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Band VII (1994)Spalten 1376-1377 Autor: Gertrud Thoma

RATCHIS (Rachis), König der Langobarden (744-749, 756/7), * um 710?, Sohn Herzog Pemmos von Friaul, + nach März 757. - R. wurde nach der Absetzung seines Vaters Pemmo durch König Liutprand in der zweiten Hälfte der 30er Jahre des 8. Jahrhunderts Herzog von Friaul und unterstützte den König 742 im Kampf gegen Spoleto, war aber eher den Gegnern der Dynastie zuzuordnen. Durch Wahl wurde er nach der Vertreibung König Hildebrands im September 744 König der Langobarden. Die von ihm erlassenen Gesetze und insbesondere eine Paßvorschrift lassen auf innere Unruhen schließen. Wohl von der traditionsgebundenen Opposition zu aggressiverer Außenpolitik gedrängt brach R. 749 den 20jährigen Frieden, den er mit dem Papst geschlossen hatte, und griff die Pentapolis an. Nach einem Zusammentreffen mit Papst Zacharias ließ er jedoch von der Belagerung von Perugia ab. Daraufhin erhob die Opposition seinen Bruder Aistulf zum König, und R. trat ins Kloster Monte Cassino ein. Ob und wieweit dafür auch religiöse Gründe ausschlaggebend waren, ist letztlich nicht eindeutig zu klären. Nach dem Tod seines Bruders 756 übernahm R. wieder die Regierung in Pavia, wobei umstritten ist, ob als König oder nur als Regent, wie auch die Motive dafür im Dunkeln liegen. Unter dem Druck des Papstes, der im Bündnis mit den Franken den Konkurrenten Desiderius unterstützte, kehrte er 757 ins Kloster zurück. - R. hatte als Herzog politisches und militärisches Geschick bewiesen, scheiterte aber als König mit seiner Politik des Ausgleichs mit dem Papst, den Romanen und Byzanz.

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Werke: Gesetze in: Die Gesetze der Langobarden, ed. F. Beyerle, Tl.2, 1962, 93-104.

Lit.: Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, ed. L. Bethmann/G. Waitz, MG SS rer. Langob., 1878; - Ludo Moritz Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter Bd. II 2, 1903; - P. Grierson, Election and Inheritance in Early Germanie Kingship, in: The Cambridge Historical Journal 7 (1941/3), 1-22; - Carlo G. Mor, La monacazione di R. e la diaspora monastica friulana, in: Ce fastu? 32, 1956, 140-144; - Georgine Tangl, Die Paßvorschrift des Königs R. und ihre Beziehung zu dem Verhältnis zwischen Franken und Langobarden vom 6. - 8. Jahrhundert, in: QFIAB 38, 1958, 1-66; - Ottorino Bertolini, I Germani, in: Storia universale diretta di E. Pontieri Bd. III 1, 1965, 3-505; - Ders., Roma e i Langobardi, 1972; - Maria P. Andreolli, Una pagina di storia longobarda: Re R., in: Nuova Rivista Storica 50, 1966, 281-327; - Jörg Jarnut, Prosopographische und sozialgeschichtliche Studien zum Langobardenreich in Italien, 1972; - Ders., Geschichte der Langobarden, 1982; - Reinhard Schneider, Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei Langobarden und Merowingern, 1972; - Karl H. Krüger, Königskonversionen im 8. Jahrhundert, in: Frühmittelalterliche Studien 7, 1973, 169-222; - Stefano Gasparri, I duchi Longobardi, 1978; - Konrad Bund, Thronsturz und Herrscherabsetzung im Frühmittelalter, 1979; - Hermann Fröhlich, Studien zur langobardischen Thronfolge, Diss. Tübingen 1971 (1980); - LThK VIII, 962.

Gertrud Thoma

Letzte Änderung: 09.04.2011