Verlag Traugott Bautz |
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RÂMÂNUJA (* 11. Jahrh., † 1137?). Tamilischer vishnuitischer Philosoph. Ursprünglich war er ein Anhänger der Lehre Shankaras, doch unter dem Einfluß der tamilischen Schüler und Nachfolger des Yâmunâcârya in Shrînamgam. Âlvârs und Ačaryas (= Meister) wandte er sich dem Vishnuismus zu und bekämpfte die Illusionstheorie des »absoluten Monismus«. Seine Lehre über die menschliche Seele und die von ihm verfaßten Kommentare zur »Brahma Sûtra«. »Bhagavad Gîta«, insbesondere sein Werk »Sribhashya«, ein langer Kommentar zur Vedanta, haben in der Folge hinduistisches Denken, vor allem in Südindien, nachhaltig beeinflußt. R. hat die Härten des Kastensystems gemildert und strebte auch Reformen an, da er die Gier der Priesterkaste, Ausschweifung im Namen der Religion und allgemeine Unwissenheit des Volkes für unerträglich hielt. Er sprach sich auch für eine soziale und religiöse Gleichstellung von Mann und Frau aus und forderte daher die Ausbildung der Mädchen. Nach seiner Hauptlehre ist ein spirituelles Prinzip, die ewig vollkommene Gottheit, das Fundament der ganzen Natur. Dieses Prinzip ist Wirklichkeit, nicht bloß Illusion. Die individuelle menschliche Seele (jiva) ist ein von der höchsten Gottheit abhängiges Fragment (amsa), doch ist dieses Fragment so beschaffen, daß es sein individuelles Bewußtsein auch dann behält, wenn es mit der Gottheit wieder vereint ist. Da er die individuelle Seele als verschieden von der Gottheit, aber dieser untergeordnet lehrte, wurde seine Lehre »Nichtdualismus« (vishishtadvaita) genannt. Nach ihr ist die Liebe zu Gott, die Hingabe oder der Glaube (bhakti) und nicht das Wissen (jnana) der Weg zur Erlösung (moksha). R. will die Menschen zum Schauen der Gottheit in ihrer himmlischen Güte auf dem > Weg der Hingebung< (bhaktimarga) führen. Einige von R.s Ideen, die noch christlicher erscheinen, sollen vom »nestorianischen Christentum« (von den an der Malabarküste lebenden Thomas-Christen?) beeinflußt worden sein.
Lit.: R. Otto, Vishnu-Nârayâna, Jena 1917; - ders., Siddhânta des R., Jena 17, 21923; - P. D. Chantepie de la Saussaye, Lehrbuch der Religionsgeschichte, II, Tübingen 41925, 156 ff.; - S. Radhakrishnan, Indian Philosophy, II, London 1927, 1955 (deutsch 1956); - Bh. Kumarappa, The Hindu Conception of Deity as culminating in D., London 1934; - O. Lacombe, La doctrine morale et métaphysique de R., Paris 1938; - S. Dascupta, A History of Indian Philosophy, III, Cambridge 1940, 1952; - P. N. Srinivasachari, The Philosophy of Vishishtâdvaita, Adyar 1946; - H. v. Glasenapp, Philosophie der Inder, Stuttgart 1949, 21958; - ders., Die nichtchristlichen Religionen [= Das Fischer-Lexikon, 1], Frankfurt/Main 1957, 170; - ders. (Hrsg.), Indische Geisteswelt. Eine Auswahl von Texten in deutscher Übersetzung, I. Glaube und Weisheit der Hindus, Baden-Baden o.J., 203-205. 318; - Enciclopedia Filosofica, III, Venedig-Rom 1957, 1845; - H. Hohenberger, R., 1960; - RGG3 V, 773f.; - H.-J. Schoeps, Religionen. Wesen und Geschichrte [= Heyne-Sachbuch, 132], München 1970, 56. 158; - J. B. Carman, Theology of Ramanuja, 1974; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 2967f.
Johannes Madey
Literaturergänzung:
1999
James M. Shields, Córdoban discourses. A drama of interreligious dialogue, in: ARC (M) 27.1999, S. 137-159; -
2009
Ankur Barua, The divine body in history. A comparative study of the symbolism of time and embodiment in St A. and Ramanuja. Oxford 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011