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Band XX (2002)Spalten 1202-1205 Konrad Fuchs

REDEN, Friederike (Fritze) Gräfin von, * 12.5. 1774 in Wolfenbüttel, † 14.5. 1854 in Buchwald bei Schmiedeberg (Schlesien). - Geboren als Tochter des Generals von Riedesel zu Eisenbach, erlebte sie die Strapazen des amerikanischen Unäbhängigkeitskriegs (1776-1783), als ihre Familie zusammen mit dem Vater, der das braunschweigische Kontingent der englischen Armee befehligte, nach Amerika ging. Selbst die dortige Gefangenschaft des Vaters teilte die Familie mit ihm. Unruhig war das Leben der Familie auch nach ihrer Rückkehr nach Wolfenbüttel, da der Vater sich bis zu seinem Tode 1779 oft in Holland, häufiger noch in Berlin aufhielt. Seit 1779 lebte die Familie in Berlin oder in Schlesien. Unter ihren Geschwistern stand Friederike, die Fritze genannt wurde, dem Vater offenbar am nächsten, "und sie vergilt ihn mit ehrfürchtiger Liebe; er ist ihr die höchste Autorität in allen Dingen, ihr Halt und ihre Stütze im Leben. Ihr Verhältnis zum Vater ist bestimmend geblieben für ihr Verhältnis zum Leben überhaupt. Wo und wie sie lebte, hat sie sich stets einen Vater gesucht, zu dem sie aufschauen konnte, bis sie ihn zuletzt in Christus gefunden hat" (A. Valeton). - Das Tochter-Vater Verhältnis erklärt auch ihre Heirat mit dem 22 Jahre älteren, 1802 zum Oberberghauptmann und 1804 zum Wirklichen Geheimen Staatsminister ernannten Friedrich Wilhelm Graf von Reden am 9. August 1802, nachdem die beiden bereits im Herbst 1776 in London zum erstenmal einander begegnet waren. Eleonore Fürstin Reuss hat diese Begegnung in ihrem Lebensbild der Gräfin v. Reden folgendermaßen geschildert: "Zu jener Zeit war der junge Bergaspirant von Reden in London, hörte von der deutschen Generalin, die ihrem Mann mit drei Kindern folgte, und eilte mit dem General von Schlieffen nach Portsmouth, um ihr seine Dienste anzubieten. Da sah er die kleine, muntre, blonde 'Fritze' zum erstenmal, gab sich viel mit ihr ab, nahm sie auf den Schoß, liebkoste sie und hatte sie seitdem in Andenken behalten ..." Am 19. März 1793 schrieb Friedricke an eine Freundin: "... ich sah ihn an diesem mir unvergeßlichen Tage zum ersten Male, obgleich er mich früher als dreijähriges Kind in Portsmouth liebkoste und, wie er mir oft versicherte, nicht wieder vergessen hatte ..., aber, daß ich damals bald 19 Jahre alt war, als Blumenhändlerin verkleidet ... auf diesen Mann einen so tiefen Eindruck machen sollte, ahndete ich wahrlich nicht. Ich erinnere mich nur, daß, als er nachher nur mich zum Tanz aufforderte, ich diese Auszeichnung ohne besonderes Wohlgefallen und mit meinem gewöhnlichen Ernst aufnahm. Ich ahnte nicht, daß er daraus folgerte, er sei mir ein zu alter Tänzer, es sei Zeit, daß er zu tanzen aufhöre, und seit diesem Tage es nie mehr tat, - daß er das blonde Mädchen, mit dem er ein wenig sprach, nie wieder vergessen, verfolgen, errathen, mit seinem Segen von diesem Tage an begleiten würde; das wollte Gott, das war Seine gnädige Führung, und Ihm sei ewig Lob und Dank dafür! - Neun Jahre darauf ward ich ihm, was ich gleich damals - glaub und hoffe ich - geworden wäre - denn solche Verbindungen, wie die unsrige war, ein solch zartes Band wird nur im Himmel geschlossen, und knüpft sich, so Er will, dort und unzertrennbar wieder an, - und so sei es! ..." Am 9. August 1802 heiratete Friedrike von Riedesel, 28jährig, den fünfzigjährigen Friedrich Wilhelm Graf von Reden und bezog mit ihm Schloß Buchwald. Nur dreizehn Jahre lang bestand die überaus glückliche Ehe, die kinderlos blieb, denn Reden verstarb am 3. Juli 1815. Friederike notierte damals in ihr Tagebuch: ~"Am 3. Juli hörte Fritze Reden auf, glücklich und froh zu sein." "Mein Mann ist nun im Himmel, ich muß so gut und fromm wie nur möglich sein, damit ich auch hineinkomme und ihn wiedersehe." Trost fand sie in ihrem von pietistischen Einflüssen stark geprägten Glauben. Sch1oß Buchwald, auf dem sie Gäste von Rang und Namen besuchten, so Prinzessin Marianne von Preußen, die Frau des Prinzen Wilhelm, Prinzessin Radziwill, die Gräfin Schaffgotsch, die Fürsten Reuss, die Grafen Bernstorff, Generalfeldmarschall von Gneisenau und dessen Tochter, außerdem Geistliche und Missionare. Dem von Graf Reden kurz vor seinem Tod gegründeten Bibelverein stand sie bis zum Ende ihres Lebens mit großem Engagement vor. - 1837 fanden auf ihre Anregung hin mehr als 400 aus ihrer Tiroler Heimat aus Glaubensgründen ausgewanderte Zillertaler bei (Zillerthal-)Erdmannsdorf eine neue Heimat. Zwischen 1842 und 1844 wurde durch ihre Vermittlung in Brückenberg (Kreis Hirschberg) die durch König Friedrich Wilhelm IV. erworbene norwegische Stabwerkkirche aus dem Vanger Fjord , die Kirche Wang, neu errichtet. Am 28. Juli 1842 erfolgte unter Anwesenheit des Königs ihre Einweihung. "Die Gräfin (kann) in gewisser Weise eine Vorläuferin der Frauen, die heute in sozialer Arbeit stehen, (genannt werden). Sie hat schon Suppenküchen gegründet in Zeiten der Not, sie hat für billige Lebensmittel gesorgt, sie hat den (schlesischen) Webern im Gebirge Verdienstmöglichkeiten geschaffen, sie hat sogar versucht, in Zeiten der Arbeitslosigkeit ihre Gutsuntertanen in einer Art Brockensammlung zu beschäftigen ... Gegner oder Feinde hat sie kaum gehabt. Selbst diejenigen, die ihren Einfluß auf den König (Friedrich Wi1helm IV.) für ungünstig hielten, mußten die Lauterkeit und Ehrlichkeit ihres Charakters anerkennen" (A. Valeton). Nach ihrem Ableben ließ Friedrich Wilhelm IV. bei der Kirche Wang ein Denkmal für sie errichten.

Werke: Briefwechsel der Gräfin Reden mit dem Freiherrn v. Stein, hrsg. von Konrad Wutke, in: Schlesische Monatshefte 1925, Heft 1 ff.

Lit.: Anna Valeton, Friederike Gräfin von Reden, in: Schlesier des 18. und 19. Jahrhunderts (Schlesische Lebensbilder, Bd. 2), hrsg. von F. Andreae, M. Hippe, P. Knötel, O. Schwarzer, Breslau 1926 (Neuaufl. Sigmaringen 1982), 156-160;- P. A Galbas, Friedrich Wilhelm Graf von Reden 1752-1815, in: Niedersächsische Lebensbilder, 7, Hildesheim 1972, 196-234; Wolfhard Weber, Innovationen im industriellen deutschen Bergbau und Hüttenwesen. Friedrich Anton von Heynitz, Göttingen 1977, 192, 194;- Eleonore Fürstin Reuss, Gräfin Friederike Reden. Ein Lebensbild, Berlin 1888; - E. Gebhard, Gräfin F. Reden die Wohltäterin des Riesengebirges, Diesdorf 1906; - H. Schubert, Gräfin F. Reden. Ein kurzes Lebensbild, in: Der Wanderer im Riesengebirge 1913 (Januarheft); - A. Teschner, Lebensbriefe, Leipzig 1866 f.(2 Bde.);- E. v. Rochow/M. de la Motte-Fouqué, Vom Leben am preußischen Hofe (1815-52). Aufzeichnungen bearbeitet von L. von der Marwitz, Berlin 1907; - S. Hahn, Die Zillerthaler im Riesengebirge, Schmiedeberg 1908.

Konrad Fuchs

Literaturergänzung:

Urszula Bonczuk-Dawidziuk, J.J.F. Gräfin von R. u.d. Kirche Wang in Brückenberg (Karpacz Górny), in: JSKG 84/85.2006, S. 203-212.

Letzte Änderung: 09.04.2008