Verlag Traugott Bautz |
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RAMSAY, Andreas Michael, genannt Chevalier Ramsay französischer Schriftsteller schottischer Herkunft. * 1686 in Ayr in der Nähe von Glasgow, + 6. Mai 1743 in St.-Germain en Laye. - R. studierte in Edinburgh Theologie. Infolge von Zweifeln an der Wahrheit der anglikanischen Religion beschloß er, nur mehr zu glauben, was er selbst einsah. So wandte er sich zunächst von einem sozianistischen Standpunkt zur pyrrhonischen Skepsis, schloß sich 1708 einem Kreis schottischer Mystiker unter dem Einfluß des Quietismus von Jeanne Marie de la Motte-Guyon (1678-1717) an, um schließlich in Frankreich, wohin er sich nach einem Aufenthalt in Holland bei P. Poiret um 1710 wandte, durch den Einfluß Fénelons zum Katholizismus zu konvertieren. Fénelon behielt Zeit seines Lebens eine gewisse Achtung für seinen Schüler R., der Fénelons »Télémaque« 1717 herausgab und 1723 die »Histoire de la vie de ... Fénelon« redigierte. Vier Jahre blieb R. im Hause Fénelons, dann wurde er von 1714-1716 Sekretär der Mme. Guyon in Bloin. 1715 bekam er vom Herzog von Orleans den Titel Chevalier de St. Lazare verliehen, 1722 eine Staatspension. 1724 ging er als Erzieher der Söhne Jakob Stuarts, dessen Interessen er in dem 1721 veröffentlichten »Essai philosophique sur le gouvernment civil« verteidigt hatte, nach Rom. Sein dem Herzog von Sully gewidmetes Werk »Voyages de Cyrus« gilt vielfach als blasse Imitation des »Télémaque«. In einer dem Werk beigefügten Abhandlung »Discours de la théologie des païens« vertritt R. die Ansicht, daß in allen Völkern zu allen Zeiten die hervorragenden Denker die Idee einer höchsten Gottheit, die die Welt durch ihre Macht geschaffen habe und erhalte, vertreten haben. In seinem letzten, posthumen Werk »Principles of Natural and Revealed Religion« finden wir in Ramsay, gegen Ende seines Lebens zum Freimaurer geworden, einen Vertreter des Deismus und der Idee der Toleranz. Er starb am 6. Mai 1743 in St.-Germain en Laye im Alter von 57 Jahren. Unter der großen Anzahl seiner Freunde finden sich auch J. B. Rousseau und Louis Racine, der ihm seine beiden »Epîtres sur l'homme« gewidmet hat.
Lit.: A. Chérel, Un aventurier religieux au XVIIIe siècle, Andrè Michel Ramsay. Paris 1926; - G. D. Henderson, Chevalier Ramsay. London 1952; - A. Lombard, Fénelon et le retour de l'antique. In: Mém. de l'université de Neuchâtel 23 (1954), 59 f; - F. Weil, Ramsay et la francmaçonnerie, RHLF. 1963; - J. Molino, l'Essai philosophique sur le gouvernment civil: Ramsay ou Fénelon? In: la regence. Paris 1970; - R. Granderoute, Quand l'auteur et le public collaborent: les deux éditions des Voyages de Cyrus. In: Dix-Huitième Siècle IV (1972).
Hans Gerald Hödl
Literaturergänzung:
2009
Michael: Georg Eckert, True, Noble, Christian Freethinking. Leben u. Werk M.R.s (1686-1743). Münster 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011