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Band XVI (1999)Spalten 1256-1257 Autor: Wilhelm Baum

PREŠREN, France * 3.12. 1800 Vrba/Oberkrain in Slowenien, † 8.2. 1849 in Krainburg (Kranj) in Slowenien. - P. gilt als der größte Dichter der Slowenen, der maßgeblich zur Erhaltung und Stilisierung der slowenischen Schriftsprache beitrug. Geboren als 3. von 8 Kindern einer Bauernfamilie verließ er früh das Elternhaus und besuchte 1810/11 die ersten 2 Klassen der Normalschule in Reifnitz (Ribnica) und darauf in Laibach die 3. Kl. der Grundschule (1812/13) und 6 Klassen des Gymnasiums (1813/19). Seine Schulzeit fiel z.T. noch in die Zeit der "Illyrischen Provinzen" (1809/13), in denen die Südslawen unter französischem Protektorat lebten und ihre Sprache und Kultur besser pflegen konnten als unter der 1813 restaurierten Herrschaft der Habsburger. 1819 begann P. in Laibach das Studium der Philosophie am Lyzeum, das er 1821/22 in Wien fortsetzte, wo er mit Hilfe eines Stipendiums das Studium der Rechte absolvierte, das er 1828 mit dem Titel eines Dr. jur. abschloß. 1824 wurde er wegen freigeistiger Tendenzen als Lehrer am Klinkowströmschen Institut in Wien entlassen, wo der Dichter Anastasius Grün sein Schüler war. Bereits seit 1827 veröffentlichte er im deutschsprachigen "Illyrischen Blatt" Gedichte, seit 1830 in der Literaturzeitschrift "Krajnska ªbelica" ("Krainerisches Bienchen"), gefördert durch seinen Freund Matija ªop († 1835). Seine juristische Karriere wurde durch die nur mit genügendem Erfolg abgeschlossene Rechtsanwaltsprüfung in Klagenfurt (1832) behindert; fünfmal bewarb er sich vergeblich um eine Advokatenstelle, die er erst 1846 in dem Kleinstädtchen Krainburg erhielt. 1834 begegnete er in Laibach als Konzipient in einer Rechtsanwaltskanzlei der Bürgestochter Julia Primic, die er in seinem "Sonettenkranz" besang. Nach dem Scheitern dieser Liebe veröffentlichte er 1836 das Versepos "Die Taufe an der Savica" ("Krst pri Savici"), in der er die Christianisierung der Slowenen dichterisch gestaltete. P. blieb auch innerhalb seines Volkes isoliert, weil er sich nicht den Intentionen der systemtreuen Ideologie anschloß, die vom slowenischen Hofbibliothekar Bartholomäus Kopitar und seinem Kreis vertreten wurde und andererseits von den panslawistischen Tendenzen der "Illyristen" distanzierte, die den politischen und sprachlichen Zusammenschluß der südslawischen Völker erstrebten. In kritischer Distanz stand P. auch zu den kirchlichen Kreisen um Anton Martin Slomèek, den späteren Bischof von Marburg (Maribor), der die Verwendung der slowenischen Sprache auf die Liturgie reduzieren wollte und die Volksbildung im kirchlichen Sinne propagierte. Der kosmopolitische Dichter P., der sich auch mit der Religionskritik von D. F. Strauß auseinandersetzte, bemühte sich jedoch konsequent, seine Muttersprache zum Medium von Sonetten und Kunstlyrik zu erheben, was von den meisten Zeitgenossen nicht verstanden wurde. 1847 ließ er auch seine Kosten seine "Poesien" ("Poezije") drucken. Die Bedeutung der Lyrik Ps. wurde bereits 1833 von tschechischen Dichter Franticek ªelakovský erkannt und gewürdigt; nach seinem Tod verfaßte der deutsche Priester und Publizist Vinzenz Rizzi 1849 eine erste umfassende Würdigung. Der Dichter starb vereinsamt an Leberzirrhose und hinterließ eine Arbeiterin als Lebensgefährtin, mit der er 3 Kinder hatte. Erst in den 1860er Jahren wurde P. zum "Nationaldichter" der Slowenen; sein 1844 entstandenes - und vom slowenischen Zensor Franz von MikloèiÚ verstümmeltes "Trinklied" ("Zdravljica") wurde 1991 zur Nationalhymne der Republik Slowenien.

Werke: France Prešeren: Zbrano Delo, hrsg. v. J. Kos, 2 Bde, Ljubljana 1965/66; France Prešeren: Sonetni venec. Sonettenkranz, Klagenfurt, 4.A., 1996; France Prešeren: Gedichte. Pesmi, hrsg. v. France Pibernik u. Franc Drolc, (= Prešerens Weg in die Welt 1), Kranj-Klagenfurt 1998.

Lit.: Wurzbach: Biograph. Lexikon des Kaisertums Österreich 23, 1872, 267-269; - Stanislaus Hafner, in: Österr. Biograph. Lexikon 8, 1983; - France Kidric: Prešernov album, Ljubljana 1949; - Anton Slodnjak: Geschichte der slowenischen Literatur, Berlin 1958; - Anton Slodnjak: Prešernovo Öivljenje, 3. A., Ljubljana 1968; - Lojze Krakar: Goethe in Slovenien, München 1970; - Janko Kos: Prešeren in evropska romantika, Ljubljana 1970; - Boris Paternu: France Prešeren in njegovo pesnisko delo, 2 Bde, Ljubljana 1976/77; - Joze PogaÚnik: Bartholomäus Kopitar. Leben und Werk, München 1978; - Henry Ronald Cooper: Francè Prešeren, Boston 1981; - Boris Paternu: France Prešeren. Ein slowenischer Dichter 1800-1849, München 1994; - France Prešeren: Deutsche Dichtungen, hrsg. v. Wilhelm Baum, Klagenfurt 1999; - Wilhelm Baum: France Prešerens Scheitern in Klagenfurt, in: Literatur u. Kritik, 335, 1999, 36-43.

Wilhelm Baum

Letzte Änderung: 06.03.2003