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Band XX (2002)Spalten 1206-1209 Friedrich Buchmayr

REITHER, Josef (auch Reiter, Reitter, Reuter, Reutter), Lyriker, Augustiner-Chorherr, * 8.1. 1750 in Weinberg (Oberösterreich), † 29.5. 1809 in St. Florian. - R. trat am 15. November 1767 in das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ein u. absolvierte philos. Studien in Linz, ehe er 1768 die ewige Profess ablegte. 1773 wurde R. zum Priester geweiht. Zwei Jahre später ernannte ihn Propst Matthäus Gogl zum Kustos des Münzkabinetts im Stift St. Florian. 1778 legte R. mit der Ode "Gedanken bey einem Spatziergange" seine erste literarische Arbeit vor, die von sentimentaler Naturbegeisterung geprägt war. 1780 verließ R. sein Heimatstift u. wechselte als Kooperator nach St. Marienkirchen. Dort schrieb er für seine Pfarrgemeinde rel. Lieder nach bekannten Melodien. 1784 kam R. als Pfarrer nach Krenglbach. - Ab 1789 versuchte sich der Chorherr im Genre des Gelegenheitsgedichts, dem er zeit seines Lebens treu bleiben sollte. Ein lateinischer Willkommensgruß ("Epibaterion Panegyricon", Nachlass) wurde vom Komponisten Franz Joseph Aumann, R.s bekanntem Mitbruder, vertont. R.s Kasualpoesie ist mit den aktuellen Anlässen, denen sie galt, verklungen. Selbst die biografisch bestimmten Festgedichte zu Ordenseinkleidungen, Primizen, Priester- u. Ordensjubiläen oder Todesfällen haben aufgrund ihrer hohen Pose nur geringen Informationsgehalt. R. sah seine Aufgabe als "poeta doctus" darin, die besungenen Ereignisse durch bibl. Bezüge zu überhöhen u. in die kunstvollen Versmaße der verehrten griech. u. röm. Klassiker zu kleiden. - 1790 wechselte R. als Pfarrer nach Kleinmünchen. 1793 fand er mit dem Gedicht "Warnung eines Patrioten im Lande ob der Enns, bey Gelegenheit der Empörungsgeschichte Frankreichs" die Thematik für die Lyrik der nächsten sechs Jahre: den Krieg gegen die Franzosen. R.s patriotische Gesänge erschienen als Einzeldrucke bei Linzer u. Wiener Verlegern u. richteten sich inhaltlich gegen Napoleon, die Franzosen u. die Ideen der Französischen Revolution. 1798 konnte er dem verehrten Erzherzog Karl, dessen Feldzüge er mit begeisterten Kriegsgedichten begleitete, in St. Florian persönlich Oden u. Dialektgedichte vortragen u. überreichen. - Eine schwere Nervenkrankheit zwang R. 1799, seine Seelsorgertätigkeit aufzugeben u. 49-jährig in das Stift St. Florian zurückzukehren. Von der Pfarrgemeinde in Kleinmünchen verabschiedete er sich mit dem Rat: "Glaubt nie dem höllischen Geschwätze, / Das falsche Frey= und Gleichheit preist, / Und Gottheit, Fürsten, und Gesätze / Euch lästern, und verachten heißt." Seine nunmehr selteneren Gelegenheitsgedichte galten wissenschaftlich tätigen Ordensbrüdern (Franz Freindaller, Franz Kurz) u. dem 1807 verstorbenen Linzer Bischof Joseph Anton Gall. Als die berühmte Wiener Dichterin u. Salondame Karoline Pichler im Sommer 1806 das Stift St. Florian besuchte, war R. zu krank, um ihr begegnen zu können. Seinen poetischen Willkommensgruß erwiderte Pichler mit der Ode "An den H. Canonicus Reither in St: Florian" (Nachlass R.). In seinem Ordensbruder Josef Gugger, der engen Kontakt zu Karoline Pichler hielt, fand R. einen literarischen Nachfolger.

Werke: Rotula in obitum Matthaei II., Praepositi ad S. Florianum, o.O. 1777 (anonym); Dissertatio numismatica de consensu veterum populorum circa quaedam, quae ad religionem, ac morum virtutisque praecepta pertinent, Wien 1778 (anonym); Gedanken bey einem Spatziergange, o.O. [1778]; Andachtsübungen am Gedächtnistag der armen Seelen, Linz 1781 (anonym); Katholische Lieder für gemeine Leute, Linz 1781 (anonym, neue verm. Ausg. Linz 1782); Empfindungen eines Patrioten im Lande ob der Enns, über den Sieg am Rimnik, u. die Eroberung Belgrad[s], Wels 1789; An (Titl.) Herrn Anton Schoiber, Kapitularen des löbl. Kanonikatstiftes zu St. Florian, u. der Zeit würdigsten Pfarrern zu St. Martin. Da Selber den 17. Oktober 1790 Sein fünfzigjähriges Priesterthum feyerlich begieng, o.O. [1790] (anonym); Die Oesterreicher ob der Enns als Die K. K. Majestäten Franz, u. Theresia die zweyten Von der Krönung in Frankfurt nach Linz zurückkamen, Linz 1792 (anonym; auch als Beylage zur Linzer Zeitung Nr. 63, 1792); Warnung eines Patrioten im Lande ob der Enns, bey Gelegenheit der Empörungsgeschichte Frankreichs, Wien 1793 (2. Veröffentlichung mit Einl. u. Zusätzen versehen unter dem Titel "Ode eines Patrioten im Lande ob der Enns Uiber die Empörungsgeschichte Frankreichs", Linz 1793); Rotula in obitum Leopoldi II., Praepositi ad S. Florianum, Linz 1793 (anonym; neu hrsg. als lat. Text mit dt. Übers. unter dem Titel "Versuch einer Uebersetzung der in lateinischer Steinschrift abgefaßten Rolle auf den Tod Leopolds, Probstes zu St. Florian, im Lande ob der Enns", Wien 1793); Auf die Zurückreise Seiner Majestät des Kaisers von der Armee nach Wien im Jahre 1794, o.O. (anonym); Glückwunsch an dem Einkleidungstage des jungen Herrn Jacob von Dornfeld im Stifte St. Florian, o.O. 1794; En cineres Leopoldi proregis gentis Hungaricae.../ Siehe Leopolds Aschentopf..., o.O. [1795] (lat./dt., anonym); Avitae in Augustos pietatis haeredi genti Hungaricae ob liberalissuma adversus Gallum comitiis nuper Posoniensibus divae Theresiae nepoti Francisco II. Optumo principi decreta militis annonae armentum subsidia Panegyricas Germanus grates persolvit..., o.O. o. J.; An die neuen Oesterreichischen Krieger, in: Linzer Zeitung Nr. 72, 5. 9. 1796, Anhang (anonym); Oesterreichischer Volks=Gesang am Neuenjahrs=Feste, Linz 1796; Ode bey Erneuerung der Ordensgelübde des hochwürdigen Herrn Franz Xavier Huebmer, Dechant u. Senior, des regulirten Kollegiatstifts zu St. Florian, Linz 1796; Der erfüllte Traum, o.O. [1796]; Gesicht, Linz o. J.; Dankhymne wegen der näheren Friedensaussichten zwischen Österreich u. der französischen Republik, Wien 1797; Der Sieg bey Chatillon, Linz [1798?]; Soldatenlied ("Muthig, ihr Brüder! denkt, daß ihr Deutsche seyd"), o.O. o.J. (anonym); Gesundheiten u. Tanzlieder in bäurischer Sprache, welche in Gegenwart des Erzherzogs Karl königl. Hoheit in der Ziezlau abgesungen wurden, Linz 1798 (vielleicht identisch mit den Gedichten in der "Sammlung aller im Lande ob der Enns zur Zeit der Anwesenheit Sr. kön. Hoheit, des Erzherzogs Karl, k. k. und Reichsmarschalls, verfaßten und Höchstdemselben ehrfurchtsvoll überreichten Gedichte u. Denkschriften", Linz 1798); Wunsch bey dem Anbruche des letzten Jahres von diesem Jahrhunderte, o.O. [1799]; Volks=Lied auf die Melodie, der Heiland ist erstanden, verfaßt im Anfange des Aprilmonates dieses lauffenden Jahres 1799 von einem Patrioten, bey Gelegenheit der so zahlreich herrlichen Siege über die Franzosen, Linz 1799 (anonym); Joseph Reither Seelsorger in Kleinmünchen widmet seiner lieben Pfarrgemeinde dieses Lied bey seinem Abschiede zum ewigen Andenken, Wien 1799; Ode auf den Sieg Se. K. H. Prinz Karls, über die Jourdanische Armee, Wien 1799; Auf den Todt Pius VI., Wien 1799; Zum Primitz=Feste des hochwürdigen Herrn Leopold Dierl, regulirten Chorherrn zu St. Florian, o.O. 1804 (anonym); An die Verfasser der theologisch=praktischen Linzer=Monathschrift, o.O. 1805 (wieder abgedruckt in ThPQ 1 (1848), Heft 2, 11-12); Die Trösterinnen. Bey Gelegenheit des Friedensschlusses mit Frankreich im Jahre 1805, Linz 1806; Lied auf die Heiligsprechung der H. Angela, Stifterin des Ordens der Ursulinnerinnen. Im Ton: Kommet, lobet ohne End etc., Linz [1807] (anonym); Klagelied am Grabe Joseph Antons Weiland zweyten Hochwürdigsten Bischofs unseres Landes, Linz 1807; Meßlied für Landgemeinden. Auf die Arie: Deinem Heiland, deinem Lehrer etc., Steyr 1807 (anonym); Lied von den Geheimnissen der Erlösung. Zum Gebrauche bey Bethstunden und Prozessionen. Nach der bekannten Arie des Dreyfaltigkeit=Liedes, Linz 1808 (anonym); Manes Majorvm. Carmen authori fastorum Colleg. Ecclesiae ad S. Floriani. Ibidemque Canonico Regulari, Francisco Kurz, Linz 1808; Lied beim Einmarsch des löbl. Baron Klebek'schen Linien-Infanterie-Regiments aus dem für dasselbe so glorreichen Feldzug von 1809, Linz [1810?] (gezeichnet von Leopold Freiherr v. Hahn, aber angeblich von R.).

Lit.: Österr. Gelehrten-Anzeiger 1779, Heft 1, 66ff.; - Oberdt. Allgemeine Literaturztg. 20 (1807), Nr. 103, 201-206; - Hans Commenda, Materialien zur landeskundlichen Bibliogr. Oberösterreichs, Linz 1891, 478 und 708f.; - Lambert Guppenberger, Bibliogr. des Clerus der Diöcese Linz v. deren Gründung bis zur Ggw., Linz 1893, 171f.; - Berthold Cernik, Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs, Wien 1905, 27-31; - Johann Willibald Nagl, Jakob Zeidler, Eduard Castle, Dt.-Österr. Literaturgesch., Bd. 2, Wien 1914, 923; - Hans Giebisch und Gustav Gugitz, Bio-bibliogr. Literaturlexikon Österr., Wien 1964, 326; - Manfred Brandl, Die dt. kath. Theologen der Neuzeit: Ein Repertorium, Bd. 2: Aufklärung, Salzburg 1978, 195; - Goedeke Bd. 6, 813; - DLL Bd. 12, 963f.

Friedrich Buchmayr

Letzte Änderung: 21.05.2002