REDINGER, Johann Jakob, * 24. August 1619 in Neftenbach/Kanton Zürich, † März 1688 in Zürich, ref. Pfarrer und religiöser Schwärmer. - Redinger war der Sohn des aus Kreuzberg/Hessen stammenden Tischmachers Christian Redinger und der Verena Schlangg. Er erhielt seine erste Ausbildung durch Pfarrer Markus Burckhardt in Neftenbach und war seit dem Jahre 1630 Schüler an der Lateinschule und am Carolinum in Zürich. Im Jahre 1641 wurde er nach abgeschlossenem Examen ordiniert und übernahm ein Jahr später eine Feldpredigerstelle im Regiment Raun in französischen Diensten in Piemont und Katalonien. 1646 wurde er vom Zürcher Standrat zum Pfarrer in der Landgemeinde Dietikon-Urdorf ernannt. Sein religiöser Übereifer erregte bei der Bevölkerung solche Proteste, daß Zürich ihn im Jahre 1655 aus seinem Amt entlassen mußte. Er ging nach Amsterdam, wo er in Kontakt mit Jan Amos Comenius trat. Im Jahre 1658 wurde er Schulrektor im kurpfälzischen Frankenthal. Seine theologischen Schwärmereien machten ihm jedoch auch dort das Leben schwer. Bei Reisen in der Schweiz, durch Holland und in Frankreich erregte er großes Aufsehen. 1664 wurde er auch in Frankenthal entlassen und soll danach in das osmanische Reich gezogen sein, um dort missionarisch zu wirken. Nach seiner Rückkehr war er 1665 noch einmal für kurze Zeit als Rektor in Frankenthal tätig, bevor er wieder abgesetzt wurde. Nach dieser erneuten Absetzung begab er sich zu Comenius nach Amsterdam. In den folgenden Jahren hielt er sich in Brüssel, Paris und Basel auf. Nachdem er nach Zürich zurückkehrte, wurde er im Spital gefangengesetzt und vertarb dort im März 1688.
Werke: Lat. Runs der Teutschen Sprachwaloder Lat.-Teutsches Wortbüchlein, 1656; Verwandtschaft der teuschen u. lat. Sprache, 1659; Des Joh. Amos Comenius Spielschule oder lebendiger Künsten-Kreis (Übers. d. Spiel-Schule des Comenius), 1659; Joh. Amos Comenius Erster Theil der Schulerischen Gelehrtheit, genennet die Vor-Thür (Übers. des "Vestibulum"), 1662; Üblicher Vernunftschluß oder Schlußrede der ganzen Welt (Übers. des "Orbis Pictus" von Comenius), 1666; Himelische Zeitungen von dem fröhlichen Ausgange gegenwertiger schwerer Kriege, 1678; Beständige Blutzeugen von dem wahren Christenglauben, 1686.
Lit.: C. Büttinghausen, Beiträge zur pfälzischen Geschichte, Bd. II, Mannheim 1782; - F. Zolliger, Lebensbeschreibung, Zürich 1910; - Zürcher Pfarrerbuch 1519-1952. Hrsg. v. Emanuel Dejung u. Willy Wuhrmann, Zürich 1953, 478; - Georg Biundo, Die Pfarrer d. ev. Gemeinden der Pfalz (Pfälzisches Pfarrerbuch), Neustadt a. d. Aisch 1968. 362 Nr. 4199; - Albrecht Ernst, D. ref. Kirche d. Kurpfalz nach d. Dreißigjährigem Krieg (1649-1685), Stuttgart 1996, 189-192.