Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XVIII (2001)Spalten 1176-1178 Autor: Achim Thomas Hack

REBIOLI, Antonius, päpstlicher Zeremonienmeister († 1484). - Der Südfranzose Antonius Rebioli, Kleriker der Diözese Toulon, versah insgesamt 37 Jahre lang - von 1447 bis 1484 - das Amt eines päpstlichen Zeremonienmeisters, zunächst als »supernumerarius«, seit dem 30. Oktober 1450 (nach dem Ausscheiden des Matthaeus Petri) als »numerarius« bzw. »participans«; dabei hatte er so namhafte Kollegen wie Pedro González (bis 1469), Agostino Patrizi de'Piccolomini (seit 1469) und für kurze Zeit Johannes Burckard (seit 1483). Er verfügte über eine wohl profunde juristische Ausbildung, die er wahrscheinlich noch in seiner Heimat erworben hatte, denn bei seiner Ernennung im Jahre 1450 war er bereits Lizentiat beider Rechte, später führte er den Doktor-Titel. Schon unter Nikolaus V. (1447-1455) übernahm er das »officium tabellionatus« (1451), Sixtus IV. (1471-1484) ernannte ihn 1473 zum päpstlichen Protonotar. Großes Geschick entfaltete Rebioli beim Erwerb kirchlicher Benefizien und gelangt daher in den »Besitz von einer selbst für jene Zeit geradezu erstaunlichen Anzahl von Propsteien und Kanonikaten, Archipresbyteraten und Archidiakonaten, Pfarreien und Kapplaneinen« (F. Wasner), namentlich in den Diözesen Aix, Fréjus, Glandève, Grasse, Riez, Toulon und Tours; noch die von ihm hinterlassene bewegliche Habe beweist einen beachtlichen Wohlstand. Er unternahm mehrere Reisen nach Frankreich (1475, 1480, 1484) und starb dort am 24. September 1484, wenige Tage nachdem er Marseilles besucht hatte. - Rebioli ist auch als Verfasser liturgischer Fachliteratur hervorgetreten. Er glossierte eine Handschrift des von Jean Mabillon so benannten Ordo Romanus XIV (Rom, Vatikanische Bibliothek, Borg. lat. 409, besonders fol. 2v, 6v, 7r, 8v, 10v, 16v, 71r, 76rf.), die später mehrfach abgeschrieben wurde (sog. Gattico-Fassung 2c nach der Klassifikation von B. Schimmelpfennig: Rom, Vatikanische Bibliothek, Vat. lat. 1151; Rom, Vatikanische Bibliothek, Urbin. lat. 470; Rom, Vatikanische Bibliothek, Barb. lat. 1190; Turin, Bibliotheca Nazionale, E. III. 9; München, Bayrische Staatsbibliothek, clm. 133). Ein von Rebioli verfaßtes Zeremonienbuch hat sich nicht erhalten, kann aber aus Exzerpten des späten 15. sowie des 16. Jahrhunderts (Rom, Vatikanische Bibliothek, Vat. lat. 12348 und Vat. lat. 12285) wenigstens teilweise rekonstruiert werden. Ein Text zum Kardinalshaushalt wird nur in zwei späten und unvollständigen Handschriften mit seinem Namen in Verbindung gebracht, dürfte in Wirklichkeit aber schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstanden sein (so B. Schimmelpfennig gegen F. Wasner und M. Dykmans). Ferner könnte Rebioli auch ein zeremonielles Diarium geführt haben, da die späteren Zeremonienmeister Johannes Burckard und Paris de Grassi darauf Bezug nehmen. Vermutlich gemeinsam mit seinem Kollege González hat Rebioli einen von Burckard erwähnten, aber heute verlorenen »rotulus coronacionis Calixti III« (1455) sowie einen in Florenz (Biblioteca Medicea-Laurenziana, cod. Ashburnham 181*, fol. 28r-35r) überlieferten Ordo für die Krönung Papst Pius' II. (1458) verfaßt bzw. bearbeitet.

Edierte Werke: Giovanni Battista Gattico, Acta Selecta Caeremonialia Sanctae Romanae Ecclesiae I, Rom 1753, 9-156 (Ordo Romanus XIV), 274-278 (De officialibus singulorum cardinalium SRE, Rebiolis Verfasserschaft ist unwahrscheinlich) - Cerimonie servande in coronatione domini pape, qui iam est episcopus consecratus, ed. Bernhard Schimmelpfennig, Die Krönung des Papstes im Mittelalter, dargestellt am Beispiel der Krönung Pius' II. (3.9.1458), in: QFIAB LIV 1974, 192-270, hier 257-270 (Rebioli vermutlich an der Abfassung beteiligt).

Quellen: Für die archivalischen Quellen vgl. die Hinweise in den Arbeiten von Wasner und Schimmelpfennig. - Gedruckte Quellen: Henry Dubrulle, Bullaire de la province de Reims sous le pontificat de Pie II, Lille 1905, nr. 59 (43); Johannis Burckardi Liber notarum ab anno 1483 usque ad annum 1506 I-II, ed. Enrico Celani, Rerum Italicarum Scriptores XXXII, Città di Castello 1910-1942, hier I, 6; II, 122.

Lit.: Denis de Sainte-Marthe, Gallia christiana in provincias ecclesiasticas distributa I, Paris 1715, 760; - Joseph-Hyazinthe Albanès/Ulysse Chevalier, Gallia christiana novissima I, 1, Mömpelgard 1895, 649; - Walter von Hofmann, Forschungen zur Geschichte der kurialen Behörden vom Schisma bis zur Reformation I, Bibliothek des Preußischen Historischen Instituts in Rom XII, Rom 1914, 292; - Franz Wasner, Fifteenth-Century Texts on the Ceremonial of the Papal `legatus a latere', in: Traditio XIV 1958, 295-358 und XVI 1960, 405-416 hier 324; - Marc Dykmans, Mabillon et les interpolations de son Ordo Rom. XIV, in: Gregorianum XLVII 1966, 316-342, hier 341; - Franz Wasner, Tor der Geschichte. Beiträge zum päpstlichen Zeremonienwesen im 15. Jahrhundert, in: AHP VI 1968, 113-162, besonders 129-136; - Marc Dykmans, Le Cérémonial de Nicolas V, in: RHE LXIII 1968, 365-378 und 785-825, hier 787 (mit Anm. 3); - Bernhard Schimmelpfennig, Die Zeremonienbücher der römischen Kurie im Mittelalter, Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom XL, Rom 1973, 65, 89, 100, 135f., 138, 409, 414-416, 438f.; - Bernhard Schimmelpfennig, Die Krönung des Papstes im Mittelalter, dargestellt am Beispiel der Krönung Pius' II. (3.9.1458), in: QFIAB LIV 1974, 192-270, hier 199-201; - Pierre Salmon, Les Manuscrits liturgiques latins de la Bibliothèque Vaticane III: Ordines Romani, Pontificaux, Rituels cérémoniaux, Studi e Testi CCLX, Vatikanstadt 1970, X und n. 375 und 515 (?); - Marc Dykmans, L'oeuvre de Patrizi Piccolomini ou le Cérémonial papale de la première Renaissance I-II, Studi e Testi CCXCIII-CCXCIV, Vatikanstadt 1980-1982, 9*-14*, 31*, 74*, 83*, 220*; - Thomas Frenz, Die Kanzlei der Päpste der Hochrenaissance (1471-1527), Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom LXIII, Tübingen 1986, 272 (n. 267); - Marc Dykmans, Paris de Grassi, in: Ephemerides Litugicae XCVI 1982, S. 407-482 [I], IC 1985, S. 383-417 [II], C 1986, S. 270-317 [III], hier Teil I, 457, Teil III, 329 [wohl irrige Zuschreibung].; - Aimé-Georges Martimort, Les »Ordines«, les Ordinaires et les Cérémoniaux, Typologie des Sources du Moyen Âges occidental LVI, Turnhout 1991, 104; - Achim Thomas Hack, Das Empfangszeremoniell bei mittelalterlichen Papst-Kaiser-Treffen, Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters XVIII, Köln/Weimar/Wien 1999, 51, 54, 76, 244, 592.

Achim Thomas Hack

Letzte Änderung: 04.01.2001