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Band XVIII (2001)Spalten 1178-1180 Autor: Daniel Heinz

REIDER, Rudolf, Missionar und Sprachforscher; * 8.6. 1904 in Kassel, † 13.2. 1973 in Rheydt bei Mönchengladbach. - R. erlernte das Feinmechaniker-Handwerk und besuchte von 1922 bis 1926 das adventistische Missionsseminar Neandertal bei Mettmann, um sich auf den Missionsdienst vorzubereiten. Nach einer Ausbildung als Krankenpfleger (1926-1929) im Krankenhaus Waldfriede, Berlin-Zehlendorf, wirkte er zunächst als Pastor in Deutschland. Nebenbei war er Gasthörer am Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Berlin, nahm Unterricht bei D. H. Westermann in der Kpelle-Sprache und eignete sich im Selbststudium Swahili an. 1931 reiste er als Missionar nach Liberia und leistete dort zusammen mit den Missionaren R. Helbig, E. Flammer und K. Noltze Aufbauarbeit. 1933 wurde R. nach Tanganjika gerufen, wo er die Leitung der adventistischen Missionsstation Majita am südöstlichen Ufer des Viktoria-Sees übernahm. In den folgenden Jahren erforschte er Kultur, Lebensweise und Sprache der Abajita (Wajita, Jita, Djita), die bislang in der völkerkundlichen Literatur - mit Ausnahme eines Werkes von R. C. Thurnwald (Black and White in East Africa: The Fabric of a new Civilization. A Study in Social Contact and Adaptation of Life in East Africa, London 1935) - noch kaum Beachtung gefunden hatten. R. war ein ungewöhnlich talentierter Linguist, dem es bereits nach dreijährigem intensiven Sprachstudium gelang, das gesamte Neue Testament in die Djita-Sprache (auch Jita, Kijita) zu übersetzen (1937). Er konnte dabei auf die Vorarbeit eines Missionars der Africa Inland Mission, E. Sywulka, zurückgreifen, der bereits 1934 das Lukas-Evangelium übersetzt hatte. Das Neue Testament wurde 1943 von der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft veröffentlicht. Außerdem erstellte R. ein Wörterbuch und arbeitete an einer Grammatik der Djita-Sprache. 1938 verließ R. das Jita-Land (Bujita) und gründete im südwestlichen Hochland bei Mbeya eine Missionsstation. Wegen Ausbruch des Weltkrieges mußte er 1939 nach Deutschland zurückkehren und studierte von 1940 bis 1942 u. a. bei Westermann und H. Sölken afrikanische Linguistik, Völkerkunde und Phonetik in Berlin. 1942 promovierte er mit einer Arbeit über die Djita-Sprache bei Westermann, der R. zu seinen begabtesten Schülern zählte.- Nach dem Krieg arbeitete R. als Missionslehrer und Pastor in Deutschland. 1957 hielt er sich im Auftrag der Universität Hamburg auf der Insel Ukerewe (Viktoria-See, Tansania) auf, um mit einheimischen Mitarbeitern Tonhöhen-Forschungen zu betreiben. Außerdem arbeitete er an der Revision seiner neutestamentlichen Übersetzung, die 1960 im Druck erschien. Von 1962 bis 1968 war er Leiter des Goethe-Instituts in Accra und Nairobi.- R. zählt zu den herausragenden Afrika-Missionaren der Siebenten-Tags-Adventisten. Mit seinen linguistischen Forschungen stand er in der Tradition von E. Kotz, der eine Generation vor ihm bereits wegweisende Sprachstudien unter den Wapare (Deutsch-Ostafrika) betrieben hatte.

Werke: Die Wirtschaftsformen der Djita und ihre Beziehungen zu den Nachbarstämmen, in: Koloniale Rundschau. Zeitschrift für koloniale Länder-, Völker- und Staatenkunde, Bd. 31, Nr. 4, 1940, 210-21; Laut- und Formenlehre der Jita-Sprache (Diss., Univ. Berlin), 1942; Indagano inyaya yo mukama no mukisya weswe Yesu Kristo - The New Testament in Jita (Kijita), London 1943 (2., rev. Aufl. London 1960); Art. in: Adventbote, 1932-1937.

Lit.: K. B. Elineema, German Adventist Contributions to Eastern Africa, in: Die Adventisten und Hamburg: Von der Ortsgemeinde zur internationalen Bewegung, hrsg. von B. Ed. Pfeiffer et al., Frankfurt/M. 1992, 110-31; - Ders., Historia ya Kanisa la Waadventista Wasabato Tanzania, 1903-1993, Dar-es-Salaam 1993.

Daniel Heinz

Letzte Änderung: 04.01.2001