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Band VII (1994)Spalten 555-557 Autor: Ekkart Sauser

PHOTINUS und seine Gefährten: Hl., Bischof, Märtyrer, * Ende des 1. Jh. in Kleinasien, † 177-178 in Lyon. Fest 2. Juni. - Photinus, Bischof von Lyon, erlitt während einer Christenverfolgung in Lyon zusammen mit Blandina, Sanctus, Athalus, Maturus, Epagathus, Alexander, Pontikus und noch vierzig anderen Männern und Frauen, deren Namen nicht überliefert sind, den Martertod. Das Zeugnis dieses ruhmreichen Sterbens ist uns historisch glaubwürdig überliefert in dem Brief der Kirchen von Vienne und Lyon an die Kirchen von Kleinasien und Phrygien. Hier heißt es: »Der heilige Photinus, Bischof der Kirche von Lyon, wurde im Alter von über neunzig Jahren, wo er fast keine Lebenskraft mehr in seinem schwächlichen Körper hatte, aber vor Verlangen nach dem Martyrium die Stärke eines rüstigen Geistes in sich trug, zum Richterstuhl geschleppt. Während ihn die Soldaten unter Begleitung der Behörden hinführten, und der Volkshaufe ihn mit wildem Geschrei verfolgte, wie es bei Christus selbst sich zutrug, legte er ein glänzendes Bekenntnis ab. Auf die Frage des Richters, wer der Gott der Christen sei, antwortete er »Wenn du dessen wert bist, wirst du ihn erkennen«. Darauf wurde er in unmenschlicher Weise fortgeschleppt, wobei ihm unzählige Wunden geschlagen wurden, denn diejenigen, die sich in seiner Nähe befanden, mißhandelten ihn mit Fußtritten und Faustschlägen, und die von ihm entfernter waren, warfen alles auf ihn, was ihnen zu Händen kam. Alle aber vermeinten, sie seien eines großen Verbrechens schuldig, wenn sie ihn nicht so viel als möglich verfolgten. Auf diese Weise nämlich glaubten sie, die ihren Göttern angetane Beleidigung rächen zu müssen. Dann wurde er fast tot in den Kerker geworfen und endlich gab er nach zwei Tagen seinen Geist auf.« Besonders eindrucksvoll an diesem Bericht ist die Tatsache, daß sein Martyrium in Verbindung gesetzt erscheint mit der Passion Christi: »Wie es bei Christus selbst sich zutrug.« Hier wird, wie auch beim Martyrium des Polykarp von Smyrna, den er sicher noch gekannt hat, deutlich: Das Martyrium des Märtyrers ist eine Art Vergegenwärtigung des Martyriums Christi selbst. In der Beschreibung des Zeugentodes der Gefährten des Ph. fällt einerseits der Stand bzw. Beruf auf, aus dem Einzelne von ihnen kamen: Sanctus war »Diakon der Kirche von Vienne«, Blandina wird als »Sklavin« bezeichnet, Alexander erscheint als »ein Arzt aus Phrygien, der bereits seit einigen Jahren in Gallien wohnte«, Epagathus, ein junger Mann aus erlauchter Familie. Andererseits wird in der Beschreibung des Martertodes der Einzelnen auch Theologie deutlich, so z.B. beim Diakon Sanctus. Von ihm heißt es in den Märtyrerakten. »Furchtbar waren seine Brandwunden. Er aber blieb unerschütterlich fest und unnachgiebig bei seinem Bekenntnis. Denn wie ein linder Tau und wie eine göttliche Kraft floß auf ihn herab aus himmlischer Quelle das lebendige Wasser aus dem Herzen Christi.« Mit Recht sieht man hier einen frühchristlichen Hinweis auf die Verehrung des Herzens Jesu.

Quellen: Mart. Lugd. Eusebius Werke II, GCS 9,1; Kirchengeschichte I, ed. E. Schwartz, Leipzig 1903, 402-426; Knopf-Krüger, Ausgewählte Märtyrerakten 18-28; Ruinart, Acta Martyrum, 1859, ed. Valesiana; Fr.A. Stroth, Eusebii Kirchen-Geschichte, 1. Bd., 1777; M. Stigloher, Ausgewählte Schriften des Eusebius Pamphili, Bischofs von Cäsarea in Palästina I: BKV (1870); Ph. Haeuser, Das Eusebius Pamphili, Bischofs von Cäsarea, Kirchengeschichte: BKV 2. R. 1. Bd. 1932; H. Rahner, Die Märtyrerakten des 2. Jahrhunderts: Zeugen des Wortes 32 (1941); P. Guyot-R. Klein, Das frühe Christentum bis zum Ende der Verfolgungen, Bd. 1: Die Christen im heidnischen Staat, Darmstadt 1993, 70-90; O. Hagemeyer, Ich bin Christ - Frühchristliche Märtyrerakten, Düsseldorf 1961, 47-72; W. Schamoni-Martyrer der Frühkirche, Düsseldorf 1964, 56-73.

Lit.: O. Bardenhewer, Geschichte der altchristlichen Literatur II (1914), 664-675 und III (1923), 240 ff.; - J. Quasten, Patrology I (1950), 177-181; - H. Rahner, Die Anfänge der Herz-Jesu-Verehrung in der Väterzeit, in: J. Stierli (Hrsg.); - Cor Salvatoris - Wege zur Herz-Jesu-Verehrung, Freiburg i.Br. 1956, 56; - H. Rahner, Symbole der Kirche - Die Ekklesiologie der Väter, Salzburg 1964, 213; - E. Sauser, Bekenner seiner Herrlichkeit - Das Zeugnis frühchristlicher Martyrer, Innsbruck 1964, 44-45; - E. Sauser, Woher kommt Kirche - Ortskirchen der Frühzeit und Kirchenbewußtsein heute, Frankfurt a.M. 1978, 62-66.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 09.02.1999