RICCABONA, Benedikt v.: Fürstbischof von Trient. * 23.3. 1807 zu Cavalese (Trentino), † 13.3. 1879 zu Trient. Ein Bruder seines Vaters, Karl R., war seit 1826 Bischof von Passau. Dieser hatte auf die Laufbahn seines Neffen einen nachhaltigen Einfluß. Noch vor dem Abschluß seiner Studien wurde R. von seinem Onkel am 8. August 1830 in Cavalese zum Priester geweiht. Dann war er einige Zeit deutscher Prediger in Trient. Hierauf Kaplan in Lavis. 1832 übernahm er die Stelle als Sekretär und Kaplan beim Münchner Nuntius Charles Mercy d'Argenteau, der ausgezeichnete Kontakte zu König Ludwig I. besaß. Hier in München bekam R. zahlreiche Kontakte und trat auch in den Kreis um Joseph von Görres. Im Jahre 1838 kehrte er in den Seelsorgsdienst seines Heimatbistums Trient zurück. Wiederum war er Prediger für die Deutschen in Trient und Pfarrer in Lavis. Bald kam er als Pfarrer nach S. Marco in Rovereto. Seit 1851 wirkte er als Propst in Bozen. Am 1. Februar 1854 nominierte Kaiser Franz Joseph R. zum Bischof von Verona. Am 16.7. 1854 wurde R. in Rom konsekriert. R. gewann in Verona das Vertrauen der Menschen durch ein mutiges Eintreten für die Bevölkerung während der Choleraepidemie. Nach der Proklamation des Königreiches Italien im Jahre 1861 nominierte Kaiser Franz Joseph R. zu Fürstbischof von Trient. Am Vigiliustag 1861 wurde R. in Trient inthronisiert. R. war ein »dezidierter Ultramontaner« (E. Gatz). Er trat auch für den Fortbestand des Kirchenstaates ein. In der parlamentarischen Auseinandersetzung mit dem Liberalismus trat er jedoch nicht so stark hervor wie Fürstbischof Vinzenz Gasser von Brixen. Besonders entlud sich der Unmut gegen R. während der Dreihundertjahrfeier des Konzils von Trient im Jahre 1863. Da wandte er sich scharf gegen die liberalen Grundsätze und den Protestantismus, der seit 1861 in Tirol Fuß gefaßt hatte. Mit maßlosen Beschimpfungen gingen nun seine Gegner gegen R. vor. 1863 gründete er für den italienischen Teil des Bistums Trient ein Knabenseminar. Auf dem Ersten Vatikanum war er anwesend, mußte aber wegen eines Schlaganfalles schon bald das Konzil verlassen. Während seines Episkopates nahm die Azione cattolica in Trient und anderen Orten mit der Gründung von Jugendvereinigungen ihren Anfang. Wegen seiner schweren Erkrankung erhielt R. in der Person seines Provikars Haller nach dem Tode des Generalvikars Boghi 1874 einen Koadjutor, »an den faktisch die Bistumsleitung überging.« (E. Gatz). R. starb nach langem Siechtum zu Trient. Sein Grab befindet sich im Dom zu Trient.
Lit.: E. Gatz: Riccabona Benedikt (1807-1879), in: E. Gatz: Die Bischöfe der deutschprachigen Länder 1785/1803-1945, Berlin 1983, 611-613; - J. Gelmi: Kirchengeschichte Tirols, Innsbruck-Wien-Bozen 1986, 193, 194, 211, 212.
Ekkart Sauser
Letzte Änderung: 09.04.2011