Verlag Traugott Bautz |
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PIRCKHEIMER (Pirkheimer), Caritas (Taufname: Barbara). * 21.3. 1467 in Eichstätt; † 19.8. 1532 in Nürnberg. Ihr Grab wurde 1959 wiederentdeckt und befindet sich heute in der St. Klara-Kirche zu Nürnberg; - P. war das älteste von neun Kindern einer vornehmen Nürnberger Patrizierfamilie. Vor allem ihr Bruder Willibald spielte als Ratsherr eine bedeutende Rolle im deutschen Humanismus. Um das Jahr 1475 wurde P. in die Obhut der Großeltern nach Nürnberg geschickt. Dort kam sie 1479 zur weiteren Erziehung und Ausbildung in das bedeutende Frauenkloster St. Klara. Vermutlich schon mit sechzehn Jahren trat sie in die Schwesterngemeinschaft ein und erhielt den Namen Caritas. Zunächst Novizenmeisterin wurde sie 1503 zur Äbtissin gewählt. Ihre reichhaltige Korrespondenz bezeugt P.s Bemühen, formale Bildung des Geistes mit der mystischen Tiefe der Religiosität zu vereinen. Sie fand die Anerkennung namhafter Humanisten ihrer Zeit; - Im Zuge kirchlicher Reformbestrebungen begannen 1525 die Religionsgespräche in der Freien Reichsstadt. Angestrebt wurde unter anderem die Aufhebung aller Klöster. P.s Konvent heharrte als einziger geschlossen auf der Entscheidung, dem Beschluß des Nürnherger Rates Widerstand zu leisten. In ihren »Denkwürdigkeiten« dokumentiert P. die Dramatik der Jahre 1524-28. Es war vor allem der Vorwurf, sich durch das Ordensgelübde und gute Werke ein Recht auf Gnade und Heil erwerben zu wollen, dem die Äbtissin durch theologisch versierte Argumentation entgegentrat. Verbunden mit großer Dialogbereitschaft beharrte sie gegenüber den Vertretern der »neuen Lehre« auf der Achtung des eigenen Gewissens und des Gewissens anderer als jeweils unersetzbare letzte Instanz. Dank der Vermittlung Philipp Melanchthons konnte das Kloster weiter bestehen, war jedoch zum Aussterben verurteilt, weil Neuaufnahmen und Sakramentenempfang verboten blieben.
Lit.: (allgemein) Roland H. Bainton, Women of the Reformation in Germany and Italy, Minneapolis 1971 (Lit.); - Peter Ketsch, Frauen im Mittelalter, Bd.I und II, 1983/84; - Joseph Lortz, Die Reformation in Deutschland, Freiburg u.a 61982. - Literatur (speziell) Karl Bosl (Hrsg.), Bosls Bayerische Biographie. 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten, Regensburg 1983 (Lit.); - G. Deichstetter (Hrsg.), C.P. Ordensfrau und Humanistin - ein Vorbild für die Ökumene, FS, Köln 1982; - C. von Imhoff/ G. Deichstetter, C.P. und die Reformation in Nürnberg, Nürnberg 1982; - Maria KeIler, C.P. Eine Ordensfrau in der Zeit des Humanismus und der Reformation, in: Paul Imhof (Hrsg.), Frauen des Glauben, Würzburg 1985; - G. Krabbel, C.P. Ein Lebensbild, Münster 51982; - L. Kurras/ E. Machilek (Hrsg.), C.P. 1467-1532. Katalog zur Ausstellung der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, Nürnberg 1982; - Karl Schlemmer, C.P. Die frommen Nürnberger und die Äbtissin von St. Xlara, Münsterschwarzach 1982.
Gabriele Lautenschläger
Werkeergänzung:
A journal of the Reformation years, 1524-1528. Transl. from the German with introd., notes and interpretive essay: Paul A. MacKenzie. Woodbridge, Suffolk 2006.
Literaturergänzung:
Ute Schwarz, Expressives Sprachhandeln als Ausdrucksform d. Persönlichkeit. E. kommunikationsgeschichtl. Studie an d. Briefen d. P.-Frauen aus d. Jahren 1505-1547. Hildesheim 2005.
Letzte Änderung: 15.11.2011