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Verlag Traugott Bautz
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REINKE, Johannes, * 3.2. 1849 zu Ziethen bei Ratzeburg; † 25.2. 1931 zu Preetz (Holstein). Nach erfolgreicher Schul- und Universitätsausbildung wirkte R. ab 1879 als Professor der Botanik und Biologie in Göttingen und seit 1885 in Kiel. In seinem wissenschaftlichen Werk wandte er sich gegen »die Vergewaltigung der Wahrheit durch die Dogmen des Materialismus und Monismus«. Die Ergebnisse seiner Forschungen hat er in der Untersuchung »Die Welt als Tat, Umrisse einer Weltansicht auf naturwissenschaftlicher Grundlage« (1898; 51908) dargelegt. Wiewohl er es verneint, daß es sich dabei um eine philosophische Darstellung handle, so läßt sich doch nicht bestreiten, daß sie im wesentlichen naturphilosophische Gedanken enthält. Das gilt bis zu einem gewissen Grad auch für seine »Einleitung in die theoretische Biologie« (1901) sowie die Schrift »Die Natur und wir. Leichtverständliche Aufzeichnungen« (1907). Übrigens hatte er bereits 1905 eine Arbeit, die den Versuch einer allgemeinen theoretischen Pflanzenbiologie darstellt, unter dem Titel »Philosophie der Botanik« publiziert, damit seine bisherige Befangenheit gegenüber der Verwendung des Begriffs Philosophie aufgebend. Die in den genannten naturphilosophischen Hauptwerken R.s vertretenen Ideen hat er in zahlreichen Vorträgen und Aufsätzen vertieft und erweitert. Der Schwerpunkt seiner Naturphilosophie liegt auf dem biologischen Sektor. Konsequent fortgeführt wird der realistische Grundzug seiner Erkenntnistheorie in der physikalischen Ontologie sowie in der Lehre vom Psychischen. Das Besondere von R.s Werk liegt wesentlich in der Verknüpfung bekannter Grundformen der Naturbetrachtung bzw. in seinem Eklektizismus. Originell ist seine Verbindung von Mechanismus und Vitalismus in seiner Lebenstheorie sowie die Dominantenlehre als deren konkreter Ausdruck. Einen neuen Typ der Naturphilosophie hingegen hat R. nicht entwickelt. Aus der Kombination des naturphilosophischen Idealismus mit einem betonten transzendentalen Realismus resultiert seine dualistische Weltansicht bzw. die Überzeugung, daß »die geringste Zahl von Grundkräften, die wir nötig haben, genügt, um die Welt zu begreifen«. Die Dualität von Energie einerseits und Intelligenz andererseits, von Doma und Psyche, mündet schließlich ein in einen kosmologischen Dualismus, d.h. die Gegenüberstellung von Gott und Welt. »Durch das offene Bekenntnis zur Rationalität des Gottesglaubens gibt Johannes Reinke seiner Naturphilosophie einen ebenso würdigen als erhebenden Abschluß.«
Werke: (Auswahl): Lehrbuch der allgem. Botanik (1880); Atlas deutscher Meeresalgen, 2 Bde. (1889; 1892); Philosophie der Botanik (1905); Kritik der Abstammungslehre (1920); Naturwissenschaft, Weltanschauung, Religion (1923; 31925); Mein Tagewerk (Autobiographie, 1925); Das dynamische Weltbild (1926).
Lit.: A. Knauth, Die Naturphilosophie J.R.s und ihre Gegner (1912).
Konrad Fuchs
Textanmerkungen:
Johannes Reinke wurde am 1. April 1921 von der Universität Kiel entpflichtet.
Werkeergänzung:
Die päpstliche Note vom 1. August 1917, in: Schwäbischer Merkur Nr. 403, 29.8.1917, 1.
Literaturergänzung:
Volbehr F., Weyl R. (1956) Professoren und Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665-1954. 4. Auflage, Seite 150.
Letzte Änderung: 20.04.2007