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Band VII (1994)Spalten 1317-1319 Autor: Hans Gerald Hödl

RAMSAY, Andreas Michael, genannt Chevalier Ramsay französischer Schriftsteller schottischer Herkunft. * 1686 in Ayr in der Nähe von Glasgow, + 6. Mai 1743 in St.-Germain en Laye. - R. studierte in Edinburgh Theologie. Infolge von Zweifeln an der Wahrheit der anglikanischen Religion beschloß er, nur mehr zu glauben, was er selbst einsah. So wandte er sich zunächst von einem sozianistischen Standpunkt zur pyrrhonischen Skepsis, schloß sich 1708 einem Kreis schottischer Mystiker unter dem Einfluß des Quietismus von Jeanne Marie de la Motte-Guyon (1678-1717) an, um schließlich in Frankreich, wohin er sich nach einem Aufenthalt in Holland bei P. Poiret um 1710 wandte, durch den Einfluß Fénelons zum Katholizismus zu konvertieren. Fénelon behielt Zeit seines Lebens eine gewisse Achtung für seinen Schüler R., der Fénelons »Télémaque« 1717 herausgab und 1723 die »Histoire de la vie de ... Fénelon« redigierte. Vier Jahre blieb R. im Hause Fénelons, dann wurde er von 1714-1716 Sekretär der Mme. Guyon in Bloin. 1715 bekam er vom Herzog von Orleans den Titel Chevalier de St. Lazare verliehen, 1722 eine Staatspension. 1724 ging er als Erzieher der Söhne Jakob Stuarts, dessen Interessen er in dem 1721 veröffentlichten »Essai philosophique sur le gouvernment civil« verteidigt hatte, nach Rom. Sein dem Herzog von Sully gewidmetes Werk »Voyages de Cyrus« gilt vielfach als blasse Imitation des »Télémaque«. In einer dem Werk beigefügten Abhandlung »Discours de la théologie des païens« vertritt R. die Ansicht, daß in allen Völkern zu allen Zeiten die hervorragenden Denker die Idee einer höchsten Gottheit, die die Welt durch ihre Macht geschaffen habe und erhalte, vertreten haben. In seinem letzten, posthumen Werk »Principles of Natural and Revealed Religion« finden wir in Ramsay, gegen Ende seines Lebens zum Freimaurer geworden, einen Vertreter des Deismus und der Idee der Toleranz. Er starb am 6. Mai 1743 in St.-Germain en Laye im Alter von 57 Jahren. Unter der großen Anzahl seiner Freunde finden sich auch J. B. Rousseau und Louis Racine, der ihm seine beiden »Epîtres sur l'homme« gewidmet hat.

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Werke: Discours sur la poéme epique (Vorwort zur ersten Auflage des »Télémaque«). 1717; Essais philosophiques sur le gouvernment civil. London 1721 (auch als: Essai de politique, où l'on traite des bornes et des différentes formes de la souveraineté, selon les principes de l'auteur du Télémaque. la Haye o. Jgg.); Histoire de la vie de François de la Motte-Fénelon. la Haye 1723; 2 Briefe im Journal des savants. Juni 1726, Februar 1727; Voyages de Cyrus. Paris und London 1727 (in engl. Üs Edinburgh 1729); L'Histoire du Turenne. Paris 1735; 2 Briefe an Louis Racine; Brief an P. Castel im Journal des savants. 1735, 326; Psycomètre, ou Rèflexions sur les diffèrents caractères de l'esprit, par un mylord anglais; - Poems (engl.). Edinburgh 1738; Philosophical Principles of Natural and Revealed Religion. Glasgow 1748.

Lit.: A. Chérel, Un aventurier religieux au XVIIIe siècle, Andrè Michel Ramsay. Paris 1926; - G. D. Henderson, Chevalier Ramsay. London 1952; - A. Lombard, Fénelon et le retour de l'antique. In: Mém. de l'université de Neuchâtel 23 (1954), 59 f; - F. Weil, Ramsay et la francmaçonnerie, RHLF. 1963; - J. Molino, l'Essai philosophique sur le gouvernment civil: Ramsay ou Fénelon? In: la regence. Paris 1970; - R. Granderoute, Quand l'auteur et le public collaborent: les deux éditions des Voyages de Cyrus. In: Dix-Huitième Siècle IV (1972).

Hans Gerald Hödl

Literaturergänzung:

2009

Michael: Georg Eckert, True, Noble, Christian Freethinking. Leben u. Werk M.R.s (1686-1743). Münster 2009.

Letzte Änderung: 09.04.2011