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Band XXX (2009) Spalten 1129-1130 Autor: Gisela Fleckenstein

REINHARD, Paula, * 11. März 1850 in Koblenz-Ehrenbreitstein; † 18. Juni 1908 in Koblenz-Pfaffendorf war eine katholische Mäzenatin und Klostergründerin. - Pauline Franziska Elisabeth R., genannt Paula, war die zweite Tochter des aus Werden an der Ruhr (Essen) stammenden Justizrats, Laientheologen und Schriftstellers Franz Reinhard (1814-1893) und seiner Ehefrau Pauline Mittweg (1827-1850). Aufgewachsen in einem katholisch geprägten Elternhaus, erzogen als höhere Tochter, begeisterte sie sich früh für die Ideale des heiligen Franz von Assisi. Besonders geprägt wurde sie durch ihren langjährigen geistlichen Begleiter, den Kapuzinerpater Ignatius van Weldige (1830-1903). Der geplante Eintritt in das 1860 in Mainz gegründete Kloster der Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung blieb ihr aus gesundheitlichen und familiären Gründen verwehrt. Die Sehnsucht nach einem Klosterleben hielt ein Leben lang und führte bei R., die 1872 als Terziarin in den Dritten Orden des Heiligen Franziskus aufgenommen wurde, zu einem klösterlich ausgerichteten Leben im Alltag. Dazu gehörten das Gebet der Tagzeiten (Breviergebet), regelmäßiger Empfang der Sakramente, Exerzitien sowie Begleitung durch einen geistlichen Seelenführer. Von 1897 bis zu ihrem Tod war der Trierer Bischof Michael Felix Korum ihr geistlicher Begleiter. - 1866 und 1870-1871 leistete sie Hilfe bei der Verwundetenpflege in einem Koblenzer Militärlazarett und wurde am 18.08.1872 mit der Kriegs-Denkmünze in Stahl für Nicht-Combattanten am Bande ausgezeichnet. Danach in der ambulanten Kranken- und Armenpflege und, zusammen mit Maria Le Hanne geb. Reichensperger (1848-1921), im Besuchsdienst für weibliche Strafgefangene in Koblenz und Siegburg tätig. In Ehrenbreitstein wurde sie "Engel des Tales" genannt. Wallfahrten und Reisen nach Belgien, Frankreich, Österreich und Italien - oft zusammen mit ihrer Schwester, der Dichterin Maria R. (1848-1919) - vertieften religiöse Erfahrungen. - Das nicht unbeträchtliche Familienvermögen setzten sie und ihre Schwester schwerpunktmäßig für zwei Klostergründungen ein: 1892 Niederlassung der Pallottiner in Koblenz-Ehrenbreitstein und 1904 Neubau des Klosters Bethlehem der Kapuzinerklarissen von der Ewigen Anbetung in Koblenz-Pfaffendorf; eine Gründung, die von Mainz aus erfolgte. Die Neu- und Umbauten wurden von ihrem Vetter, dem Berliner Regierungsbaumeister August Menken (1858-1903) geplant. Hinzu kamen großzügige finanzielle Unterstützungen an Koblenzer Pfarreien und verschiedene andere Klöster (u.a. kamen die Dienstmägde Christi aus Dernbach nach Pfaffendorf). - Sie starb nach einer Krankheit im Alter von 58 Jahren am 18. Juni 1908 in ihrem Wohnhaus ("Villa Emmaus") in Koblenz-Pfaffendorf und wurde am 21. Juni 1908 auf dem dortigen Friedhof in der Familiengrabstätte beigesetzt. 1968 Überführung auf den Friedhof von Kloster Bethlehem.

Lit.: Johannes Jörgensen, Die Geschichte eines verborgenen Lebens, Freiburg i. Br. 1911 (und weitere Auflagen); - Johann Jacob Wagner, Coblenz-Ehrenbreitstein. Biographische Nachrichten über einige ältere Coblenzer und Ehrenbreitsteiner Familien, Coblenz 1923; - Maria Franziska von Hertling, Mutter Maria Ignatia von Hertling, Kapuzinerin der Ewigen Anbetung. Gründerin und erste Oberin des Klosters Bethlehem zu Koblenz-Pfaffendorf, Koblenz 1961; - Helene Hofmann, Meine Besuche bei der belgischen Stigmatisierten Rosalie Püt. Tagebuch einer Passion, Stein am Rhein 1990; - 100 Jahre Kloster Bethlehem 1904-2004, Lahnstein 2004; - Antonia Leugers, Eine geistliche Unternehmensgeschichte. Die Limburger Pallottiner-Provinz 1892-1932 (Pallottinische Studien zu Kirche und Welt Bd. 7), St. Ottilien 2004; - Anne Koelblin, August Menken (1858-1903). Späthistorist zwischen Köln, Berlin und Danzig, Petersberg 2004.

Gisela Fleckenstein

Letzte Änderung: 31.12.2008