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Band VIII (1994)Spalten 918-919 Autor: Arend Quak

RUDBECK(IUS), Johannes Johannis, schwedischer Theologe und Prediger, * 3.5. 1581 in Ormesta als Sohn von Johann Pedersson R., Landsschreiber in Westnärke, später Stadtschreiber in Örebro, + 8.8. 1646. - J. R. besuchte die Schule in Örebro und Västerås und studierte an der Universität Uppsala. Danach reiste er nach Wittenberg, wo er 1603 Magister wurde. Von 1604 bis 1607 war er Professor für Mathematik in Uppsala. Hier kämpfte er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Johannes Canuti Lenaeus (1573-1669) für die neuaristotelische Philosophie gegen den Ramismus, der damals in Uppsala vorherrschte. In den Jahren 1607-09 studierte er Theologie in Wittenberg und wurde anschließend wieder Professor in Uppsala (anfangs für Hebräisch, seit 1611 in der Theologie). Seine heftige Polemik mit dem Kollegen Johannes Messenius (1579-1636) führte zu Krawallen unter den Studenten und beide Professoren mußten 1613 die Universität verlassen. J. R. wurde Hofprediger von Gustav Adolf und machte dessen russische Feldzüge 1614 und 1615 mit. Seine Feldpredigten wurden später gesammelt unter dem Titel `Beatum regis sceptrum'. Er wurde wichtiges Mitglied der Bibelkommission, die 1618 eine sorgfältige Neuauflage der Bibelübersetzung von 1541 herausgab: `Gustav Adolfs bibel'. Am 24.10. 1617 promovierte J. R. zum Doktor der Theologie an der Universität Uppsala. 1618 wurde er Bischof von Västerås. In diesem Amt war J. R. unermüdlich tätig für die Bildung und theologische Schulung seiner Pfarrkinder. Er gründete Schulen, u. a. das berühmte Gymnasium in Västerås, wo viele berühmte Gelehrte und Dichter studierten (z. B. Olaus Rudbeck, Georg Stiernhielm, Johan Stiernehöök). Auch war J. R. sehr aktiv für die Reichskirche: Er reorganisierte die Kirche in Estland (1627) und kämpfte für die Selbständigkeit der Reichskirche. Besonders im Streit um das Consistorium ecclesiasticum generale, die zentrale Kirchenverwaltung, trat J. R. als entschiedener Gegner der Regierung unter Axel Oxenstierna auf, die auch Laien in die Verwaltung zulassen wollte. Der Streit führte dazu, daß R. überschlagen wurde bei der Ernennung eines Erzbischofs 1637. Wegen seiner schwachen Gesundheit wollte J. R. 1640 und 1641 zurücktreten, blieb aber auf Drängen der Geistlichen weiterhin Bischof. Nach langem Krankenlager ist er am 8.8. 1646 gestorben. - J. R.s Bedeutung liegt vor allem in seiner praktischen Tätigkeit, besonders in der Zeit, wo er Bischof von Västerås war. Er führte zahlreiche Verbesserungen durch und war unermüdlich tätig im Sinne des alten humanistischen Bildungsideals. Darüber hinaus aber führte er auch den Unterricht in Historie, Ethik, Staatslehre und schwedisches Recht ein. Sogar botanische Studien wurden getrieben und J. R. gründete den ersten botanischen Garten in Schweden. Er gründete eine Druckerei, eine Buchbinderei und eine Buchhandlung und gab Studienbücher heraus. Armen- und Krankenhäuser verdanken ihm ihre Existenz. Als Prediger trat J. R. als freimütiger Mensch hervor. Seine Predigten atmen einen fast alttestamentarischen Geist, wenn er die Sünder geißelt. In herber realistischer Sprache wettert er gegen das Verderbnis der Zeit und brandmarkt die Laster eins nach dem anderen: Trunksucht, Hurerei, Entheiligung des Sabbath. Dies machte ihn eher gefürchtet als beliebt. Dennoch war er ein großer Inspirator für seine Schüler.

Werke: De literarum et scholarum utilitate (1604); De servitute pontifica (1609); Causa primaria bellorum (1611); Institutiones epistolicae libri duo (1624); Logica (1625); Controversiae logices (1629); Jordeferdz eller Vthförelse Predikan öffuer then stormechtighe högborne furstes och herres H. Gustaff Adolphs ... kunglighe lijk ... (1634); Beatum regis sceptrum (+ um 1689). - Auswahl: B. R. Hall (Hrsg.), Kulturella interiörer från storhetstidens uppryckningsarbete (1915).

Lit.: B. R. Hall, J. R., en historisk-pedagogisk studie, I (1910); - H. Scheffer, J. R., en kämpagestalt från Sveriges storhetstid (1914); - Gustaf Lindberg, J. R. som predikant 1927.

Arend Quak

Letzte Änderung: 21.02.1999