeschichte des Philostorgios wenigstens in groben Zügen mit einiger Sicherheit zu rekonstruieren. Demnach hat Ph. es unternommen, die Geschichte der für ihn wahren, d.h. der eunomianischen, Kirche sowohl in ihrem Gegensatz zu paganen Anschauungen als auch in ihren Kämpfen gegen die falsche Orthodoxie zu schreiben. Aus seiner Sicht geht der Niedergang des Kaiserreiches einher mit dem Niedergang der Theologie, den Ph. mit dem Tode des Athanasios einsetzen läßt. Die Verfolgung der Eunomianer beschreibt Ph. in lyrischen Tönen und stellt sie in Zusammenhang mit der politischen Entwicklung. Doch der Umstand, daß eine ungeheure Fülle geometrischer, astronomischer, arithmetischer und musikalischer Partien aufgenommen ist, macht die Kirchengeschichte des Ph. über die Kirchen- und Theologiegeschichte hinaus zu einer interessanten Quelle. Wohl in der Kirchengeschichte standen zwei Epigramme, die vielleicht auf Ph. zurückgehen (Anthologia Graeca IX 193. 194). Außerdem hat Ph. zwei weitere Schriften verfaßt, die aber nicht erhalten sind: eine Verteidigung des Christentums gegen die Angriffe des Porphyrios und ein Enkomion auf Eunomios.
Lit.: Albrecht Ehrhard, Überlieferung und Bestand der hagiographischen und homiletischen Literatur der griechischen Kirche 3 Bde, 1937-1943 (TU 50-52); - Hans Georg Beck, Kirche und theologische Literatur im byzantinischen Reich, 1959; - Günter Gentz/Friedhelm Winkelmann, Die Kirchengeschichte des Nicephorus Callistus Xanthopulos und ihre Quellen, 1966 (TU 98); - Friedhelm Winkelmann, Untersuchungen zur Kirchengeschichte des Gelasios von Kaisareia, 1966; - T. Hägg, Photios als Vermittler antiker Literatur, 1975; - Pauly-Wissowa XX/1, 119-122; - DThC XII, 1495-1498; - RGG V, 356; - LThK VIII, 478.
Eckhard Reichert
Literaturergänzung:
2003
Richard W. Burgess, The "Passio S. Artemii", Philostorgius, and the dates of the invention and translations of the relics of Sts. Andrew and Luke, in: AnBoll 121.2003, S. 5-36; -
2004
Bruno Bleckmann, Konstantin in d. Kirchengeschichte P.s, in: Mill 1.2004, S. 185-231; -
2006
Thomas Maier, L'activité synodale à Antioche aux III-IVe siècles et sa présentation chez les pères de l'église, in: PrO 56.2006, S. 5-27; -
2008
Bruno Bleckmann, Apokalypse u. kosmische Katastrophen. Das Bild d. theodosian. Dynastie beim Kirchenhistoriker P., in: Endzeiten. Berlin [u.a.] 2008, S. 13-40; -
2011
P. et l'historiographie de l'Antiquité tardive = P. im Kontext d. spätantiken Geschichtsschreibung. Éd. par Doris Meyer. Stuttgart 2011.
Letzte Änderung: 15.11.2011