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Band VIII (1994)Spalten 208-211 Autor: Martin Persch

RICHARD von Greiffenklau zu Vollrads, Erzbischof von Trier, * 1467 auf Burg Vollrads bei Winkel (Rheingau), + 13. März 1531 auf Schloß Ottenstein bei Wittlich. - R. war der vierte Sohn des rheingauischen Viztums Johann v. Greiffenklau und der Klara von Ratsamhausen. Schon früh wurde er für den geistlichen Stand bestimmt und 1482 Domizellar (Anwärter auf ein Kanonikat) des Trierer Domkapitels. Nachdem er im Jahre 1487 Domkapitular geworden war, erhielt er am 14.4. 1488 Urlaub für mehrjährige Studien in Paris. 1503 ist er als Domkantor in Trier nachgewiesen; außerdem bekleidete er ein Kanonikat in Mainz. Am 15. Mai 1511 wurde R. zum Erzbischof von Trier gewählt und am 30. Mai 1512 konsekriert, nachdem am 26. April 1512 der Domherr Jakob v. Eltz die Bestätigungsbulle von Papst Julius II. und das Pallium überbracht hatte. In Reichsangelegenheiten war R. überaus geschäftig und rührig; er nahm regelmäßig und persönlich an den Reichstagen teil. Als Anhänger von Franz I. und Empfänger stattlicher Bestechungsgelder versuchte er vergeblich, diesem beim Wahlakt in Frankfurt 1519 die deutsche Krone zu verschaffen. Zum schließlich gewählten Kaiser Karl V. hat er dann versucht, in ein erträgliches Verhältnis zu geraten, was auch glückte, wenngleich er die Beziehungen zu Franz I. nicht aufgab. 1515 begann er mit der Reform des Gerichtswesens im Erzstift, indem das Land- und Lehnsrecht kodifiziert und wie das Prozeßverfahren an das neue römische Recht angeglichen wurde. Energisch trieb er die durch die Bursfelder Kongregation begonnene Reform der Benediktiner-Klöster voran, was ihm mancherlei Ungemach bis hin zu kriegerischer Gewalt eintrug. Die des Landes vertriebenen Juden ließ er wieder zurückkehren. 1512 ließ R. auf Wunsch des Kaisers Maximilian den Hl. Rock für 23 Tage ausstellen und eröffnete damit die Möglichkeit neuer Formen der Volksreligiosität für die trierischen Lande. Auf dem Reichstag zu Worms hat R. in verschiedenen Gesprächen vergeblich versucht, Martin Luther zur Unterwerfung und zu einem Kompromiß zu bewegen. Nach dem Bericht des päpstlichen Nuntius Alexander habe er Luther, »wenn er aus Furcht vor Todesdrohungen seiner Anhänger sich weigere zu widerrufen, ein schönes Priorat bei einer seiner Burgen und zunächst einen Platz an seinem Tische und in seinem Rate und damit den Schutz auch des Kaisers und die Gunst des Papstes angeboten.« Luther wies jedoch das Angebot zurück. Nach der Rückkehr in das von der Reformation weitgehend unberührte Trierer Erzstift hatte sich R. mit Franz von Sickingen auseinanderzusetzen. Er war ins Visier dieses Raubritters geraten, weil er bei der Kaiserwahl zunächst gegen Habsburg gestanden und dann auf dem Wormser Reichstag gegen Luther opponiert hatte. Vergeblich versuchte Sickingen im September 1522, die Stadt Trier einzunehmen, nachdem er mehrere Burgen und Ortschaften gebrandschatzt hatte. R. benutzte die Belagerung von Trier, um gegen die mächtige Reichsabtei St. Maximin vorzugehen. Unter dem Vorwand, die Abtei dürfe nicht in die Hände der Feinde fallen, ließ er sie zerstören. Sickingen ließ er verfolgen und stand am 2.5. 1523 zusammen mit dem Kurfürsten von der Pfalz und dem hessischen Landgrafen an seinem Sterbelager auf Burg Landstuhl. 1527 wurde R. zum kaiserlichen Rat ernannt. Am Reichstag zu Regensburg 1527 nahm er nicht teil, wohl aber am Reichstag zu Speyer 1529. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 ließ er sich durch den Trierer Dompropst Johann v. Metzenhausen, seinen Nachfolger als Erzbischof von Trier, vertreten. Der seit Balduin von Luxemburg wohl bedeutendste Trierer Erzbischof fand seine letzte Ruhestätte im Trierer Dom.

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Lit.: Urkunde des trierischen Kurfürsten Richard, das Gotteslästern und Zutrinken betreffend, in: Trierische Kronik 4 (1819) 109-111; - Gesta Trevirorum, ed. J.H. Wyttenbach et M.F.J. Müller, vol. II, Augustae Trevirorum 1838, cap. CCLXXXIII-CCXC; - Rheinischer Antiquarius I/3, 614-730; - Jakob Marx d. Ä., Geschichte des Erzstifts Trier, Band I, Trier 1858, 173-196; - Johann Leonardy, Geschichte des Trierischen Landes und Volkes, Trier 21877, 595-647; - Julius Wegeler, Richard von Greiffenklau zu Vollraths, Erzbischof und Kurfürst von Trier. Ein Beitrag zur Spezialgeschichte des Rheinlandes, Trier 1889; - Paul Rettberg, Studien zum Verständnis der Politik des Kurfürsten Richard von Trier in den Jahren 1519-1526. Dissertation Greifswald 1901; - Johannes Wiegand, Das Grabdenkmal des Erzbischofs Richard von Greiffenklau im Dome zu Trier, Trier 1904; - Gottfried Kentenich, Geschichte der Stadt Trier, Trier 1915, 319-325; - Albert Henche, Zur Persönlichkeitswertung Richards von Trier als rheinischen Politikers, in: Historisches Jahrbuch 49 (1929) 240-262; - Mittelrheinische Geschichtsblätter 9 (1929) Nr. 9, 3-4; - Nikolaus Irsch, Der Dom zu Trier (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 13. Bd. I. Abt.), Düsseldorf 1931, 214-219; - Carl Stenz (Hrsg.), Die Trierer Kurfürsten, Trier 1937, 53; - Handbuch des Bistums Trier XX (1952) 41; - Emil Zenz, Gestalten des Trierer Landes, Trier 1954, 47-50; - Ders., (Hrsg.), Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum, Band VI, Trier 1962, 43-57; - Sophie-Mathilde Gräfin zu Dohna, Die ständischen Verhältnisse am Domkapitel von Trier vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Trier 1960, 129; - Aloys Schmidt, Richard von Greiffenklau, Erzbischof und Kurfürst zu Trier, in: Nassauische Lebensbilder 6 (1961) 1-25; - Ders., Art. R., in: Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland, Trier 1967-1975, 303-304; - Ders., Der Trierer Kurfürst Erzbischof Richard von Greiffenklau und die Auswirkung des Wormser Edikts in Kurtrier, in: Der Reichstag zu Worms von 1521. Reichspolitik und Luthersache. Hrsg. von Fritz Reuter, Worms 1971, 271-296; - Benedikt Caspar, Das Erzbistum Trier im Zeitalter der Glaubensspaltung bis zur Verkündigung des Tridentinums in Trier im Jahre 1569, Münster 1966, passim; - Ferdinand Pauly, Aus der Geschichte des Bistums Trier, Band III: Die Bischöfe von Richard von Greiffenklau (1511-1531) bis Matthias Eberhard (1867-1876) Trier 1973, 11-14; - Erich Düsterwald, Kleine Geschichte der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier, St. Augustin 1980, 108-112; - Werner Schuhn, Richard von Greiffenklau. Ein bedeutender Trierer Kurfürst und Erzbischof der Reformationszeit, in: Kreis Trier-Saarburg 1984. Ein Jahrbuch zur Information und Unterhaltung, Trier 1983, 165-173; - Otto Renkhoff, Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten, Wiesbaden 1985, 130; - Bernhard Gondorf, Verwandtschaftliche Beziehungen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier zueinander, in: Archiv für Sippenforschung 51 (1985) 298 f.; - ADB XXVIII 413-418.

Martin Persch

Letzte Änderung: 09.04.2011