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Band VIII (1994)Spalten 218-221 Autor: Franz Wöhrer

RICHARD, Fitzralph, anglo-irischer Theologe, Prediger und Erzbischof v. Armagh, * um 1295 in Dundalk, Irland, † 10. oder 16.11. 1360 in Avignon. - R.F. studierte in Oxford Theologie, wo er sich mit großem Eifer und Erfolg der Lehre der Scholastik zuwandte. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Paris wurde der hochbegabte Student »Fellow« des Balliol College. Seine akademische Laufbahn erreichte 1332, nach der Promotion zum »Doctor of Divinity«, mit der Bestellung zum Kanzler der Universität Oxford (1332-1334) den Höhepunkt. Am 10.7.1334 wurde er Mitglied des Domkapitels der Kathedrale von Lichfield und ein Jahr später ebendort Kanoniker. 1337 wurde er Erzdiakon in Chester und Dekan in Lichfield, ehe er 1347 von Papst Clemens VI zum Erzbischof von Armagh berufen wurde. Vom latein. Ortsnamen für Armagh leiten sich auch R.F.s Beinamen »Amarchanus« und »Admachanus« ab. R.F. war ein charismatischer Prediger und leidenschaftlicher Kirchenreformer. Er war unermüdlich um die Hebung des Bildungsniveaus der Priester und der Gläubigen bemüht und trug maßgeblich zur Weiterbildung der Weltgeistlichen seiner Diözese bei. 1350 weilte er (wie schon seit etwa 1335 oftmals zuvor) für längere Zeit am Hofe des Papstes in Avignon, wo er als Prediger hochgeschätzt war. R.F. brachte vor dem Papst auch Klagen seiner Diözesanpriester gegen die Privilegien der Bettelorden und deren Mißbrauch vor. Zwischen Juni 1356 und März 1357 hielt R.F. in London, darunter in der St. Paulskirche, eine Reihe von Predigten in der Volkssprache (hs. überliefert sind - vorwiegend in latein. Übertragung - insgesamt 88 Homilien), die alle gegen Mißstände innerhalb der Bettelorden gerichtet waren (u.a. Mißbrauch des Sakraments der Buße; Ablaßunwesen, Aufnahme von minderjährigen Knaben in die Orden, ausschweifender Lebenswandel, privates Eigentum der Orden). Er formulierte seine umfassende Kritik an den Bettelorden in der Abhandlung »De pauperie Salvatoris«. R.F. verurteilte grundsächtlich das Gelübde der frei gewählten Armut als Ordensregel und stellte es seinem kathol. Verständnis evangelischer Armut gegenüber. In diese Zeit fällt auch seine Kontroverse mit Vertretern der armen. Kirche. In der »Summa in quaestionibus Armenorum« greift er die theolog. Position der griech. und armen. Kirche vehement an. Originell, und von großem Einfluß auf die Reformation, war seine Lehre von der Bedingheit jedes Autoritäts- und Herrschaftsanspruchs vom Leben im Gnadenstande. Die Autorität und das Recht auf Herrschaft eines weltl. wie auch eines kirchl. »Fürsten« würde unweigerlich verwirkt werden, wenn dieser in Todsünde fällt. 1357 wurde R.F. von Papst Innozenz VI wegen seines Konflikts mit den Bettelorden nach Avignon gerufen, wo er seine Position im Armutsstreit verteidigte. R.F.s kühne These von der Unvereinbarkeit der evangel. Armut mit den Lebensregeln der Bettelorden, sowie dem Landbesitz von Klöstern und Kirche erregte unter den Vertretern der Amtskirche heftigen Widerspruch, wurde vom Papst jedoch nicht offiziell verurteilt. R.F. starb drei Jahre später in Avignon. Als Todestag findet sich in einigen histor. Quellen der 10.11., in anderen der 16.11. 1360. R.F.s Gebeine wurden 1370 nach Dundalk überführt. - Wegen des heiligmäßigen Lebens R.F.s und der Wunderberichte von Pilgern zu seiner Begräbnisstätte blieb das Andenken an ihn lange lebendig. 1399 leitete Papst Bonifaz IX ein Verfahren zur Heiligsprechung ein; dieses wurde aber - aus nicht näher bekannten Gründen - nach einiger Zeit wieder eingestellt. R.F.s letzte Ruhestätte in der St. Nikolauskirche von Dundalk wurde dennoch zum Wallfahrtsort; die Heiligenverehrung von »St. Richard von Dundalk« ist in der Tradition der ir. Volksfrömmigkeit bis weit in das 17. Jahrhundert hinein belegt. R.F. gilt als der einzige profilierte Scholastiker, den die ir. Kirche hervorgebracht hat. Im Spätmittelalter ist R.F. der einzige Theologe Irlands, der über den angelsächs. Raum hinaus Ansehen und Einfluß erlangte. Seine Bedeutung als Theologe und Reformer beruht vornehmlich auf seinen Beiträgen zum Armutsstreit mit den Bettelorden (insbesonders den Franziskanern und Dominikanern), seiner fundierten Widerlegung der Irrtümer der armen. Kirche und seiner Lehre von »Herrschaft und Gnade«. Diese Lehre hatte nachhaltigen Einfluß auf den radikalen engl. Kirchenreformer John Wyclif (um 1328-1384) und - über Wyclif - auf Johannes Hus und die Reformation am Kontinent.

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Werke: Defensorium curatorum, Löwen (um) 1475; Summa in questionibus Armenorum, hrsg. v. Johannes Sudoris, Paris 1512; De pauperie Salvatoris, in: Iohannis Wycliffe de dominio divino, hrsg. v. R. Poole, London 1890.

Lit.: A. Bellesheim, Geschichte der kath. Kirche in Irland I, Mainz 1890, 520 ff.; - G. Meersseman, O.P., Hrsg., La Defense des ordres mendicants contre R.F., par Barthelemy de Bolsenheim O.P. (1357), in: Archivum Fratrum Praedicatorum 5, 1935, 124-137; - Aubrey Gwynn, The Sermon-Diary of R.F., Archbishop of Armagh, in: Proceedings of the Royal Irish Academy 44, 1937, 1-57; - L. Hammerich, The Beginning of the Strife Between R.F. and the Mendicants, Kopenhagen 1938; - Aubrey Gwynn, The Austin Friars in the Time of Wyclif, London 1940, 80-89; - Dies., Two Sermons of Primate R.F., in: Arch. Hib. 14, 1949, 50-65; - G. Leff, R.F.: Commentator of the »Sentences«, Manchester 1964; - Katherine Walsh, A Fourteenth-Century Scholar and Primate: R.F. in Oxford, Avignon and Armagh, Oxford 1981; - T. Dolan, Traditional and Innovative Perspectives on R.F. in the Fifteenth Century, in: Fifteenth-Century Studies 8, 1983, 37-48; - Ders., Passus in R.F. and Langland, in: English Language Notes 23, 1985, 5-7; - Edith Dolnikowski, R.F. and Wyclif on the Mendicants, in: Michigan Academician 19, 1987, 87-100; - T. Dolan, English and Latin Versions of R.F.'s Sermons, in: Latin and Vernacular Studies in Late-Medieval Texts and Manuscripts, hrsg. v. Alistair Minnis, 1987; - Ders., Langland and R.F.: Two Solutions to the Mendicant Problem, in: The Yearbook of Langland Studies 2, 1988, 35-45; - DNB VII, 194 ff.; - ODC, 507; - LThK VIII, 1289 f.; - NewCathEnc XII, 479; - TRE XVI, 277.

Franz Wöhrer

Literaturergänzung:

1993

Michael J. Haren, Bishop Gynwell of Lincoln, two Avignonese statutes, and Archbishop FitzRalph of Armagh's suit at the Roman Curia against the friars, in: AHP 31.1993, S. 275-292; -

2009

Andrew E. Larsen, The condemnation of John Kedington, OSA, in: Augustiniana 59.2009, S. 159-172.

Letzte Änderung: 09.04.2011